Assassin's Creed von 2007 bis 2017: Rückblick auf eine der bekanntesten Videospielserien zum 10. Geburtstag
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Assassin's Creed ist wieder da! Aber war es jemals wirklich weg? Zum zehnten Geburtstag der beliebten Open-World-Reihe wirft PC Games einen Blick zurück auf vergangene Erfolge und Pleiten. Von Altair und Ezio über Connor und Edward bis Arno und Bayek: Wie sich die Helden von Ubisofts wichtigster Serie und ihre Spiele im Lauf der Zeit verändert haben.
Zwölf Assassin's Creed (jetzt kaufen 22,00 € / 8,99 € )-Spiele in zehn Jahren - das Jubiläum von Ubisofts wohl bekanntester Serie lässt selbst Konkurrent Activision mit seinem jährlichen Release-Rythmus für Call of Duty vor Neid erblassen. Dabei sind in diesem dreckigen Dutzend der Meuchelmörder-Spiele noch gar nicht die vielen Mobile-Adaptionen eingerechnet. Und von den zahllosen Romanen und Comics, den Sammlerfiguren und dem Assassin's Creed-Film aus dem Jahr 2016 wollen wir gar nicht erst anfangen: Die AC-Serie ist seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 2007 zu einem globalen Phänomen geworden. Mit dem Namen Assassin's Creed kann heutzutage wohl nahezu jeder Spieler auf PC und Konsolen etwas anfangen. Vele verbinden damit einige der schönsten Erinnerunge ihres Gaming-Lebens - und andere sehen in Assassin's Creed einen der Gründe für den vermeintlichen Abstieg der Spieleindustrie in den "Casual-Kommerz".
Quelle: PC Gamespcgames.de
Einfach spielen: Der Casual-Ansatz ist fest mit Assassin's Creed verbunden, die Spiele waren nie sonderlich anspruchsvoll. Erst Origins führt drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ein.
Vom Prinzen zum Assassinen
Eigentlich will Ubisoft ein neues Prince of Persia-Spiel. Doch Designer Patrice Désilets hat nach dem Abschluss der Arbeiten an The Sands of Time andere Pläne: Vom persischen Prinzen als Helden hat er vorerst genug, stattdessen soll ein Meuchelmörder im Fokus stehen, ein sogenannter Assassine. Diese Gruppe von religiösen Fantatikern gab es tatäschlich; das Leben der historisch belegten Persönlichkeit Hassan-i Sabbah und seiner "Hashshashins" dient Désilets als Vorlage für ein Spiel mit dem Arbeitstitel Prince of Persia: Assassin.
Arbeitgeber Ubisoft gefällt das Konzept, will aber kein bloßes Spin-of der Reihe, bei dem der etablierte Held nur eine Nebenrolle zugewiesen bekommt; kurzerhand wird der Titel geändert, das Projekt steht jetzt komplett auf eigenen Beinen. Auf der E3 2006 wird Déslites' Werk der Öffentlichkeit unter einem neuen Namen vorgestellt: Assassin's Creed.
Quelle: Ubisoft
Altari trägt eine Kutte mit Kapuze, um in einer Gruppe betender Mönche nicht aufzufallen. Die Nachfolger übernehmen die ikonische Kopfbedeckung, obwohl diese Gameplay-Mechanik entfällt.
Der erste Trailer löst Begeisterungsstürme bei Spielern aus, auch die Fachpresse überschlägt sich mit Vorschusslorbeeren. Nachdem die Xbox 360 Ende 2005 die neue Konsolengeneration eingeläutet hat (die Playstation 3 folgt im November 2006), lässt spätestens die Gameplay-Präsentation von Assassin's Creed auf der E3 2007 reihenweise Münder offen stehen. Denn die von Ubisoft gezeigte Grafik ist wegweisend, das mittelalterliche Jerusalem und die umliegenden Städte Akkon und Damaskus werden mit einer bis dahin nicht gekannten Detailfülle auf den Bildschirm gebracht.
Assassin's Creed profitiert im Vorfeld seiner Veröffentlichung enorm von der Hype-Maschinerie; das Team um die weibliche Produzentin Jade Raymond (die allein durch ihr Geschlecht und ihr fotogenes Äußeres zu einiger Popularität bei den vielen männlichen Fans gelangt) ist nur zu gerne bereit, es potenziellen Käufern als eines der ersten wegweisenden Next-Gen-Spiele schmackhaft zu machen. Und tatsächlich: Als Assassin's Creed am 13. November 2007 für Playstation 3 und Xbox 360 erscheint, ist es wunderschön anzusehen. Die Welt ist riesig und außergewöhnlich lebendig, die Möglichkeiten scheinen im ersten Moment endlos. Mit dem Pferd durch die Gegend reiten, getarnt als Mönch Zugang zu einer Stadt erhalten, auf Türme klettern, in Heuhauen springen, alles ohne Ladezeiten mit Hunderten NPCs - was für ein Spaß! Doch je länger Tester und Fans Assassin's Creed spielen, umso mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die wegweisende Technologie hinter dem Spiel, die grafische Potenz, einen Preis hat: den der spielerischen Abwechslung.
In Assassin's Creed machen Spieler immer das Gleiche: Betraut mit einer Reihe von Auftragsmorden, muss Protagonist Altair vor dem Treffen mit der Zielperson stets eine Reihe von sogenannten Investiationgsmissionen erfüllen. Spieler belauschen Feinde, bestehlen andere Personen, fragen Informanten aus und so weiter. Von diesen Missionstypen gibt es allerdings gerade mal fünf Stück: Einöde garantiert. Erst die nachträglich veröffentlichte PC-Version von Assassin's Creed mit dem Zusatz Director's Cut fügt vier weitere Auftragsschablonen hinzu, doch der fehlende Abwechslungsreichtum bleibt der größte Kritikpunkt am Open-World-Spiel aus dem Hause Ubisoft.
Der Animus macht Nachfolger möglich
Trotz aller Mängel: Assassin's Creed verkauft sich blendend, es ist eine Erfolgsgeschichte. Und es öffnet für Ubisoft Türen: Der französische Publisher expandiert in den folgenden Jahren massiv, unterhält heute Studios in allen Winkeln der Welt, von Montreal bis Shanghai. Einige dieser Büros gehören zu den größten Ansammlungen von Videospiel-Entwicklern in der gesamten Branche; bei der Zusammenarbeit zwischen den Studios setzt das Unternehmen Maßstäbe. Rund um die Uhr sollen Tausende Mitarbeiter an neuen Titeln arbeiten, nach 2007 steht dabei natürlich eine Marke im Fokus: Assassin's Creed.
Nachfolger sind schnell beschlossene Sache, Raum für Verbesserungen gibt es genug. Die Story hat geschickt Lücken gelassen für weitere Erzählungen aus dem Assassinen-Kosmos. Da Spieler in Assassin's Creed lediglich die Erinnerungen von Altair nachspielen und parallel zu den historischen Ereignissen eine Gegenwarts-Story rund um Protagonist Desmond Miles, das finstere Abstergo-Unternehmen und die Schattengesellschaft der Templer erleben, können dank Animus beliebig weitere Zeitepochen, Assassinen-Helden und Sequels nachgeschoben werden. Gleichzeitig hungern zahllose Fans nach eben solchen Geschichten aus dem AC-Universum. Ubisoft bedient diese Nachfrage in der Folge mit einem Eifer und in einer Frequenz, die bis heute einzigartig in der Spielebranche sind.
Alle Assassin's Creed-Spiele für PC, Playstation und Xbox
| Spiel | Release | Plattformen | Wertung im PCG-Test |
|---|---|---|---|
| Assassin's Creed | 13.November 2007 | Playstation 3, Xbox 360, später PC (als Director's Cut) | 83% |
| Assassin's Creed 2 | 20. November 2009 | PC, Playstation 3, Xbox 360 | 88% |
| Assassin's Creed: Brotherhood | 19. November 2010 | PC, Playstation 3, Xbox 360 | 90% |
| Assassin's Creed: Revelations | 15. November 2011 | PC, Playstation 3, Xbox 360 | 88% |
| Assassin's Creed 3 | 31. Oktober 2012 | PC, Playstation 3, Xbox 360 | 88% |
| Assassin's Creed: Liberation | 31. Oktober 2012 | Playstation Vita, später PC, Playstation 3, Xbox 360 | 73% |
| Assassin's Creed 4: Black Flag | 29. Oktober 2013 | PC, Playstation 3/4, Xbox 360/One | 87% |
| Assassin's Creed: Unity | 13. November 2014 | PC, Playstation 4, Xbox One | 74% |
| Assassin's Creed: Rogue | 13. November 2014 | Playstation 3, Xbox 360, später PC | 81% |
| Assassin's Creed: Syndicate | 23. Oktober 2015 | PC, Playstation 4, Xbox One | 85% |
| Assassin's Creed Chronicles | 21. April 2015 (China) | PC, Playstation 4, Xbox One | 66% |
| Assassin's Creed: Origins | 27. Oktober 2017 | PC, Playstation 4, Xbox One | 88% |
Assassin's Creed 2 stellt zwei Jahre nach dem 2007-Release des Vorgängers einen Quantensprung dar. Mit Ezio Auditore betritt der bis heute sympathischste Protagonist der Serie die Bühne; das Italien der Renaissance bildet die beeindruckende Kulisse für eine hervorragend erzählte Rache-Geschichte mit dem genial-verrückten Sidekick Leonardo da Vinci und vielen neuen Informationen zur Rahmenhandlung - Alien-Auftritte und überraschende Enthüllungen zum Ursprung der Menschheit inklusive. Das Ganze endet im Gipfel der Game-Design-Dreistigkeit: Im Faustkampf (!) besiegt Ezio den Papst. Sensationell!
Quelle: PC Games Hardware
Auf hohe Aussichtspunkte klettern, die Karte synchronisieren und runter springen: ein Markenzeichen von Assassin's Creed.
In der Folge entsteht eine ganze Ezio-Trilogie, Assassin's Creed 2 sowie die Nachfolger Brotherhood und Revelations erhielten erst kürzlich eine Neuveröffentlichung als HD-Remaster. Allerdings zeigt das erfolgreiche Open-World-Konzept (von Kritikern und übersättigten Fans bald schon als Ubisoft-Formel verschrien) spätestens in AC: Revelations Ermüdungserscheinungen; der nach Teil 2 jährliche Release eines neuen Spiels mit vielen Dutzend Stunden Spielzeit droht, die Serie totzunudeln. Die Wertungen der Fachpresse beim Test eines neuen Assassin's Creed sind zwar weiterhin hoch, aber immer öfter hört man jetzt Kritik an Ubisoft: Die Marke werde ausgeschlachtet, Assassin's Creed sei längst reine Geldmacherei, es fehle an frischen Impulsen.Eben jene soll Assassin's Creed 3 der Serie geben; der Amerikanische Bürgerkrieg als Szenario ist ein krasser Wechsel zur Ezio-Story und soll wohl vor allem das US-amerikanische Publikum ansprechen. Doch der Release 2012 ist von Glitches und langweiligem Missionsdesign gezeichnet, zudem lässt Ubisoft mit dem Halb-Indianer Connor einen der langweiligsten Protagonisten der gesamten Reihe auf die Spieler los - und das auch erst nach einem sich nahezu ewig in die Länge ziehenden Prolog. Im Rückblick bleibt Assassin's Creed 3 somit weit hinter seinen Möglichkeiten zurück - stellt aber dennoch die Weichen für die Zukunft.
Schiffe, Glitches und eine bittere Erkenntnis: Das geht so nicht weiter!
Denn schon Teil 3 enthält ein Feature, mit dem Ubisoft beim Nachfolger Black Flag 2013 alles auf eine Karte setzt: Seekämpfe! Waren es in Assassin's Creed 3 noch einzelne Missionen, in denen der Spieler ein Schiff steuert, Kanonen abfeuert und gegnerische Schaluppen versenkt, baut Black Flag darum ein komplettes, ungemein stimmiges Freibeuter-Abenteuer im Stil von Sid Meier's Pirates! auf. Das Ergebnis hat zwar nicht mehr viel mit der Original-Idee für Assassin's Creed von Patrice Désilets zu tun (ein Attentäter mit Kapuze, der Zielpersonen mit seiner versteckten Klinge am Handgelenk ausschaltet), erweist sich aber gerade deshalb als ein frischer Wind für die Serie. Doch trotz glänzender Verkaufszahlen und viel Lob gibt es auch unzufriedende Gesichter in der Community, besonders der harte Fan-Kern ist nicht durchweg begeistert: Black Flag habe zu wenig mit der Assassin's Creed-Serie zu tun und hätte lieber als eigenständiges Spiel veröffentlicht werden sollen.
Quelle: pcgames.dePC Games
Aus dem Gegenwarts-Plot um die Eden-Artefakte und den Animus machte Ubisoft vor dem Assassin's Creed-Release ein großes Geheimnis. Auch im fertigen Spiel sollte es bei vagen Andeutungen bleiben - die Lücken füllte die begeisterte Community mit viel Detektivarbeit.
Auf diese Kritik geht Ubisoft beim Nachfolger Assassin's Creed: Unity ein (eine Stadt statt großer Karibik-Spielwelt), lässt die Black Flag-Fans aber auch nicht im Regen stehen: Der gleichzeitige Release von Assassin's Creed: Rogue (vorerst exklusiv für die zu diesem Zeitpunkt vom Aussterben bedrohte Konsolengeneration Playstation 3/Xbox 360) wirkt wie ein Kompromiss im Namen der zwiegespaltenen Fan-Gemeinde. Derweil hat AC: Unity auf den Nachfolgekonsolen und besonders dem PC mit etlichen technischen Problemen zu kämpfen, im Test gibt es dafür massive Punktabzüge und eine der bis heute schlechtesten Assassin's Creed-Wertungen bei PC Games. Unity stellt damit im Mainstream-Bewusstsein den Tiefpunkt der Serie dar, dafür sorgen allein die zahllosen Glitches - aber auch die Story ist nicht eben ein Meisterwerk. Manch ein Fan bleibt jedoch von den gröbsten Schnitzern verschont und schätzt Assassin's Creed: Unity im Nachhinein für Paris-Szenario, Koop-Modus und Schleich-Fokus. Dennoch: Es sind schwere Zeiten für Assassin's Creed, 2014 geht als rabenschwarzes Jahr in die Ubisoft-Annalen ein. Jetzt muss der parallel entwickelte Nachfolger (jedes Jahr ein neues AC, ihr erinnert euch?) die Kohlen aus dem Feuer holen.
Quelle: PC Games
Klettern mit dem Ein-Button-System: eine der Innovationen von Assassin's Creed.
Assassin's Creed: Syndicate erscheint Ende November mit gleich zwei Protagonisten, zwischen denen Spieler wechseln dürfen. Angesiedelt in London zur Zeit der Industrialisierung, enttäuscht die Syndicate-Story leider einmal mehr mit Andeutungen, gesichtslosen Widersachern und langweiligem Abstergo-Blödsinn - seit dem Ende von Assassin's Creed 3 und dem Abschluss der Desmond-Saga scheinen Ubisofts Autoren die Ideen für eine spannende Fortführung des modernen Szenarios ausgegangen zu sein. Der Konflikt zwischen Templern und Assassinen, er ruht zunehmend, egal ob ihr in Black Flag die Büros eines fiktiven Spielestudios aus der Ego-Perspektive erforscht (!) oder wie bei Unity und Syndicate lediglich eine Handvoll Zwischensequenzen aus der Gegenwart zu sehen bekommt. Assassin's Creed: Syndicate ist letztlich ... funktional. Eine technische Katastrophe wie bei Unity bleibt aus, das Spiel funktioniert, macht Spaß - aber es bringt die Serie auch nicht voran und verkauft sich eher schlecht. Als Konsequenz unternimmt Ubisoft einen historischen (und in den Augen mancher überfälligen) Schritt: 2016 erscheint kein neues Assassin's Creed.
Aus der Ruhe kommt die Kraft: Das "verlorene" Jahr
Quelle: Ubisoft
Jade Raymond (vorne) wird dank Assassin's Creed zu einer der bekanntesten weiblichen Spielemachern.
Sieben Mal in Folge war in der Videospielbranche eines so sicher wie das Amen in der Kirche: Am Ende des Jahres gibt es ein neues Call of Duty zu kaufen - und nebenan im Regal steht ein frisches Assassin's Creed. Doch 2016 gibt's nur CoD, kein AC - und die Spieler jubeln. Denn Ubisoft hat den Markt seit 2007 mit Assassin's Creed-Spielen geradezu überschwemmt, neben der Hauptreihe erscheinen im Lauf der Jahre auch allerlei Ableger (die Vita-Version Liberation war gut, das extern entwickelte, 2D-Mechaniken nutzende Assassin's Creed: Chronicles mit Szenarien aus China, Russland und Indien nicht so sehr) und Standlone-DLCs (Schrei nach Freiheit), dazu etliche Umsetzungen für Handhelds und Handys. Zweifelhafte Geschäftspraktiken wie die aus der Hauptstory von Assassin's Creed 2 herausgeschnittenen DLCs oder den im Lauf der Zeit immer stärker gewichteten Ingame-Shop mit Mikrotransaktionen brachten die Reihe immer wieder in Verruf.
Ja, Assassin's Creed ist 2016 noch eine große Marke - aber längst kein Selbstläufer mehr. Und so tut Ubisoft das zu diesem Zeitpunkt Undenkbare: Das Unternehmen rückt von seinen jährlichen Release-Plänen ab, gibt der Serie wieder Luft zum Atmen und verschafft den Entwicklern beim Hauptstudio Ubisoft Montreal die wohl wertvollste Ressource - Zeit. Heraus kommt dabei das auch Hochglanz polierte, mit vielen neuen Action-Rollenspiel-Elementen versetzte Assassin's Creed: Origins. Seine Erzählung befasst sich mit den Ursprünge der Assassinen-Bruderschaft - dass Spieler dafür exakt zehn Jahre nach dem Start der Reihe ins virtuelle Ägypten aufbrechen, offenbart eine gewisse Symmetrie. Zum zehnten Assassin's Creed-Jubiläum hat Origins in Teilen der Community wieder eine ähnliche Aufbruchsstimmung wie in den 2000er Jahren entfacht: Alles scheint möglich in dieser hochklassigen Open-World-Reihe und die Zukunft sieht rosig aus - Assassin's Creed ist wieder da!
