Last Man Standing: Kostenloser Battle-Royle-Shooter im Anspielbericht
Special
Battle-Royale-Spiele sind aktuell hoch im Kurs. Der bittere Kampf ums Überleben elektrisiert Millionen Spieler. Mit Last Man Standing erhalten alle Freunde dieses Genres nun auch eine kostenlose Alternative. Ob das Spiel einen Download wert ist, haben wir im Anspielbericht für euch geprüft.
PlayerUnknowns Battlegrounds hält sich standhaft auf Platz 1 der Steam-Charts und scheint auch sonst sämtliche Rekorde zu brechen. Das Interesse an Battle-Royale-Spielen ist dementsprechend hoch und Battlegrounds in aller Spieler Munde. Da verwundert es wenig, dass sich auch andere Entwickler an einem solchen Spielprinzip versuchen. So auch das Entwicklerstudio Free Reign Entertainment, welches mit Last Man Standing ein Free2Play-Spiel veröffentlichte, das PlayerUnknowns Battlegrounds verdächtig ähnelt. Bevor wir dem Entwickler nun aber voreilig des Ideendiebstahls bezichtigen, befassen wir uns einmal völlig unvoreingenommen mit dem gebotenen Spielerlebnis.
In diesem Artikel
Last Man Standing lässt uns zunächst die Wahl, ob wir alleine oder mit Freunden ins Gefecht ziehen. Entscheiden wir uns für letzteres, wird noch einmal zwischen Zwei-Spieler-Teams und Squads von bis zu vier Spielern differenziert. Besonders ärgerlich: Besitzen unsere Freunde das Spiel nicht oder haben - im Gegensatz zum Autoren dieses Textes - besseres zu tun, als werktags um 13 Uhr vorm Bildschirm zu sitzen, bleibt uns der Team-Modus verwehrt. Zufällig vom Spiel erstellte Teams gibt es nämlich nicht.
Ausrüstung ist alles
Quelle: PC Games
In der Warte-Lobby kommt es vor dem Rundenstart nicht selten zu lustigen Massenschlägereien.
Also treten wir zunächst einer Free-for-All-Runde bei und werden zügig einem Match zugewiesen. Wir finden uns in einer kleinen, ummauerten Stadt wieder und können vor Beginn des eigentlichen Spiels einen Booster auswählen, der uns beispielsweise doppelte Erfahrungspunkte oder extra Minen gewährt. Diese kleinen Start-Boni schalten wir dabei durch simples Spielen frei und können vor jeder Runde exakt einen Vorteil aktivieren. Nach zwei Minuten in der Wartelobby und nicht selten entstehenden Massenschlägereien startet das eigentliche Spiel und lässt uns irgendwo auf einer großen Insel erscheinen. Mit dem netten Hinweis "Fight to the Death", was übersetzt so viel wie "Kampf bis zum Tod" bedeutet, werden wir dann auch schon uns selbst überlassen.
Zunächst schauen wir uns wahlweise in Ego- oder Third-Person-Sicht um und entdecken neben einer Vielzahl an Bäumen und Sträuchern ein nicht weit entferntes Haus. Schnell laufen wir also zu jenem scheinbar durch Bomben zerstörten Gebäude und sehen uns einmal im Wohnzimmer um. Hier werden wir auch direkt fündig: Sturmgewehre, schusssichere Westen und jede Menge Schmerzmittel warten darauf, von uns eingesammelt zu werden. In Last Man Standing sind nahezu alle Gebäude mit einer Vielzahl an interessanten Fundstücken versehen. Langes Suchen nach guter Ausrüstung bleibt uns somit erspart. Trotzdem lohnt sich auch zum späteren Zeitpunkt ein Blick in die einzelnen Gebäude, denn nicht selten findet man noch bessere Waffen, stärkere Panzerung oder wertvolle Aufsätze. So können wir zum Beispiel Schutzwesten mit entweder 300, 600 oder 900 Rüstungspunkten finden. Die diversen Aufsätze bringen auch unterschiedliche Vorteile. Mit einem Trommel-Magazin können wir beispielsweise 100 Schuss abgeben ohne nachzuladen. Dank ACOG-Visier können wir wesentlich präziser unsere Gegner unter Beschuss nehmen. Und Erste-Hilfe-Koffer sowie Schmerzmittel lassen uns den einen oder anderen Treffer auskurieren.
Quelle: PC Games
Das Ausrüsten in sehr einfach gelöst. Wir ziehen die neue Ausrüstung einfach auf den jeweiligen Slot und können direkt weiter.
Das Ausrüsten und Anpassen der Gegenstände ist dabei ziemlich gut gelungen: Halten wir die TAB-Taste gedrückt, erscheint ein überschaubares Interface. Auf der linken Seite finden wir unsere aufgesammelte Beute sowie drei Quickslots, die wir nach Belieben mit Bandagen, Pillen oder Granaten füllen können. Am rechten Bildschirmrand bekommen wir unsere Haupt- sowie Sekundärwaffe zu sehen. Haben wir ein Anbauteil für unsere Schießeisen aufgesammelt, können wir dieses ganz einfach per Ziehen auf die entsprechende Waffe befestigen. Langes Verweilen im Menü wird so effizient vermieden und der Tod durch das Anlegen neuer Ausrüstung bleibt die Ausnahme.
Auf zur Pirsch
Haben wir uns erst einmal bis an die Zähne bewaffnet und sind während unseres Beutezugs nicht von einem auf dem Klo lauernden Kontrahenten erschossen worden, widmen wir uns endlich der Jagd. Während wir also von einem Haus zum nächsten laufen, können wir Mauern, Fahrzeuge und Büsche als Deckung nutzen. Selbst fahren dürfen wir die besagten Fahrzeuge übrigens nicht. Das Nutzen der Umgebung ist trotzdem äußerst wichtig, denn in den weitläufigen Landschaften verliert nicht selten derjenige, der sich zu oft zu erkennen gibt. Erspähen wir einen Feind, sollten wir zudem immer erst überlegen, ob sich das Betätigen des Abzugs lohnt. Hat unsere Waffe nicht die nötige Reichweite, machen wir nur auf uns aufmerksam und sind danach wohlmöglich selbst im Nachteil.
Quelle: PC Games
Die Gebäude sind zwar recht detailreich, oftmals wirken Texturen aber sehr unscharf.
Die gesamte Landschaft, die Ausrüstung und auch die Spielfiguren präsentieren sich dabei in einem sehr kargen Gewand. Zahlreiche Pflanzen, Bäume und Mauern sorgen zwar für viele Deckungsmöglichkeiten, wirklich ansehnlich wird die Landschaft dadurch aber nicht. Die einzelnen Gebäude fallen da schon wesentlich detaillierter aus und führen uns in zerstörte Wohnzimmer oder verwüstete Kinosäle. Richtig überzeugen kann die Optik dennoch nicht, die Texturen sind oft unscharf und allgemein wirkt Last Man Standing sehr trist und detaillos. Auf Sound-Ebene hat das Survival-Spiel da schon etwas mehr zu bieten: Schüsse aus der Entfernung oder Schritte eines Gegners, der sich im Zimmer neben uns befindet, sorgen regelmäßig für Spannung. Achten wir sorgsam auf jedes kleine Geräusch, können wir uns so auch einen enormen taktischen Vorteil gegenüber der Kontrahenten erarbeiten. Ein Vogelzwitschern hier oder eine Alarmanlage dort hätten aber sicherlich noch mehr zur Atmosphäre beigetragen und verhindert, dass das Spiel in manchen Momenten doch recht stumm wirkt.
Super Ideen und viele Probleme
Quelle: PC Games
Der Busch lebt! Wir hätten den herannahenden Gegner wohl viel zu spät bemerkt, hätte ihn seine Lebensanzeige nicht verraten.
Last Man Standing bietet ein relativ flüssiges Spielerlebnis, wird für unseren Geschmack dennoch zu oft durch zahlreiche Fehler, wie durchsichtige Texturen oder unüberwindbare Kleinteile gestört. Besonders unfair ist beispielsweise auch, dass eigentlich im Gebüsch versteckte Gegner verraten werden, wenn wir durch Zufall in ihre Richtung schauen. Dann erscheint in unserem Interface nämlich die gegnerische Lebensleiste, auch wenn wir den Konkurrenten sonst nicht entdeckt hätten. Außerdem trübten oftmals zahlreiche Abstürze den Spielspaß und warum Last Man Standing die 16 GB Arbeitsspeicher unseres Test-PCs nicht ausreichen, ist uns bis heute noch ein Rätsel. Es scheint so, als würde das Spiel immer mehr Speicherplatz reservieren, bis es nach einer gewissen Zeit abstürzt und eine Error-Meldung ausgibt. In Sachen Qualitätskontrolle sollte Free Reign Entertainment also in jeden Fall noch etwas an den Stellschrauben drehen.
Eine interessante Möglichkeit, sich gegen Feindbeschuss zu schützen, bieten die Schutzzäune aus Holz oder Eisen. Diese können wir während unserer Erkundungstour einsammeln und im Fall eines Feuergefechts durch Auswählen (im Idealfall über einen Quickslot) und Klicken in der Landschaft platzieren. Jene Schilder halten dann erst einmal die Kugeln ab und räumen uns etwas Zeit zum Planen unseres Gegenangriffs ein. Leider gibt es in Last Man Standing aber eine wahre Flut der besagten Schutzvorkehrungen, sodass ein Kampf häufig im Platzieren von gefühlt 20 Schildern endet und dann eher an den Sturm der Bastille erinnert. Interessanterweise hat der Gegner - ähnlich zur historischen Parallele - meistens schon die Flucht angetreten, lange bevor wir die Deckung eingenommen haben.
Quelle: PC Games
Die platzierbaren Schilder aus Holz oder Eisen sind eine gute Möglichkeit, um sich vor Feindbeschuss zu schützen. In diesem Fall half uns nur noch eine Granate.
Sind wir nicht gerade in einen Kampf verwickelt, befinden wir uns fast ständig auf der Flucht vor der Grenze. Diese, exakt wie in PlayerUnknowns Battlegrounds aussehende Mauer bewegt sich in sehr kurzen Zeitabständen immer wieder in Richtung Mitte der Karte. So sind wir fast ständig in Bewegung und können dem Konflikt mit anderen Spielern auf Kurz oder Lang nicht aus dem Weg gehen. Besonders wenn sich der Grenzbereich verkleinert, kommt es so häufig zu erbitterten Kämpfen. Denn befinden wir uns noch außerhalb des neuen Radius, sollten wir schnell die Beine in die Hand nehmen. Häufig treffen wir genau in solchen Momenten auf Spieler, die ebenfalls vor der blauen, schnell herannahenden und menschenverschlingenden Wand davonrennen. Wir müssen uns also entscheiden, ob wir den Spieler zu unserer Rechten beschießen und eventuell hinter die Grenze geraten oder einfach so schnell laufen wie wir können. Das sorgt nicht selten für einen gehörigen Adrenalin-Schub und zahlreiche "Das war Knapp"-Momente. Sind wir dennoch einmal zu langsam, haben wir häufig keine Chance mehr. Im Gegensatz zu Battlegrounds bleiben uns in Last Man Standing nur wenige Sekunden um wieder in die Spielzone zu gelangen.
