Stellar Blade ist ein verdammt gutes Spiel - und stellt sich mit EVE selbst ein Bein
Kolumne
Das Spiel mit der fast nackten Hauptfigur ist erschienen - und es ist so viel mehr als nur Fleischbeschau: The Game. Warum die Debatte um Stellar Blade in die falsche Richtung geht.
Ich verrate jetzt einmal ein Geheimnis. Bitte nicht weitersagen, ich verlasse mich da auf euch. Also fertig? Okay, dann sag ich es jetzt:
Stellar Blade (jetzt kaufen 65,96 € / 62,99 € ) ist gut.
Ich finde sogar: ziemlich gut. Unser Tester Stefan mochte es auch, ich bin der Mischung aus flüssiger Action, stimmiger Technik und etwas plakativ erzählter, aber recht spannender Story sogar noch mehr verfallen.
Das sind die Dinge, die Stellar Blade für mich ausmachen, hinzu kommen noch eine ordentliche Portion Abwechslung, überraschend umfangreiche Quality-of-Life-Features und einige andere Aspekte.
Lesetipp: In Stellar Blade alle Dosen finden - Video-Guide
Das EVE-angelium nach Stellar Blade
... Und dann ist da ja noch die Sache mit EVE, der Hauptfigur, und in geringerem Ausmaß mit weiteren weiblichen Figuren wie Lily. Aber vor allem halt EVE. Oder soll ich lieber sagen Hautfigur, weil EVE ziemlich viel Haut zeig- ach, ich lass' das mit den Wortspielen lieber.
Jedenfalls, EVE ist, je nach Outfit in unterschiedlichem Ausmaß, aber eigentlich immer, ziemlich nackt. Und nicht nur das, dank "realistischer" Körperphysik, und setzt dieses "realistisch" bitte zwischen die größten Anführungszeichen, die ihr euch vorstellen könnt, wobbelt und wabert es an EVEs Körper fröhlich herum, dass jeder Wackelpudding vor Neid, äh, wackelt.
Quelle: Shift Up
Diese überzogene Sexualisierung der Hauptfigur macht Stellar Blade nicht aus. Und sie macht Stellar Blade absolut aus.
Auch ohne Hintern ziemlich gut
Was ich damit meine: Im Spiel selbst ist EVEs Gestaltung kein wesentlicher Faktor. Ja, die freizügigen Klamotten sind einer der primären Sammelgegenstände, und ja, bei manchen Kamerafahrten in Zwischensequenzen schickt man kleine Kinder dann doch lieber aus dem Zimmer.
Aber abseits davon ist's halt relativ billig-plakative Effekthascherei, und die meiste Zeit verbringt man dann doch eher mit den wahren Qualitäten des Spiels, als angesichts virtueller Schenkel zu gafern. Ist halt wie bei Nier, vor allem bei Nier Automata, dem Spiel, das in jeder Hinsicht mehr als nur eindeutig Pate bei der Gestaltung von Stellar Blade gestanden hat.
Dort ist die Hauptfigur auch halb nackt, primär aus Gründen des "weil es so ist", und Stellar Blade geht den gleichen Weg, nur halt, wie auch in manchen anderen Aspekten, etwas plumper.
Und wenn Nier von der Klippe springt ...
Nier Automata ist nicht deswegen ein tolles Spiel, weil die dortigen Heldinnen 2B und A2 nackig herumhelden. Stellar Blade ist nicht deswegen ein tolles Spiel, weil EVE im Schlüpfer schnetzelt. Sie sind aber auch nicht trotz dieses Umstandes gut, das würde zu weit führen.
Ich persönlich bräuchte diese Softporno-Parade wirklich nicht und sie ist natürlich mit Blick auf den inhärenten Sexismus nicht unproblematisch. Meine Kollegin Toni hat da vor einiger Zeit mal einen sehr smarten Meinungbeitrag dazu geschrieben, ich empfehle dringend, ihn zu lesen.
Mir als Cis-Mann steht es nicht zu, zu sagen "das ist oder ist nicht sexistisch", da gibt es anderen Menschen, deren Meinungen im Gegensatz zu meiner relevant sind. Nein, ich bleibe lieber beim Spiel selbst, und unabhängig des Kerns der potenziellen Nackedei-Problematik sehe ich ihre negativen Auswirkungen an anderer Stelle: bei der Einordnung der Qualität des Spiels an sich.
Verschobene Debatte
Denn, ich habe es zu Beginn schon gesagt: Stellar Blade ist ein ziemlich gutes Ding, und jetzt, wo es erschienen ist, geht's in der Besprechung des Spiels schon auch um Gameplay, Worldbuilding, Kampfsystem und so weiter. Mit Betonung auf auch.
Und im Vorfeld? Nun, in den letzten Monaten der intensiven Bewerbung und spätestens seit dem Release der Demo war Stellar Blade vor allem eines: das Spiel mit der Busenfrau. Hat irgendjemand ernsthaft über das Spiel geredet mit Blick auf, nun, den Spiel-Part? Wohl nur in homöopathischen Dosen.
Bildergalerie
Nein, da ging es um die Pöter-Physik und die eiserne Verteidigung des eigenen Standpunktes: In der einen Ecke des Rings die Gruppe derer, die die sexistische Gestaltung kritisieren, in der anderen Ecke die im Affekt aufgeweckten "jetzt erst recht!"-Schreier, die den Untergang der Zivilisation daran festmachen, dass nicht jede Spielfigur wie EVE aussieht und im Internet allen sagen, dass man nichts mehr sagen darf.
