Starfield: Das Spiel macht Bock - trotz seiner "Schwächen"

Kolumne Carlo Siebenhüner 44,99 €
Starfield: Das Spiel macht Bock - trotz seiner "Schwächen"
Quelle: PC Games

Starfield hat seit dem Release jede Menge Lob, aber auch einiges an Kritik einstecken müssen. Vieles davon ist übertrieben, findet unser Redakteur Carlo - in seiner Kolumne verrät er euch, warum.

Aber kommen wir mal zur Kritik am Weltraum. Man hat in Starfield ja auch ein dickes Schiff, mit dem man durchs All düsen kann ... soweit man das möchte. Denn das Spiel bietet einem sehr bald die Schnellreise an, um von A nach B zu kommen. Das ist auch teilweise zwingend. Von einem Sternensystem zum anderen beispielsweise. Aber auch innerhalb des Sonnensystems ist die Schnellreise essenziell, um zwischen den Planeten hin und her zu fliegen.

OBWOHL die Sonnensysteme tatsächlich da sind. Sie sind nur wirklich riesig. Das kann man erkennen, wenn man sich mal Missionsmarker im All anschaut. Die haben immer eine Abstandsanzeige dran. Bei anderen Planeten sind das meist mehrere Lichtsekunden. Es gibt aber auch nähere Ziele und dort springt die Anzeige von Lichtsekunden auf Kilometer. Fliegt man dann in die Richtung sieht man, dass die Distanz kleiner wird. Es dauert nur wirklich EWIG. Ich bin mal 700 Kilometer ohne Schnellreise zu einem Questmarker geflogen. Das hat funktioniert. Hat aber halt auch über eine Stunde gedauert.

Es bringt auch nichts, zu den Planeten zu fliegen. Das sind eigene Ladezonen, also sind sie im All keine Festkörper. Fliegt man darauf zu, clippt man durch. Das hätte man meiner Meinung nach definitiv eleganter lösen können und ich hoffe, das wird auch noch gepatched. Warum öffnet sich nicht automatisch die Planetenkarte, wenn man nah genug dran ist?

Ein Feuergefecht in einem Raumdock. Quelle: PC Games Ja, der Flug im Raumschiff verkommt dadurch eher zum Gimmick. Aber auch hier gilt: Stört's wirklich? Meiner Meinung nach nicht unbedingt. Ist ja schön, dass ich in Star Citizen landen, starten und fliegen kann. Aber das fünfte Mal von Orion aus loszufliegen und dann nach Microtech zu düsen, finde ich dann auch wieder nervig, weil es so eeeewig dauert.

Was WIRKLICH den Spielfluss in Starfield stören kann, sind aber die Ladezonen. Starfield ist ein Bethesda-Spiel und es basiert auf der bekannten Creation-Engine. Und die setzt stark auf Zellen. Das findet man in Skyrim, das findet man in Fallout UND das findet man auch in Starfield. Steigt man ins Raumschiff kommt ein Ladebildschirm. Geht man in größere Gebäudekomplexe kommt ein Ladebildschirm. Wechselt man die Sternensysteme kommt ein Ladebildschirm, lande ich auf einem Planeten kommt ein Ladebildschirm.

Starfield: Das Spiel macht Bock - trotz seiner "Schwächen" Quelle: PC Games Gleichzeitig überrascht es mich dann aber, wie viel in so einer Zelle dann doch geht. New Atlantis - eine der größten Städte im Spiel - kann nahtlos erkundet werden. Und nicht nur das - ich kann auch nahtlos aus der Stadt rauslaufen und die echt weitläufige Umgebung erkunden. Ich bin mal durch das Umland von New Atlantis gelatscht und hab da erkundet, gescanned ... und dann waren plötzlich drei Stunden rum. Alles ohne Ladezone.

Am Ende muss aber auch ich sagen: Ich habe Ladezonen erwartet. Ich hatte aber auch gehofft, dass es etwas weniger sind. An manchen Stellen kommen sie schon oft hintereinander. Ich finde aber, dass man auch dieses Problem verschmerzen kann. Denn im Endeffekt sind die meisten "Probleme" alles oberflächliche Dinge. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die ganz lauten Kritiker im Netz sich etwas gewünscht haben, was das Spiel von vornherein nicht sein wollte. In den ganzen Diskussionen wird dann nämlich immer auffällig oft ausgeklammert, was dafür wirklich im Spiel steckt.

Die offenen Welten sind oft wunderschön, aber auch erschreckend leer. Quelle: PC Games Ja, Starfield ist keine Weltraumsimulation, wie No Man's Sky, Elite: Dangerous oder Star Citizen. Man kann nicht hübsch einen Planeten ansteuern und dann manuell auf ihm landen. Es ist nicht nahtlos alles miteinander verbunden. Aber dafür ist Starfield eben ein Space-ROLLENSPIEL. Wo andere eine beeindruckende Technik haben, fallen sie beim Inhalt ab. Star Citizen baut nach 10 Jahren immer noch am ersten Sonnensystem rum. Das sieht schick aus, aber inhaltlich müssen sich Spieler weiterhin selbst beschäftigen. Und No Man's Sky hat zwar jetzt ein paar Questreihen, aber einerseits hat es dafür 7 Jahre gebraucht, andererseits ist der Gameplay-Loop auch immer noch repetitiv.

Und genau DA punktet Starfield. Zuerst mal hat es gefühlt eine Milliarde Quests mit kleinen und großen Geschichten, die man im Spiel erlebt. Seien es die groß angelegten Fraktonsquests oder die kleinen Mini-Dinger, die man so im Vorbeigehen mitnimmt. Sogar die Hauptstory ist ja diesmal spannend gestaltet.

Obendrauf lässt mir das Spiel die Freiheit, wie ich spielen will mit seinem Skill-System. Bin ich eher der Shotgun-Typ und walze alles nieder? Setze ich mich lieber mit der Sniper auf den nächsten Hügel und knipse die Leute aus der Ferne aus? Will ich lieber schleichen und im Nahkampf Leute umhauen? Oder möchte ich am besten so wenig Leute wie möglich umnieten, sondern eher alles diplomatisch lösen? Ich habe erst letztens eine Geiselnahme in einer Bank durch meine Überredungskünste entschärft - ohne Waffengewalt. Ich hätte mir mehr solcher Situationen gewünscht, aber allein, dass es geht, finde ich super.

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