Stalker: Lost Alpha Erfahrungsbericht - Download, Tuning-Tipps und eine Liebeserklärung
Special
Mit der Lost Alpha-Mod hat ein Team engagierter Hobby-Entwickler dem sieben Jahre alten Ego-Shooter Stalker neues Leben eingehaucht. PC Games-Redakteur Peter Bathge kehrt für euch zurück in die verstrahle Zone rund um den Atom-Reaktor von Tschernobyl - seine Rundreise durch die Mod offenbart Anblicke unvergleichlicher Schönheit, Momente atemloser Spannung und panischer Furcht, aber auch Abstruses wie Headbanging zu Elvis Presleys unvergleichlichem Rock & Roll.
Download und Tuning-Tipps
Das Wichtigste zuerst: Für Lost Alpha wird das Hauptspiel Stalker: Shadow of Chernobyl nicht benötigt, die Mod funktioniert als Standalone. Den vier Gigabyte großen Gratis-Download findet ihr auf www.moddb.com/mods/lost-alpha oder unter
www.dezowave.com. Wir empfehlen dringend, auch Patch 1.30013 herunterzuladen, denn die Originalversion der Mod stürzt häufiger ab und besitzt einige Programmierfehler. Mit der gepatchten Fassung kamen uns aber keinerlei Plotstopper-Bugs unter. Trotzdem raten wir zum ausgiebigen Gebrauch der Speicherfunktion und dem Anlegen verschiedener Spielstände.
Quelle: PC Games
Die zähen, kinetisch begabten Zwerg-Mutanten treiben sich vor allem in Bunkern und Tunneln herum.
Eurer Hardware verlangt Lost Alpha alles ab. Für flüssiges Spielen ist vor allem ein guter Prozessor mit möglichst hoher Hertz-Zahl wichtig, da die Mod-Engine lediglich einen CPU-Kern effektiv nutzt. Um bei hohen Auflösungen Leistung zu sparen, empfehlen wir daher, die Grafik-Details leicht herunterzuregeln – selbst High-End-Rechner kommen bei vollen Details kaum über 40 fps. Mit zweifachem Anti-Aliasing, mittlerer Schattenqualität und reduzierter Grasdichte sowie Sichtweite sieht das Spiel immer noch gut aus. Vorsicht: Bei deaktivierten Sonnenschatten und im Direct-X-9-Modus verliert die Optik deutlich an Qualität, außerdem kommt es zu falsch dargestellten Farben und einem sehr dunklen Bild. Lieber die Güte der Grasschatten verringern!
Tipp: Auf der Webseite unserer Schwesternredaktion PC Games Hardware findet ihr einen ausführlichen Benchmark-Test von Stalker: Lost Alpha mit Vergleichs-Screenshots.
Verliebt in Tschernobyl
Quelle: PC Games
Die Benutzeroberfläche und insbesondere das Inventar wurde dezent überarbeitet. Gut so!
Am Ende sind es nicht die Neuerungen von Lost Alpha, die mich an den Bildschirm fesseln. Genauso wenig wie mich die Versäumnisse der Entwickler davon abhalten können, nach sieben Jahren erneut in dem faszinierenden Mikrokosmos von Stalker abzutauchen: kleine Bugs und viele Abstürze, deren Frequenz seit Patch 1.30013 aber stark abgenommen hat. Was überwiegt, ist die pure Freude daran, einen Grund zu haben, in diese einmalige Welt im Osten Europas zurückzukehren. An diesen gottverlassenen Ort, an dem die Regeln der modernen Gesellschaft nicht mehr greifen. Wo die Explosion des Atomreaktors die Landschaft, die Tiere, ja die Menschen selbst transformiert hat. Wo baufällige Häuser mich aus leeren Augenhöhlen anklagend anstarren. Wo ausgebrannte Autos wie achtlos weggeworfene Spielzeuge eines Giganten am Straßenrand stehen. Wo ich unwillkürlich vor Spannung die Luft anhalte, wenn ich im Stockdunkeln durch eine nur scheinbar verlassene Lagerhalle schleiche, in meinen Ohren das Grunzen bizarrer Mutanten. Wo ich panisch schreie, wenn tief unter der Erde plötzlich meine Taschenlampe versagt und ich im Inventar nach frischen Batterien krame, ungewiss, was für Abscheulichkeiten in der Finsternis lauern, näher kommen, die deformierten Gliedmaßen nach mir ausstrecken.
Quelle: PC Games
Das wegweisende KI-System A-Life haucht den NPCs damals wie heute Leben ein.
Wo sich KI-Charaktere nachts um brennende Tonnen versammeln, einander in unverständlichem Russisch Geschichten erzählen, lachen, Gitarre spielen. Und wo draußen in der erbarmungslosen Wildnis ohne mein Zutun Mutanten durch das hohe Gras streifen und Militärpatrouillen anfallen, wo ich von Banditen bedrängten Wanderern helfen oder sie selbst ausrauben kann. Wo ich einfach mal die Waffe wegstecke und den Sonnenaufgang bewundere, der dank der aufgebohrten X-Ray-Engine einen wunderschönen Kontrapunkt zu all der Gewalt, all der Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit setzt. Es sind solche Momente, in denen ich froh bin, dass Stalker dank der Lost Alpha-Mod vielen Menschen in Erinnerung bleiben wird. In denen ich weiß: Über diese Spielwelt wird man noch in vielen Jahren sprechen. Denn sie ist einzigartig.
Diese Zone.
