Bethesda im Größenwahn: Haben sich die Schöpfer von Skyrim diesmal selbst übertroffen? Oder ist Starfield doch "nur" ein Fallout im Weltall? Wir haben das Sci-Fi-Schwergewicht mehr als 80 Stunden lang getestet.
Nun haben wir viel über Dinge geredet, die auch ebenso gut zu Fallout gepasst hätten. Doch Starfield hat eben noch eine andere Seite - und die beginnt mit eurem ersten Raumschiff: Das Prachtstück dient euch als mobiles Zuhause und Basis. Manuell starten oder landen dürft ihr damit zwar nicht, ihr könnt aber auf Knopfdruck den Orbit verlassen und euch in die Weiten des Alls aufmachen. Und bevor jetzt die falschen Erwartungen entstehen: Starfield ist kein Freelancer, kein No Man's Sky und auch kein Elite: Dangerous!
Das Weltall ist nämlich kein riesiger, zusammenhängender Schauplatz, wo ihr einfach den Turbo einlegt und fließend von einem Planeten zum nächsten düst. Stattdessen läuft es so ab: Auf einer schicken (und leider ziemlich unübersichtlichen) Sternenkarte sucht ihr euch euer nächstes Ziel aus. Das kann ein Mond, ein Planet oder eine Raumstation sein, freie Ziele irgendwo im Nirgendwo dürft ihr also nicht anwählen. Und natürlich könnt ihr auch ein Sonnensystem verlassen, zu weiteren Sternen aufbrechen und euch dort in der Umlaufbahn umsehen - knapp 1.000 prozedual erzeugte Welten könnt ihr so besuchen. Nötig (oder ratsam) ist das aber ausdrücklich nicht.
Wenn ihr euch einfach auf eure Quests konzentriert und Starfield so spielt wie ein typisches Bethesda-Rollenspiel, werdet ihr ohnehin schon zu vielen interessanteren Locations geschickt: Da warten abwechslungsreiche Städte und Kolonien, schön unterschiedlich designt und voller NPCs, Geschichten, Händler und Aufträge. Da macht es einfach Spaß, jeden Winkel abzusuchen. Erwartet nur nicht das gleiche Erkundungsgefühl wie in einem Skyrim, in dem ihr nach und nach eine riesige, zusammenhängende Spielwelt erforscht!
In Starfield wählt ihr euer Ziel auf der Karte oder im Questlog aus, dann noch die Sprungtaste aktivieren, kurze Ladezeit - und schon seid ihr da. Das Gefühl, eine große, simulierte Welt zu ergründen, will sich da einfach nicht einstellen. Immerhin können euch im All aber auch mal zufällige NPC-Schiffe begegnen, die dann ein paar witzige Geschichten auf Lager haben oder mit euch handeln wollen. Das ist nicht weltbewegend, aber besser als nichts.
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Auf Kampfstation
Natürlich werdet ihr im Weltall auch jede Menge Weltraumpiraten begegnen, die es auf eure Fracht abgesehen haben. Dann lasst ihr die Waffen sprechen, Laser, Raketen und so weiter. Das Weltraumgeballer spielt sich zwar schön unkompliziert, hat aber auch einfach nicht so viel Unterhaltungswert und Abwechslung wie zum Beispiel ein Everspace 2, das deutlich spaßigere Kämpfe bietet.
Außerdem fehlt es uns da noch an richtigen Highlights, in unserer Spielzeit haben wir nie eine größere Weltraumschlacht oder eindrucksvollere Bosskämpfe gegen Großkampfschiffe erlebt. Auch das Fliegen selbst erfordert kein großes Können, bis auf ein paar Asteroiden mussten wir da niemals etwas ausweichen. Könnte es irgendwo in den entlegeneren Winkeln von Bethesdas Galaxie noch coolere Herausforderungen geben? Gut möglich! In über 80 Stunden haben wir aber schlichtweg nichts davon gesehen.
Quelle: PC Games
Unser Schiff steuert auf eine Raumstation zu. Auch auf dem Mond dahinter könnten wir landen.
Zumindest gibt's im All aber ein cooles Feature: Hier dürft ihr nämlich doch so eine Art V.A.T.S. nutzen, mit dem ihr die Systeme des Gegnerschiffs anvisiert. Habt ihr zum Beispiel die feindlichen Triebwerke zerdeppert, dürft ihr sogar an das Schiff andocken und die gesamte Crew von Hand ausschalten. Anschließend habt ihr dann die Möglichkeit, den Laderaum zu plündern oder gleich das ganze Schiff mitzunehmen - das könnt ihr dann entweder selbst nutzen oder einfach in der nächsten größeren Ortschaft verkaufen. Wer als ein bisschen Pirat spielen will, kann das tun.
Raumschiffe im Eigenbau
Egal ob ihr Schiffe klaut oder sie halbwegs ehrlich verdient: Es gibt eine ganze Menge kleine und große Modelle, die ihr euch im Laufe der Zeit in die Garage stellen könnt. Dabei solltet ihr nicht nur auf Panzerung, Wendigkeit oder Bewaffnung achten. Auch die Crew müsst ihr im Auge behalten, denn wenn ihr mehr Leute an Bord habt, verbessern sich auch eure Kampfwerte. Essenziell ist die Größe des Frachtraums, damit ihr regelmäßig euer Inventar leeren könnt. Und vielleicht wollt ihr ja noch eine Werkbank an Bord haben, falls ihr unterwegs mal etwas herstellen oder verbessern mögt - die Crafting-Systeme funktionieren hier im Grunde genauso wie in Fallout 4.
Sobald ihr euch für ein Schiff entschieden habt, könnt ihr es noch in einem unkomplizierten Editor euren Wünschen anpassen. Wer mag, darf sich ein Schiff aus verschiedensten Modulen selbst zusammenstecken und umgestalten, vom Cockpit bis hin zur Antriebsdüse. Das ist zwar nicht nötig, da auch die vorgefertigten Schiffe völlig ausreichend sind, aber wer schon als Kind gern mit Lego gespielt hat, kann sich hier austoben. Unser Eindruck: Ein wirklich hübsches Feature, das man aber sicher noch ausbauen kann.
Quelle: PC Games
Die offenen Welten sind oft wunderschön, aber auch erschreckend leer.
Wie viele Welten braucht ein Spiel?
Früher oder später werdet ihr auf jeder Menge Planeten landen, ganz egal ob nun für eine Quest oder ganz einfach weil ihr Lust darauf habt. Und diese Welten dürft ihr dann frei erkunden. Aber: Planeten sind keine durchgängige Open Worlds, die man in einem Rutsch komplett umrunden kann. Stattdessen sind sie in weitläufige Landezonen mit unsichtbaren Grenzen unterteilt. Doch bis ihr so eine Grenze erreicht, müsst ihr schon ein ganzes Stück laufen. Starfield ist also definitiv kein No Man's Sky. Allerdings tippen wir stark darauf, dass die meisten Spieler gar nicht merken werden, dass irgendwo eine Planetengrenze verläuft. Doch viel wichtiger ist doch die Frage: Macht das Erkunden überhaupt Sinn und Spaß? Auf der nächsten Seite finden wir's raus!
