Das Ende der deutschen Spieleindustrie? Eine Branche hat Angst
Special
Die Stimmung in der Gaming-Branche ist am Boden: Entlassungswellen, Schließungen, Einstampfung von Projekten. Und am härtesten trifft es die Leute ganz unten.
Auf der GG Bavaria, der bayerischen Videospielmesse, haben wir mit Nachwuchskräften gesprochen, wie sie die Zukunft des deutschen Stellenmarktes sehen. Sind Neugründungen in der Zukunft wahrscheinlich, wechseln angehende Entwickler jetzt noch schnell das Berufsfeld oder schauen sie sich geschlossen im Ausland um?
Kunst ist brotlos
Vor allem Studenten, die sich innerhalb ihrer Unis auf Game Art spezialisiert haben, sehen die aktuellen Entwicklungen als besorgniserregend an. Nicht nur baut die Branche gerade massiv Stellen ab, sondern auch Künstliche Intelligenz macht als Tool Druck.
Kseniia Schweiger von der Mediadesign Hochschule sieht vor allem in der neuen Technologie Probleme. Sie macht sich aber nicht nur Sorgen um zukünftige Stellen, sondern befürchtet auch, dass Spiele durch KI immer generischer werden. Wenn man irgendwann nur noch die KI Konzept-Designs anfertigen lässt, sieht am Ende alles gleich aus. Aber für Firmen ist das natürlich viel günstiger und gestrichene Stellen eine logische Schlussfolgerung am Arbeitsmarkt.
Viele Studenten im Kunstbereich satteln deswegen jetzt von 2D- auf 3D-Kunst und Animation um. Das kann KI zwar auch, aber noch lange nicht so gut wie Menschen, und vor allem sind die entsprechenden Tools nicht so zugänglich, wie uns Ariana Dietzel aus dem gleichen Studiengang der Mediadesign Hochschule erzählt.
Sie ist im 7. Semester und hat weniger Angst vor der Konkurrenz durch Algorithmen, sondern vor allem durch altgediente Entwickler. "Senior-Artists werden viel eher angestellt als die Leute frisch aus der Uni". Die ganzen Stellenstreichungen und Studioschließungen machen nämlich Fachkräfte frei, mit denen die Newcomer konkurrieren müssen. Kein Studium ist so gut, dass es jahrelange Arbeitserfahrung ersetzt und es sind einfach nicht genug Stellen für alle da.
IT und BWL - die Zukunft des Gaming
Aber nicht alle machen sich so viele Gedanken. Elena Bauer hat sich auf Tech-Art spezialisiert: die Schnittstelle aus Design und Programmieren. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass die Beleuchtung in einem Level gut aussieht und animierte Designelemente wie etwa Fackeln das tun, was sie sollen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass für Programmierer eigentlich immer Stellen ausgeschrieben sind und vor allem im rein künstlerischen Bereich die Konkurrenz zunimmt.
Ähnliche Erfahrung macht auch Daniel Horne, Student an der Hochschule Fresenius. Dort integriert man Management-Kurse in die Videospielstudiengänge, um mit BWL aus reinen Entwicklern angehende Spieleproduzenten zu formen.
Daniel ist gerade mit seinem Bachelor fertig und hat eigentlich eine Werkstudentenstelle, kann jetzt nach seinem Abschluss aber nicht wie geplant übernommen werden. Die Firma bekommt einfach keine neuen Aufträge rein - da es für Daniel jetzt aber direkt ans Zurückzahlen seines Studentenkredits geht, will er nicht ewig auf einen Job warten und befürchtet, dass er sich außerhalb der Branche etwas suchen muss. Reine Programmierer, die auf einzelne Programmiersprachen spezialisiert sind, werden wohl immer noch gesucht - aber niemand, der kreative Arbeit machen möchte.
