Star Wars KotOR: Wirklich noch immer gut oder einfach nur verklärt? Wir finden es raus!
Special
Mit Knights of the Old Republic schuf Bioware 2003 einen Meilenstein des Rollenspiel-Genres. Doch wie ist es, den Titel 2024 das erste Mal zu spielen? Wir wagen den Versuch!
Ein würdiges Ende
Die Sternenschmiede entpuppt sich als futuristische Raumstation, auf der die härtesten Gegner des Spiels auf mich warten. Doch meine Begleiter und ich - ich setze mit Jolee und Juhani auf geballte Jedi-Power - sind inzwischen sehr gut ausgerüstet.
Zudem habe ich mir einen großzügigen Vorrat an Medikits und anderen Werte steigernden Stimpacks zugelegt. So sind die schier endlosen Wellen von Kampfdroiden, Sith-Grenadieren und dunklen Jedi zwar eine zeitraubende Angelegenheit, aber nicht sonderlich schwer abzuwehren.
Nach und nach säubere ich die beiden Decks der Sternenschmiede, bis ich in einen Raum mit einem Computerterminal gelange. Hier kann ich nicht nur die Geschütztürme der Raumstation deaktivieren, sondern mir auch eine richtig gute und schicke Jedi-Robe anfertigen lassen. Endlich ergeben die vielen Sonden, die ich im Laufe des Spiels eingesammelt habe und die mein Inventar verstopfen, Sinn!
Ein Aufzug bringt mich in die Kommandozentrale, wo ich nach weiteren Kämpfen gegen dunkle Jedi-Meister auf Bastila treffe. Im folgenden Dialog gelingt es mir, Bastila durch die Wahl der richtigen Antworten zur Vernunft zu bringen. Sie setzt nun ihre Kampfmeditation gegen die Sith-Flotte ein und ich bin auf mich allein gestellt.
Kurz darauf begegne ich endlich Malak. Doch der Feigling macht sich aus dem Staub und hetzt mir stattdessen ein ganzes Bataillon von Droiden auf den Hals. Nachdem ich eine Weile gegen die Droiden gekämpft habe, stelle ich fest, dass sie ständig nachproduziert werden.
Ich entdecke sechs Terminals, an denen ich mit Sonden den Nachschub der Droiden deaktivieren kann. Nachdem ich alle Terminals bedient habe, ist der Weg zu Malak endlich frei! Ich speichere (mal wieder) ab und betrete die Fabrik der Sternenschmiede, wo mich der Oberbösewicht von KotOR empfängt.
Was soll ich sagen: Der Endkampf des Spiels hat es wirklich in sich! Malak teilt extrem hart aus und obwohl ich meine Schutzschilde aktiviere, diverse Enhancer einwerfe und ihm mit meinen Machtfähigkeiten einheize, gehe ich bei den ersten beiden Versuchen drauf. Doch dann bringe ich den Sith-Fiesling auf 50 Prozent seiner Lebenspunkte, woraufhin eine kleine Zwischensequenz startet.
Nun muss ich die in Tanks gefangenen Jedi-Leichen im Raum zerstören, die Malak hochheilen. Dies ist allerdings nur mithilfe von Machtangriffen möglich, wofür ich meinen Lichtschwertwurf einsetze. Nachdem ich alle gefangenen Jedi vernichtet habe, geht es Malak endgültig an den Kragen und ich gebe ihm den Rest.
Juhu, ich habe KotOR endlich durchgespielt und darf mich an einem epischen Abspann erfreuen. In diesem sieht man, wie die Sternenschmiede in die Luft fliegt und meine Begleiter und ich in einer Zeremonie als Retter der Galaxis gebührend geehrt werden - wie einst Luke Skywalker, Han Solo und Chewbacca am Ende von Episode 4. Ganz großes Kino!
Fazit: Ein Rollenspiel für die Ewigkeit
Wer bis hierhin gelesen hat, wird es längst gemerkt haben: Ich habe "mein erstes Mal" mit Knights of the Old Republic sehr genossen und bin mehr als angetan von Biowares Klassiker. Es steckt so unglaublich viel in Gutes in KotOR, dass die 40 Stunden, die ich für meinen Durchlauf auf der Hellen Seite gebraucht habe, wie im Flug vergangen sind.
Natürlich hat das Rollenspiel aus heutiger Sicht diverse Mängel, die nicht von der Hand zu weisen sind: Die Xbox-1-Grafik mit ihren steifen Animationen und kantigen Gesichtern wirkt selbst in 4K-Auflösung altbacken. Das Inventar wird im Spielverlauf leider immer unübersichtlicher, da es aus allen Nähten platzt.
Die Minispiele sind, wie schon erwähnt, witzlos; ich habe sie nur widerwillig innerhalb der Missionen gespielt und ansonsten allzu gerne ignoriert. Und die linearen Schlauchlevels, die abseits der Hauptwege wenig Raum zum Erkunden, dafür aber viel Backtracking bieten, dürften nicht nur Open-World-Fans sauer aufstoßen.
Das alles stört mich aber nur wenig, denn vor allem in erzählerischer Hinsicht hat mich KotOR voll und ganz überzeugt: Angefangen bei der fantastischen Story samt genialem Revan-Twist über die toll geschriebenen Charaktere mit ihren die vielen kleinen Nebengeschichten bis hin zu den teils saukomischen, teils nachdenklich stimmenden Dialogen, die auch die ganz großen Themen wie Liebe, Hass oder Rassismus nicht aussparen und in der deutschen Version exzellent vertont sind.
Gut, ich finde nicht alle NPCs gleich super: Neben dem bereits erwähnten Sympathieträger HK-47 mag ich am liebsten Alt-Jedi Jolee, der einen guten Sinn für Humor hat, meist Interessantes aus seiner bewegten Vergangenheit zu erzählen weiß und sich zudem dank potenter Jedi-Power (er kann dunkle Machtkräfte nutzen) als einer der besten Kampfgefährten erweist.
Aber auch, wenn Carth immer nur jammert, Canderous' Kriegsgeschichten auf Dauer etwas langweilig sind und Juhani mit ihrem ständigen "Die dunkle Seite der Macht ist sooo gefährlich"-Gerede ganz schön nerven kann - alle KotOR-Charaktere sind mir ans Herz gewachsen.
Auch an der Steuerung, dem Kampfsystem, den stets mit einem roten Faden versehenen Haupt- und Nebenquests (erwähnte ich schon die skurrile Kisten-Quest für den Händler Lurze?) sowie der großartigen Musik plus stets passenden Soundeffekten habe ich nichts auszusetzen.
Als alter MMORPG-Junkie treibe ich mich auch gerne an der Werkbank von Ebon Hawk herum, um mit Zusätzen das Maximum aus meinen Rüstungen und Waffen herauszuholen und meine Lichtschwerter mit seltenen Kristallen zu verbessern, damit sie noch mehr Schaden anrichten oder Gegner betäuben.
Quelle: Lucasfilm Games
Für mich ist KotOR auf jeden Fall auch heute noch ein enorm spielenswertes Rollenspiel, das ich bis zum Release des (hoffentlich doch noch irgendwann erscheinenden) Remakes definitiv noch einmal durchzocken möchte. Dann allerdings auf einem höheren Schwierigkeitsgrad, ohne Autoleveling meiner Begleiter und als bitterböser dunkler Jedi, der keine Gnade kennt!
