Stellar Blade ist ein verdammt gutes Spiel - und stellt sich mit seiner Gestaltung selbst ein Bein

Kolumne Lukas Schmid
Stellar Blade ist ein verdammt gutes Spiel - und stellt sich mit seiner Gestaltung selbst ein Bein
Quelle: Shift Up

Das Spiel mit der fast nackten Hauptfigur ist erschienen - und es ist so viel mehr als nur Fleischbeschau: The Game. Warum die Debatte um Stellar Blade in die falsche Richtung geht.

Es wäre reichlich naiv, zu denken, dass da nicht ein Plan dahintersteckt. Die südkoreanischen Entwickler*innen des Teams Shift Up sind ja nicht aus Versehen mit dem Mauszeiger ausgerutscht und auf einmal waren alle Kostüme der Hauptfigur tief ausgeschnitten und ihre Brüste fingen zu tanzen an, wenn sie sich räusperte.

It's the EVE-conomy, stupid

Sex sells, und controversy sells, und abseits davon, dass Sony als Publisher natürlich ein großer Erfolgs-Pusher ist, hat fast jeder, der sich mit Gaming beschäftigt, inzwischen von Stellar Blade gehört und sich eine Meinung erarbeitet. Diese Werbestrategie ist nicht besonders kreativ und vielleicht nicht unproblematisch, aber vor allem ist sie: ziemlich effektiv.

Auf Verkaufszahlen müssen wir aktuell noch warten, aber ich gehe stark davon aus, dass uns da ziemliche Rekordwerte erwarten werden. Also alles richtig gemacht? Um mit den legendären Worten aus der Tagesschau zu antworten: ja, aber auch nein.

Stellar Blade Quelle: Shift Up

Nicht die Tür aufmachen, ich spiele PS5!

Ja, weil... nun, wegen allem, was ich gerade gesagt habe. Aber auch nein, denn: Stellar Blade hat jetzt einen Ruf weg. Es ist das Schmuddelspiel, das, für das sich Leute starkmachen, deren Unterstützung man abseits der Verkäufe wohl nicht unbedingt haben möchte. Es ist das Spiel, das spaltet, das Spiel, bei dem man dafür oder dagegen sein muss, zumindest, wenn man dem giftigen Diskurs im Internet folgt.

Es ist, auch jetzt nicht, das Spiel, das gute bis sehr gute Wertungen einfährt, weil es sehr viel richtig macht, ganz unabhängig der EVE-Debatte. Und das, obwohl es ja genau dieses Spiel ist!

Woran wird man sich in Zukunft erinnern, wenn man an Stellar Blade denkt? An die tadellose Steuerung, die einen durch die anspruchsvollen Gefechte tänzeln und elegant Block an Konter an Ausweichen an Angriff ketten lässt? An die schön gestalteten, semi-offenen Gebiete, in denen es viel zu entdecken gibt? An die abwechslungsreiche Missionsgestaltung? An das Upgrade-System?

Es war einmal ein Busen

Nein, man wird sich daran erinnern, dass EVEs Busen und Hintern wackeln, wenn sie sich bewegt, und vielleicht noch an Bayern Weißbier Dunkel als kleine, lustige Randnotiz, wenn es hoch hergeht.

Eve hält grinsend eine Dose mit dem Aufdruck "Bayern Weißbier Dunkel" in die Kamera. Quelle: PC Games Das mag den Entwickler*innen egal sein oder auch nicht, denn wenn sie einen Verkaufshit abliefern, haben sie auf jeden Fall ihren Job gut gemacht. Sie haben ihren Job aber eben nicht nur deswegen gut gemacht, sondern indem sie verdammt kompetent ein Videospiel entwickelt haben.

Sogar das große Vorbild Nier Automata bleibt von so einem Effekt nicht verschont. Dadurch, dass es vor allem erzählerisch qualitativ doch noch einen ganzen Zacken herausragender war oder ist als Stellar Blade, hat es diesen Fluch ein wenig überwunden. Über kurz oder lang geht die Diskussion aber auch hier regelmäßig auf 2Bs Minirock zurück.

Der Preis ist wohl, dass man in Zukunft selten zurückblicken wird und abseits aller Kontroversen sagen wird: Stellar Blade, das war ein richtig gutes Spiel. Nö, man wird zurückblicken und sagen: Ja, die EVE, die war ja schon ganz schön nackt. Und das ist angesichts der großen Qualitäten des Spiels ziemlich schade.

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