Das Ende der deutschen Spieleindustrie? Eine Branche hat Angst

Special Antonia Dreßler
Das Ende der deutschen Spieleindustrie? Eine Branche hat Angst
Quelle: Pexels.com / Aley Green -Bildmontage

Die Stimmung in der Gaming-Branche ist am Boden: Entlassungswellen, Schließungen, Einstampfung von Projekten. Und am härtesten trifft es die Leute ganz unten.

Unmut auch in den Studios

Das bestätigt auch Sebastian Bender von Wolpertinger Games, der zu den Leuten gehört, die gerade niemanden anstellen können. Die Branche drückt laut ihm massiv auf die Investitionsbremse. Darunter leiden alle Studios, vor allem aber die kleineren Unternehmen, die von Auftragsarbeiten oder größeren Partnern abhängen und deren Projekte gerade - teils sehr kurzfristig - eingestampft werden.

"Wir müssen dieses Jahr überleben, dann geht es wieder aufwärts", so Sebastian. "Das klingt zwar nach einer Plattitüde, aber Videospiele hören ja nicht einfach auf zu existieren." Stattdessen fangen die Studios und Publisher irgendwann an, wieder zu investieren, wie jedes Mal, wenn Gaming in einer Krise steckt.

Das große Problem haben solche Studios, die sich keinen Puffer aufgebaut haben oder dies auch einfach nicht konnten, weil sie zum Beispiel einfach zu jung sind. "Da hätte auch eine verlässliche Förderung geholfen", meint Sebastian. Das bayerische Studio konzentriert sich gerade auf das eigene Spiel mit Survivor Mercs im Early Access, will aber auch noch im Jahr 2024 ein neues Projekt finanzieren.

Artwork: Soldat/Truppanführer vor orangenem Hintergrund Quelle: Wolpertinger Games Diese positive Sicht unterstützen auch andere Gaming-Veteranen wie Clemens Hochreiter, Professor bei Fresenius für die Studiengänge Mediendesign, Gamedesign und Management. Er selbst hat in den 90ern angefangen zu entwickeln und besitzt nach wie vor selbst eine Produktionsfirma für Spiele. "Das ist die größte Krise, die ich in Deutschland je erlebt habe. Das erinnert an den Anfang der 2010er, als DTP pleitegegangen ist".

Damals meldete das rund 140 Mann starke deutsche Studio DTP Entertainment überraschend Insolvenz an und wurde 2012 vollständig aufgelöst. Doch auch vor rund zehn Jahren hat sich der Markt wieder erholt. Und es weist nichts darauf hin, dass die Zeiten jetzt plötzlich für immer schlecht bleiben.

Stattdessen verweist Clemens darauf, dass Deutschland und vor allem Bayern bis jetzt immer gestärkt als Spielestandort hervorgegangen sind, wie durch die Gründung des Games Bavaria Munich 2009, dem regionalen Spieleverband. Nun steht ein weiteres Projekt an, mit dem Bayern sich in der Branche stärker positionieren will. Das House of Games soll eine zentrale Schnittstelle zwischen Industrie und Politik sein und wird durch das bayerische Ministerium für Digitales finanziert.

Deutschland hinkt hinterher

Doch wo Bayern gerade Pluspunkte in der regionalen Industrie sammelt, tut sich Deutschland als Bund nicht sehr positiv hervor. Keiner der Studenten denkt so aktuell daran, ein Studio zu gründen. "Es ist einfach keine Förderung da" betonen gleich mehrere unserer Interviewpartner - es brauchen zu viele Leute Geld und es ist zu wenig in den Töpfen. Gleichzeitig geht es bei der Computerspieleförderung des Bundes nicht ohne Eigenkapital - für junge Entwickler absolut undenkbar, für verdiente Veteranen ebenso ein Sprung ins Ungewisse.

Wenn man investiert und die Förderung am Ende doch nicht klappt, dann hat man gar nichts gewonnen - so ist es etwa Hekate aus Berlin ergangen, die am Ende vom Publisher Nacon vollfinanziert wurden.

Die Zukunft der hiesigen Industrie ist unterm Strich sicherlich nicht verloren, doch damit sie wirklich stabil existieren und wachsen kann, scheint vor allem die Unterstützung der Politik nötig. Einzelne Politiker setzen sich bereits dafür ein, Videospielen ihre gebührende Stellung zwischen Wirtschafts-, Digital- und Kulturministerien einzuräumen - dass Deutschland aber irgendwann ein starker Spielestandort ist, ist momentan reine Zukunftsmusik.

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