Star Wars Battlefront 2 (2017): Ohne Han Solo und die anderen Helden wäre die Kampagne besser! Kolumne

Kolumne Peter Bathge
Star Wars Battlefront 2 (2017): Ohne Han Solo und die anderen Helden wäre die Kampagne besser! Kolumne
Quelle: Electronic Arts

Star Wars Battlefront 2 hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger einen Solomodus mit Story. Doch Redakteur Peter Bathge findet, dass bei der Singleplayer-Kampagne die falschen Helden im Fokus stehen - ob das schon als irreführende Werbung durchgeht? In seiner Kolumne geht er näher auf die Probleme des vermeintlich imperialen Feldzugs ein.

Star Wars Battlefront 2 und seine Singleplayer-Kampagne erinnern mich in ihren besten Momenten daran, wie viel Spaß Solo-Shooter machen können - und wie großartig besetzt dieses Genre über die Jahre war. Metro 2033, Star Trek: Elite Force, Bioshock natürlich, Crysis, das neue Doom von 2016 oder die Far Cry-Serie haben mich Hunderte Stunden meiner Freizeit gekostet. Ich war freilich nur zu gerne bereit, dieses Opfer zu bringen, schließlich erhielt ich als Gegenleistung einige meiner liebsten Gaming-Erinnerungen aus fast 25 Jahren Spielegenuss. Star Wars Battlefront 2 (jetzt kaufen ) gehört nach dem Durchspielen nicht dazu - die Solo-Kampagne setzt einfach die falschen Schwerpunkte. Mein persönliches Fazit: Ohne (Han) Solo wäre alles viel besser!

Battlefront 2--Kampagne: Kolumne zum Solo-Modus

Die Beziehung zwischen Vater und Tochter sowie Idens plötzlicher Verrat am Imperium sind nur grob skizziert; die Kampagne ist viel zu kurz, um solche Entwicklungen schlüssig darzustellen. Quelle: PC Games Die Beziehung zwischen Vater und Tochter sowie Idens plötzlicher Verrat am Imperium sind nur grob skizziert; die Kampagne ist viel zu kurz, um solche Entwicklungen schlüssig darzustellen. Nach der Kritik am ersten Star Wars Battlefront-Reboot von 2015 hat Electronic Arts beim Nachfolger speziell die Solospieler ins Fadenkreuz genommen, die sich über das Fehlen einer packenden Kampagne beschwert haben. Mit der Arbeit an dem Feldzug gegen CPU-Gegner wurde Gott sei Dank nicht Hauptstudio DICE selbst beauftragt (die Schweden betrieben mit der Battlefield 1-Kampagne letztes Jahr Geschichtsrevision), stattdessen durfte sich das in Kanada neu gegründete EA Motive austoben. Bekannte Namen wie die von Portal-Designerin Kim Swift und Assassin's Creed-Produzentin Jade Raymond bürgten vermeintlich für Qualität - doch das Ergebnis ist suboptimal.

Geschenkt, dass das System der Star Cards aus dem Multiplayer-Modus auch die Singleplayer-Kampagne infiziert hat. Die Gegner-KI ist so gut wie nicht vorhanden? Okay, in dem Bereich überzeugen heutzutage ja nur noch die wenigsten Spiele. Das Leveldesign ist manchmal (Innenräume!) reichlich einfallslos und scheint aus dem immer gleichen Bauteilen zu bestehen? Schwamm drüber, immerhin hat Star Wars Battlefront 2 im späteren Spielverlauf einige unvergleichlich spektakuläre Szenarien zu bieten mit wunderschöner Optik und von besonderer Natur - schon mal auf einem Sternenzerstörer entlang spaziert?

Was mich wirklich aufregt, ist nicht so sehr die Art und Weise WIE ich Star Wars Battlefront 2 zu spielen gezwungen bin - sondern WEN ich da spiele. Denn von der faszinierenden Vorstellung einer Kampagne aus Sicht des Imperiums ist im fertigen Spiel nicht viel übrig geblieben. Statt die bösen Handlanger des Imperators zu mimen, bin ich letztlich doch nur wieder ein Weltenretter auf Seite der Rebellen. Wie enttäuschend!

Rebellenabschaum

Die komplette Charakterentwicklung von Iden Versio wirkt unlogisch, überhastet und unverdient - in der rekordverdächtig kurzen Laufzeit von knapp fünf Stunden schafft es Star Wars Battlefront 2 nicht, die Werte und Motivationen seiner Hauptfiguren authentisch an den Mann oder die Frau zu bringen. Das Ergebnis sind unglaubwürdige Wendungen, die merklich von der Feder des Story-Autors herbeigeführt wurden anstatt organisch aus der Situation und den Wesenszügen der Charaktere zu erwachsen. Dass die Battlefront 2-Kampagne von Anfang an als Blick hinter die Kulissen des Imperiums beworben wurde, der wie das grandiose TIE Fighter die übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung im Star Wars-Universum auf den Kopf stellen sollte, grenzt an gezielte Irreführung. Denn bereits in der dritten von zwölf Missionen wechseln Iden Versio und ihr Inferno-Squad die Seiten: Ab sofort zieht ihr für die Rebellenallianz in den Kampf. Die Begründung dafür klingt hohl, von einem Moment auf den anderen wird bei den Protagonisten der Schalter umgelegt.

Was folgt, macht den Eindruck der Umsetzung eines "Play it safe"-Mandats von Lizenzinhaber Disney, der EA Motive partout nicht erlauben wollte, die möglicherweise ursprünglich geplante Story ohne strahlende Helden zu erzählen. Stattdessen gibt's das übliche Weltraum-Märchen, bei dem man auf der Seite der geläuterten Ex-Bösewichter für das Gute streitet. Wie hier das große Potenzial des Einzelspielermodus vergeudet wird, das schmerzt. Für unbeabsichtigte Ablenkung sorgt das zweite große Problem von Star Wars Battlefront 2: So oft schlüpft man letztlich gar nicht in die Haut der vermeintlichen Hauptfigur. Denn die Kampagne ist ein Opfer der Popularität ihrer weltweit bekannten Vorlage geworden. Die Weltraumschlachten sind zweifellos der beste Teil der Solo-Kampagne von Battlefront 2. Die sind zwar simpel gehalten, aber mit detailgetreu gestalteten X-Wings und TIE-Fightern Raumschiffe zur Explosion zu bringen macht einfach immer Spaß. Quelle: PC Games Die Weltraumschlachten sind zweifellos der beste Teil der Solo-Kampagne von Battlefront 2. Die sind zwar simpel gehalten, aber mit detailgetreu gestalteten X-Wings und TIE-Fightern Raumschiffe zur Explosion zu bringen macht einfach immer Spaß.

Heldenkomplex

Irgendwann während der Entwicklung von Star Wars Battlefront 2 (siehe Test mit Kaufwarnung) als rein imperiale Solo-Kampagne, hat - so meine Vermutung - mal ein Anzugträger von Electronic Arts oder Disney den aktuellen Stand des Projekts überprüft - und war geschockt. "Wo sind denn Luke und Leia, Han Solo und Lando Calrissian? Warum kann ich nicht mit denen spielen? Das ist doch schließlich ein Star Wars-Shooter!" Wäre die Zeitmaschine bereits erfunden worden, ich würde sie in diesem Moment nutzen, um einige Monate zurückzureisen und diesem mutmaßlichen Exekutive Officer eine saftige Ohrfeige zu verpassen. Denn die Entscheidung, den bekannten Filmhelden eine aktive Rolle im Singleplayer-Geschehen einzuräumen, hat meiner Meinung nach die Kampagne ruiniert.

Klar, dank ausgezeichneter Star Wars-Atmosphäre ist es cool, mit Luke'scher Machtfülle Sturmtruppler wie die Kegel beim Bowling in alle Richtungen davonzustoßen. Und die Lando-Mission ist besonders dank seines blauhäutigen Sidekicks ein Musterbeispiel an Humor und Spielwitz. Aber wann immer die vertrauten Heldengesichter die Hauptrolle in der Erzählung übernehmen, müssen Iden Versio und Inferno Squad einen Schritt zurückmachen; die eigentlichen Protagonisten des Spiels verschwinden so nach und nach hinter den Film-Heroen, für ihre Charaktersisierung bleibt bei all dem Fan-Service kein Platz. Das Ergebnis ist ein gehetzt wirkender Plot, bei dem ich manchmal kaum nachvollziehen konnte, warum ein gewisser Jedi-Meister, seine Schwester oder der Millenium Falcon plötzlich wie hell strahlende Kometen in dieser Geschichte auftauchen, nur um sie 20 Minuten später mit ebenso hoher Geschwindigkeit wieder zu verlassen. Keine Frage, Star Wars Battlefront 2 hätte die doppelte Spielzeit gut zu Gesicht gestanden. Vielleicht auch die doppelte Entwicklungszeit.

Ich nehme mal an, die Helden wurden auch deshalb in die Kampagne integriert, weil DICE sie nunmal bereits für den Mehrspielermodus animiert hatte. Quelle: PC Games Ich nehme mal an, die Helden wurden auch deshalb in die Kampagne integriert, weil DICE sie nunmal bereits für den Mehrspielermodus animiert hatte. Denn nur zwei Jahre seit dem ersten neuen Battlefront-Spiel, das nicht von Ur-Entwickler Pandemic stammt, waren bei weitem nicht genug für EA Motive, um ein wirklich rundes Singleplayer-Erlebnis zu schaffen, so jedenfalls mein Eindruck. Anders als mit dem drohenden Zeitdruck kann ich es mir übrigens auch nicht erklären, wie es irgendein Verantwortlicher in leitender Position für eine gute Idee halten konnte, Luke Skywalker als heroischen Kammerjäger zweckzuentfremden, der mit seinem Lichtschwert Dutzende nerviger Käfer matschen muss.

Wenn man schon derart detailgetreu die Star Wars-Welt nachbaut wie in Battlefront 2 und das Szenario inszenatorisch von der großartigen Frostbite-Grafik bis hin zum wuchtigen Original-Ton perfekt auf ein anderes Medium überträgt, hätte man sich doch wenigstens die Mühe geben können, die klaffenden Lücken in der Singleplayer-Story zu schließen - und damit rede ich nicht mal vom Cliffhanger-Ende, das seine Auflösung im ersten Gratis-DLC erwartet. So aber ist Star Wars Battlefront 2s Solo-Kampagne ebenso schnell vergessen, wie sie zu Ende gespielt ist - und das Spiel wird einem wohl vor allem wegen seines frechen Umgangs mit der Lootbox-Affäre im Gedächtnis bleiben. Schade drum.

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