Stalker 2: Heart of Chornobyl gespielt
Special 59,99 €
Ein Shooter wie eine Anomalie: Stalker 2 ist ein enorm ambitioniertes Spiel, das extremer Widrigkeiten zum Trotz schon in wenigen Monaten erscheinen soll. Auf der Gamescom konnten wir uns zum ersten Mal selbst ein Bild von GSC Game Worlds Mammutprojekt machen!
Der Kollege am anderen Rechner hat den NPC durch gutes Zielen verschont und konnte daraufhin mit ihm reden, wodurch neue interessante Orte auf dem Kompass markiert wurden. Der Freund des Stalkers, der verletzt in der Hütte liegt, reagiert aber in beiden Situationen noch nicht auf uns. Generell braucht es oft mehrere Anläufe, um eine andere Figur zum Dialog zu bewegen, überwiegend werden wir nur mit Onelinern begrüßt, die bei vielen Charakteren vom gleichen Sprecher vertont werden.
Beim Plündern fällt uns auf: Jeder menschliche Feind im Spiel trägt einen Namen. Allerweltsgegner wie "Banditen" oder "Wegelagerer" gibt's bei Stalker 2 offenbar nicht, das Spiel nimmt sein Setting ernst und präsentiert uns eine Welt, in der echte Menschen überleben müssen. Was wir abseits der Hunde bisher kaum gesehen haben, sind mutierte Tiere oder andere Monster. Dass uns auch im neusten Stalker wieder allerlei Viehzeugs ans Leder will, ist aber kein Geheimnis. In einem anderen Demo-Anlauf überfällt uns beim Erkunden etwa ein unsichtbarer Mutant, den wir zu freundlichen NPCs locken, um zu überleben.
Beim nächsten Schusswechsel mit menschlichen Gegnern dürfen wir uns von der KI überzeugen, die zuverlässig in Deckung geht, uns in die Flanke fällt und über weite Strecken verfolgt, wenn sie uns aufspürt. Die Feuergefechte in Stalker 2 werden wie gehabt eher langsam und taktisch ablaufen, besonders gefährlich wirkten die menschlichen Kämpfer in unserer Session aber nicht. Wir halten einige Treffer aus und Spritzen heilen uns in Windeseile. Die Waffen, die wir dabeihaben, also eine Pistole, eine Shotgun und eine AK-47u, fühlten sich außerdem ordentlich und (für Stalker-Verhältnisse) präzise an, bei einem Kopftreffer kippen die Gegner sofort um. Dafür ist das Messer, mit dem wir hier und da Kisten zerschlagen müssen, um weiterzukommen, noch ganz schön lasch.
Möglich, dass GSC Game World für das Gamescom-Publikum den Schwierigkeitsgrad heruntergedreht hat, für locker-flockiges Run & Gun ist Stalker nun nicht unbedingt bekannt. Wir dürfen uns natürlich auch wieder aus der Deckung lehnen, mangels Controller konnten wir aber bis jetzt nicht ausprobieren, wie das in der Xbox-Version funktionieren wird.
Während wir gerade noch dabei sind, das eben geräumte Lager zu plündern, kündigt die Anrufbeantworterstimme unseres PDAs an, dass gleich eine "Emission" durch das Gebiet fegen wird, und wir bitte schnellstmöglich Schutz suchen sollen. Wir flüchten uns über die zerfurchte Waldlandschaft in eine Hütte, sehen den blutroten Strahlensturm aufziehen, und ... sterben, obwohl wir doch eigentlich sicher sein sollten. "Ein weiteres Opfer der Zone" steht auf dem Bildschirm, und ein Entwickler erklärt uns, dass die Demo darauf programmiert ist, uns nach Ablauf der Zeit zu töten.
Gerade einmal 15 Minuten durften wir in der gigantischen Welt herumlaufen, die GSC Game World in den vergangenen fünf Jahren geschaffen hat. Eine Welt, von der die Entwickler behaupten, dass man hunderte Stunden darin verbringen könne, in einem Spiel, bei dem wir zuversichtlich sind, dass sein Gameplay Fans das liefern wird, was sie von der Reihe kennen und erwarten.
Quelle: GSC Game World
Es bleiben aber natürlich auch noch viele Fragen offen: Zu Story, Atmosphäre und Figuren können wir nach einer Viertelstunde in der lauten Messekabine noch nichts sagen. Wie sich die RPG- und Survival-Systeme im Spielverlauf entwickeln werden und wie spannend die Zone in der Nähe des Kraftwerks noch wird, wissen wir auch nicht. Auch ein echtes Releasedatum bleibt uns GSC Game World noch schuldig. Immerhin bestätigten uns die Entwickler, dass sie das Spiel mittlerweile aufs erste Quartal 2024 verschoben haben, und dass die fertige Version deutlich polierter sein wird als das, was wir anspielen konnten.
Trotzdem hat unsere Session schon viel Stalker-Charme versprüht. Und eines ist sicher: GSC Game World ist mit einer Leidenschaft bei der Sache, die Respekt verdient. Aus solcher Hingabe können großartige Dinge entstehen, und zwar viel großartiger, als es jeder Wunschgönner erfüllen könnte.
