Die Frage, was man bei Star Trek als Kanon ernst nehmen kann, stellte sich vor 46 Jahren mehr denn je.
Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Charakter aus Star Trek wird wiederbelebt, kurz bevor er stirbt. Nur, um ihn anschließend schnell wieder über den Jordan zu schicken. Dieses Kuriosum jährt sich aktuell zum 46. Mal und erinnert daran, wie verwirrend der Kanon bei Star Trek mitunter sein kann.
Gehören Star Trek-Comics zum Kanon?
Diese Frage stellt sich aktuell vor allem bei den Menschen, die sich zwar für die legendäre Science-Fiction-Reihe interessieren, allerdings nicht ganz so tief in der Materie stecken, wie ein echter Trekkie. Derzeit bekommt beispielsweise die 1990er-Serie Raumschiff Voyager nach 24 Jahren endlich ein befriedigendes Ende, auf das Fans schon so lange warten.
So steht es zumindest auf der offiziellen Seite startrek.com. Doch handelt es sich hierbei um einen Comic, der die Geschehnisse nach dem Ende der Fernsehserie Star Trek: Voyager weiterführt. Der Verlag IDW erweckt verständlicherweise den Anschein, dass diese Storyline zum offiziellen Kanon gehört. Und Paramount, bzw. der aktuelle Rechteinhaber widerspricht dem nicht. Doch sollte ein neuer Kinofilm oder eine kommende Star Trek-Serie die Geschichte in irgendeiner Form umschreiben, dann kann es mit dem "Kanon" auch schnell wieder vorbei sein. Ein ganz besonders skurriles Beispiel hierfür ereignete sich vor genau 46 Jahren.
Ab 02. Dezember 1979 erschien in der Los Angeles Times der "Star Trek Comic Strip". Diese Comics wurden vier Jahre lang täglich in der Zeitung abgedruckt - in der Sonntagsausgabe sogar in Farbe. Offiziell von Paramount abgesegnet, knüpften die frühen Folgen direkt an den allerersten Kinofilm (hier geht es zu unserem Special) aus dem Jahre 1979 an. Das Problem war nur: Die Comic-Strips enthielten einen entscheidenden Fehler.
Crash des Kanons: Star Trek-Charakter wurde vor 46 Jahren versehentlich wiederbelebt
Bei den täglich erscheinenden Comics stellte sich damals ebenfalls die Frage, inwieweit man sie zum Kanon zählen darf. Wie schnell sich diese Diskussion erledigen kann, zeigt das Beispiel von Lieutenant Ilia. Die Navigatorin mit dem kahlen Haupt ließ im Kinofilm, der am 07. Dezember 1978 und somit fünf Tage nach dem Debüt der Comic-Strips in die Kinos kam, ihr Leben.
In den ersten Ausgaben des Comics, die zum damaligen Zeitpunkt offiziell die Handlung des Kinofilms weitererzählten, lebte Ilia allerdings noch. Als klar war, dass es sich hierbei um einen Fehler handelt, erhielt die Figur zu einem späteren Zeitpunkt den Status "Missing In Action", also im Einsatz verschollen. Wir halten also folgendes fest:
Vor 46 Jahren wurde ein Star Trek-Charakter fünf Tage vor dessen Filmtod versehentlich wiederbelebt, nur, um ihn anschließend sang- und klanglos verschwinden zu lassen. Dieses Beispiel zeigt auf skurrile Weise, dass offiziell lizenzierte Star Trek-Comics zum Zeitpunkt ihres Erscheinens gerne als "Kanon" hingestellt werden, der Inhalt im Zweifelsfall aber durch Kinofilme und Serien (die sich auch nicht immer einig sind) obsolet wird - manchmal viel schneller als gedacht.
Quelle: Comic Book
