State of Decay 2 in der Vorschau: Open-World-Apokalypse mit Wir-Gefühl
Special
Neue Grafik-Engine, Vier-Spieler-Koop, Crossplay: Entwickler Undead Labs betreibt nach dem überraschend erfolgreichen ersten Teil in State of Decay 2 Fanservice. Die umfangreiche Hands-on-Session in London liefert erste Erkenntnisse über Stärken und Schwächen des Open-World-Abenteuers.
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Zombies ziehen immer. Egal, ob in Videospielen wie DayZ, Call of Duty und Left 4 Dead oder in Filmen, Serien oder Comics wie The Walking Dead und Shaun of the Dead - wo Untote keuchend durch die Gegend schlurfen, da findet sich schnell eine ebenso treue wie zahlungskräftige Fangemeinde. Das 2013 veröffentlichte Open-World-Abenteuer State of Decay war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn vor einigen Jahren befand sich der Zombie-Hype zweifellos auf seinem Höhepunkt. Dass sich der Titel aber bis heute weit über zwei Millionen Mal verkaufen würde, damit hätte wohl selbst das Team von Undead Labs nicht gerechnet.
Ein Nachfolger schien daher die logische Konsequenz. Doch State of Decay 2 (jetzt kaufen ) beschreitet bereits einen längeren (Leidens-)Weg, ursprünglich sollte es schon 2017 auf den Markt kommen. Nach einigen Verschiebungen steht das Zombie-Drama nun endlich in den Startlöchern und erscheint am 22. Mai 2018 als Crossplay-Spiel für Xbox One und Windows 10. Noch besser: Besitzer des Xbox Game Pass erhalten es zum Erscheinungstermin sogar kostenlos oben drauf. Ob wir uns darüber freuen oder dieser PR-Stunt bereits ein düsteres Vorzeichen auf die Qualität des Spiels sein könnte, darüber sind wir uns noch nicht ganz sicher.
In London präsentierte Undead Labs kürzlich eine laut eigenen Angaben rund sechs Wochen alte Vorschauversion seines untoten Sandkastenspiels. In der Proberunde ließ State of Decay 2 vor allem im Koop seine Muskeln spielen, litt aber bisweilen leider auch unter etlichen Kinderkrankheiten.
Home Sweet Home
Löblich: State of Decay 2 erfordert keinerlei Vorkenntnisse über den ersten Teil. Vielmehr orientiert Undead Labs sich am üblichen B-Movie-Standard: In der Spielwelt brach die sogenannte Blutseuche aus. Der ansteckende Virus raffte weite Teil der Bevölkerung dahin und verwandelte die Toten schließlich in aggressive
Quelle: Undead Labs
Beim Durchsuchen der Kisten entscheiden wir, ob wir leise und langsam oder schnell, aber dafür laut vorgehen. Im Anschluss beginnt das Inventar-Management. Im Rucksack haben wir natürlich nur begrenzt Platz und müssen abwägen, was wir wirklich benötigen. (1)
Zombies. Wie das alles geschieht und wie das Spiel die Apokalypse en detail aufrollt, das verraten uns die Entwickler nicht. Wir machen unsere ersten Gehversuche nämlich nach etwa sechs bis sieben Stunden Spielzeit.
Wir erwachen also in einem Hinterzimmer unseres Lagers und durchstreifen zunächst die Räumlichkeiten. Der alte Kaufhauskomplex wurde bereits den Gegebenheiten angepasst: In einem Nebenraum entdecken wir das Lager mit allerlei Waffen, Munition und anderen Ausrüstungsgegenständen. Den örtlichen Schnapsladen reißen wir kurzerhand ab und erhalten dafür neue Baumaterialien sowie reichlich Wodka, Tequila, Scotch und Ethanol. Die ersten Minuten fühlen wir uns daher ein wenig wie ein Hausmeister: Nach kurzer Zeit ist der Raum nämlich frei, und wir lassen dort einen neuen Schlafsaal für die übrigen Camp-Bewohner einrichten.
Quelle: Undead Labs
Nachdem wir für das Nachbar-Camp einige Aufgaben erledigt haben, rekrutieren wir deren Anführerin. Einfluss fungiert in diesem Fall als Ingame-Währung und dient als Zahlungsmittel.
Schließlich benötigen alle Überlebenden auch ihren Schlaf. Wer müde zu Felde zieht, der büßt schnell Ausdauerpunkte ein. Das wiederum führt dazu, dass den Charakteren nach Sprints oder heftigen Nahkämpfen die Puste ausgeht. In einem Spiel wie State of Decay 2 bedeutet das schnell den endgültigen Bildschirmtod. Richtig gehört, in Undead Labs Spielwelt regiert der Permadeath. Gehen wir drauf, steht unsere Spielfigur als Zombie wieder auf und greift Computer-Kameraden oder Mitspieler an. Wir erhalten dann einen neuen Helden und müssen diesen erst wieder mühsam aufpäppeln. Jeder Bewohner besitzt ferner bestimmte Stärken und Schwächen. Ein Asthmatiker beispielsweise hat einen notorisch kurzen Atem und sollte daher im Nahkampf eher zurückhaltend agieren.
In der eigenen Basis finden wir zudem eine Werkbank, wo wir uns schnell noch einige Extras wie etwa einen provisorischen Schalldämpfer zusammenbauen. Die Menüs sind vergleichsweise übersichtlich gestaltet, und hat man sich einmal mit der Fülle an Bauteilen und Möglichkeiten angefreundet, bereiten Basis- und Inventarmanagement eine Menge Freude.
Lärm lockt Zombies an
Die erste Aufgabe besteht im Bestimmen eines neuen Camp-Anführers. Dieser übernimmt das Ruder, falls ihr mal nicht da seid und kümmert sich um den notwendigen Aufbau. Einen groben Aufschluss über die Qualitäten der Kandidaten geben ihre Berufe: Richard beispielsweise ist ein Architekt. Er setzt vor allem auf eine gute Verteidigung beim Basisbau und macht sich für Scharfschützentürme und einen zusätzlichen Generator stark. Alicia dagegen schützt als Sheriff vor allem die Unschuldigen. Für sie zählen ein Lazarett, ein Schießstand und eine Lounge zu den notwendigsten Neuanschaffungen.
Quelle: Undead Labs
Unterwegs kümmern wir uns in diesem übersichtlichen Plan um das Camp. Links befinden sich Anzeigen für die Camp-Moral und für das Risiko eines Zombie-Angriffs. Im Zentrum legen wir weitere Baumaßnahmen fest und bestimmen Upgrades.
Wichtig: Wer allzu schnell sein Camp ausbaut, der riskiert den Angriff einer Zombiehorde - das Hämmern und Schrauben lockt die geräuschempfindlichen Untoten an. Diese rotten sich schnell zu größeren Gruppen zusammen, die dann versuchen, die Tore aufzubrechen. In der Vorschauversion kam es mehrfach zu kleineren Attacken. Dabei fielen uns jedoch einige Schwächen im Verhalten der Computer-Mitstreiter auf: Zwar beziehen die Soldaten auch Stellung auf höher gelegenen Positionen, jedoch öffnen sie immer wieder die Haupttür und lassen somit die Untoten ins Innere der Basis. Überhaupt störte es, dass wir alle Pforten ständig manuell schließen mussten, um die Madensäcke draußen zu halten.
Trotzdem gehen wir das Wagnis ein und rekrutieren einen unserer Kollegen als Unterstützung bei der ersten Plünderungstour. Mit einem Scharfschützengewehr und einer Machete bewaffnet, scheint Richard die ideale Ergänzung. Zombies reagieren nicht nur auf Geräusche, sondern auch auf Blickkontakt. Allerdings sind ihre Sichtkegel eingeschränkt, sodass Anschleichen gerade in Innenräumen eine Alternative darstellt. Mit einem beherzten Griff machen wir einzelnen Schergen den Garaus. Sobald dann aber der erste Schuss fällt, bricht das Chaos los. In State of Decay 2 sind Kugeln ein wertvolles Gut, entsprechend oft greifen wir zu Nahkampfattacken. Es mag sich makaber anhören, aber Attacken mit Baseballschläger oder Eisenstange fühlen sich herrlich befriedigend an. Und bei Messerangriffen fliegen die fauligen Körperteile durch die Luft. So muss ein Zombie-Spiel aussehen!
Schöne Aussichten
State of Decay 2 läuft auf der Unreal Engine 4 und macht einen technisch besseren Eindruck als der etwas grobschlächtige Vorgänger. In der
Quelle: Undead Labs
Jeder Überlebender verfügt über eine eigene Persönlichkeit. Oli beispielsweise besitzt sehr gute Ausdauer und ist stark im Nahkampf, dazu ist er verlässlich und empathisch. Mit etwas mehr Kampferfahrung könnte er zu einem Anführer heranwachsen.
Vorschauversion kam es trotzdem zu allerlei kleineren Problemen wie etwa in Autos steckenden Zombies oder anderen Ungereimtheiten. Die Navigation innerhalb der Umgebung erweist sich mitunter ebenfalls als fummelig. Gerade beim Klettern verkommt State of Decay 2 zum Geduldsspiel. Speziell in hügeligem Gelände bleiben wir häufiger mal stecken oder müssen uns andere Wege suchen.
Und dennoch: Das Spiel erzeugt zumindest die Illusion einer gewaltigen Endzeitwelt. Beim Plündern sammeln wir Ressourcen und Baumaterialien. Tragen wir zu viele schwere Gegenstände, werden wir langsamer. Das Programm zeigt in Gebäuden an, wie viele Räume wir untersuchen müssen und wie viele Container mit Beute versteckt sind. Geklärte Bereiche ernennen wir kurzerhand zu Außenposten und nutzen diese dann zum Ablegen von Objekten oder als Rückzugsort bei längeren Expeditionen. State of Decay 2 verfügt insgesamt über gleich drei spielbare Gebiete. Und bereits das in der Vorab-Variante verfügbare Areal stellt sich als ausgesprochen weitläufig heraus.
Die Karte des Startgebiets wirkt zunächst verwaist: Lediglich einige Symbole für Wohngebäude zieren die Übersicht. Zum Freischalten zusätzlicher Zielorte setzt State of Decay 2 auf ein ganz ähnliches System wie einst Assassin's Creed: Wir erklimmen also Aussichtspunkte und schalten im Zielmodus neue Punkte wie etwa Fahrzeuge, potenzielle Außenposten oder Siedlungen anderer Überlebender frei.
Neue Freunde finden
Die Interaktion mit den Computer-Campern erfolgt über ein einfaches Frage-Antwort-Spiel. So handeln wir beispielsweise mit ihnen und kaufen oder verkaufen Gegenstände. Wir können aber auch Nebenmissionen annehmen. Die von uns ausprobierten Einsätze kamen leider nicht über kleinere Gefallen hinaus. Für die Bande rund um Anführerin Noble etwa müssen wir lediglich ein kleines Nest ausräuchern. Als virtuelle Währung dient in diesem Fall Einfluss. Nachdem wir die Zombies ausgeschaltet haben, heuern wir Noble für 100 Einfluss-Einheiten an und haben künftig eine wackere Mitstreiterin an unserer Seite. Alternativ könnten wir übrigens die Camper auch überfallen und uns so ihr Gebiet sichern. Wie sich solche kriegerischen Aktivitäten auf den Zusammenhalt innerhalb der Welt auswirken, ist allerdings noch nicht klar.
Quelle: Undead Labs
Der Gebrauch von Schusswaffen bringt Vor- und Nachteile mit sich. Auf der einen Seite richten wir mit Sturmgewehren massiven Schaden an. Allerdings erzeugen die Knarren auch mächtig Lärm und locken noch mehr Untote an.
Das Missionsdesign selbst erweist sich als vergleichsweise simpel. Nachdem unsere anfängliche Spielfigur Alicia eine verletzungsbedingte Auszeit benötigt, wechseln wir auf den Händler Sang-chul. Mit ihm erhalten wir eine an seinen Beruf gebundene Bonusmission. Der raffgierige Bursche wünscht sich nämlich einen wertvollen Luxusgegenstand, um diesen später zu verkaufen. Das Problem: Natürlich befindet sich die Goldkette in einem besonders umkämpften Gebiet. In der Anspielrunde machen wir uns selbst das Leben schwer und gehen die Schatzsuche bei Nacht an.
Bei Dunkelheit leuchten die Augen der Untoten blutrot, obendrein agieren sie einen Tick aggressiver. Grundsätzlich gibt es mehrere Zombie-Typen:
Quelle: Undead Labs
Jede Menge Fragezeichen: Von Aussichtsplattformen wie dieser Werbetafel decken wir neue, wichtige Punkte auf der Karte auf.
Der Standard-Walker schlurft eher langsam durch die Gegend und ist somit leichte Beute. Die nächste Evolutionsstufe ist agiler und sprintet behände auf euch zu. In Zombies verwandelte Spezialtruppen der Polizei tragen noch ihre Kampfausrüstung. Daher müssen wir ihnen gleich mehrfach einen verpassen, ehe endlich ihr Helm fliegen geht.
So richtig knifflig wird es aber bei den Freak-Zombies: Screamer rufen Kumpanen mit lautem Geschrei herbei und entfesseln auf diese Weise nicht selten eine Horde. Wildlinge dagegen krabbeln wieselflink über den Boden und reißen uns mit Bodychecks um. Gerade bei Nacht erweisen sich diese Kreaturen als absolut tödlich, da sie sowohl Schüssen als auch Schlägen ausweichen und oft in der Finsternis verschwinden. Das Gegenteil sind die sogenannten Juggernauts. Diese dicken Brocken boxen selbst Jeeps problemlos auf dem Weg und beißen angeschlagenen Campern genüsslich den Kopf ab. Wir halten die Riesen im direkten Kampf bevorzugt auf Distanz, zünden sie mit Molotowcocktails an oder fertigen sie mit dem Scharfschützengewehr ab. Besonders gefährlich: Auch wenn Juggernauts behäbig aussehen, setzen sie immer wieder zu Sprints an und verpassen uns kraftvolle Schläge, die die Spielfigur zu Boden reißen. State of Decay 2 erzeugt durch seine Kombination aus Permadeath und plötzliche entfachtem Durcheinander reichlich Spannung. Ob diese aber durch die technischen Probleme gebrochen wird, das wird erst das fertige Spiel zeigen.
