Zeitreisen in Videospielen: Report über das virtuelle Springen durch die Zeit - Von Bullet Time bis Zukunfts-Ich

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Zeitreisen in Videospielen: Report über das virtuelle Springen durch die Zeit - Von Bullet Time bis Zukunfts-Ich
Quelle: Telltale Games

Fehler korrigieren, Ereignisse ungeschehen machen, die kommenden Lottozahlen kennen: Zeitreisen würden uns faszinierende Möglichkeiten eröffnen. Was in der Realität nicht geht, funktioniert in Spielen und anderen Medien schon lange wunderbar.

"Komm mit mir, wenn du leben willst", raunt Terminator Arnold Schwarzenegger einer sichtlich verdutzten Sarah Connor im Science-Fiction-Filmklassiker Terminator 2 - Tag der Abrechnung von 1991 zu. Die Killermaschine wurde mithilfe einer Zeitmaschine in die Vergangenheit geschickt, um Sarah und ihren zehnjährigen Sohn John zu beschützen. Denn ein anderer Terminator ist ebenfalls zurückgereist, um John, den zukünftigen Anführer des menschlichen Widerstands gegen die intelligenten Maschinen, zu ermorden und somit den Ablauf der Ereignisse zu ändern.

Zeitreisen haben schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt. Fehler ungeschehen machen, historische Ereignisse beobachten, geschichtliche Abläufe ändern, die Lottozahlen im Voraus kennen: Das Wissen von Morgen in der Vergangenheit zu nutzen, würde uns faszinierende Möglichkeiten eröffnen. Kein Wunder also, dass Zeitreisen das Sujet unzähliger Filme, Romane und auch Computer- und Videospiele sind. Tatsächlich sind Zeitreisen aufgrund des Phänomens der Zeitdilatation (von lat.: dilatare, dehnen, aufschieben) theoretisch möglich. Allerdings nur in die Zukunft: Fliegt ein Zwilling mit annähernder Lichtgeschwindigkeit zu einem fernen Stern und kehrt anschließend zur Erde zurück, so ist der zurückgebliebene Zwilling schneller gealtert als der reisende. Der Weltraum-Twin hat also eine Art Zeitsprung gemacht.

Aufgegriffen hat das Thema beispielsweise der Kultfilm Planet der Affen aus dem Jahr 1968, in dem vier Astronauten mit ihrem Raumschiff auf die Erde der Zukunft reisen und feststellen müssen, dass diese mittlerweile von intelligenten, sprechenden Affen beherrscht wird. Nicht immer werden Zeitreisen in den Populärmedien allerdings wissenschaftlich fundiert begründet; oftmals lassen Autoren und Skriptschreiber die Gesetze der Physik links liegen. Denn Zeitreisen sind vor allem eines: ein Vehikel für spannende Geschichten und fantastische Alternativszenarien.

Kleiner Retro-Exkurs: Die ersten virtuellen Zeitreisen

Spieleentwickler haben Zeitreisen schon in der Frühzeit des Mediums thematisiert. Eines der ersten Computerspiele mit entsprechender Thematik hat stolze 36 Jahre auf dem Buckel: 1980 veröffentlicht Krell Software Time Traveler für TRS-80, Apple II und Commodore PET. In dem Fantasy-Text-Adventure reist man mit einer Zeitmaschine in vergangene Geschichtsepochen und muss 14 magische Ringe sammeln, die sich jeweils in einer anderen Ära befinden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt zwei Jahre später Sierra-Legende Roberta Williams mit Time Zone (Apple II, Apple II+), präsentiert ihre Spielevision jedoch optisch deutlich aufwendiger: In dem Grafik-Adventure macht der Spieler einen Trip durch die Zeit, steuert dabei 1.500 Schauplätze an, löst Rätsel und trifft auf historische Pixel-Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, Kleopatra, Julius Cäsar oder Christoph Kolumbus.
Frühes Zeitreisen-Spiel: In Dino Eggs von 1983 muss 'Time Master Tim' Dino-Eier retten, damit die Rieseneidechsen nicht frühzeitig aussterben. Quelle: PC Games Frühes Zeitreisen-Spiel: In Dino Eggs von 1983 muss "Time Master Tim" Dino-Eier retten, damit die Rieseneidechsen nicht frühzeitig aussterben. Im Spielhallen-Shoot'em-Up Time Pilot, ebenfalls 1982 veröffentlicht, reist man hingegen als Pilot eines futuristischen Jets in fünf verschiedene Zeitperioden, um dort andere Flugzeugführer zu retten. Zum Schluss geht's sogar in die ferne Zukunft des Jahres 2001, wo man UFOs vom Himmel holt. Gegen Aliens kämpft man auch im 1983 veröffentlichten Time-Gate für den ZX Spectrum. Hier muss der Spieler durch verschiedene Zeittore reisen, Aliens wegpusten und schließlich ein Jahr vor einer Außerirdischen-Invasion eben diese verhindern.

Nicht sehr spannend: Im NES-Oldie Back to the Future aus dem Jahr 1989 sammelt man als Marty McFly Wecker ein. Quelle: PC Games Nicht sehr spannend: Im NES-Oldie Back to the Future aus dem Jahr 1989 sammelt man als Marty McFly Wecker ein. Wer jetzt glaubt, dass in antiken Zeitreise-Spielen der Namenszusatz "Time" obligatorisch war, der irrt. Einer der ganz frühen Titel zum Thema ist das 1983 veröffentlichte Dino Eggs (Apple II, C64, MS-DOS), in dem "Time Master Tim" in die Vergangenheit reist, Dinosaurier­eier sammelt und dabei Riesenspinnen, Schlangen und mies gelaunten Dino-Mamas aus dem Weg gehen muss.

Einen gehörigen Schub bekommt die Zeitreisethematik in Unterhaltungsmedien jedoch nicht durch ein Spiel, sondern durch einen Film verpasst. Die Rede ist natürlich von Zurück in die Zukunft (1985). In diesem landet der Schüler Marty McFly (Michael J. Fox) mit einem vom genialen Wissenschaftler Dr. Emmett L. Brown (Christopher Lloyd) zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean versehentlich in der Vergangenheit, ändert hier die Geschichte seiner Eltern, muss alles wieder ins Lot bringen, um seine eigene Existenz zu retten, und auch noch einen Weg vom Jahr 1955 zurück nach 1985 finden. In den beiden Nachfolgern Zurück in die Zukunft 2 (1989) und Zurück in die Zukunft 3 (1990) treibt US-Regisseur Robert Zemeckis das unterhaltsame Zeitreise-Verwirrspiel auf die Spitze. Marty McFly bekommt 1989 in Back to the Future sogar einen Videospielauftritt spendiert. Ein spielerisches Highlight ist der NES-Titel allerdings nicht: In dem uninspirierten Paperboy-Abklatsch sammelt der Spieler in der Rolle von Marty, nun ja, Wecker ein. Gähn...

In Day of the Tentacle, dem Nachfolger zu Maniac Mansion, rätseln wir uns durch die Zeit. Das Geniale: Wir operieren auf drei Zeitebenen - im 18. Jahrhundert, in der Gegenwart und in einer fernen Zukunft. Quelle: Games Aktuell In Day of the Tentacle, dem Nachfolger zu Maniac Mansion, rätseln wir uns durch die Zeit. Das Geniale: Wir operieren auf drei Zeitebenen - im 18. Jahrhundert, in der Gegenwart und in einer fernen Zukunft.

Zeitreisen als Story-Vehikel

Dieser kleine Ausflug in die Spielevergangenheit soll vorerst genügen. Widmen wir uns im Folgenden vor allem zwei Fragen: Was macht Zeitreisen eigentlich so attraktiv? Und wie setzen Spieleentwickler sie in ihren Werken ein?

Allen voran eröffnen Zeitreisen beim Erzählen einer Geschichte nahezu unbegrenzte Wege. Insbesondere in Science-Fiction-Szenarien - Star Trek lässt grüßen - ist das Thema äußerst beliebt. Auf diese Weise können längst verstorbene Charaktere in anderen Zeitlinien wiederbelebt oder verzwickte Lagen erzählerisch elegant gelöst werden. Was bei den alten Griechen im Theater der Deus ex machina (lat.: Gott aus einer/der [Theater-]Maschine) war, das ist heute das Zeitreisen. Während Marty McFly die Schwierigkeiten durch seine versehentliche Reise in die Vergangenheit auslöst, führt in einer Hauptquest des Bioware-Rollenspiels Dragon Age: Inquisition (2014) ein Abstecher in die Zukunft zu Problemen. Das plötzliche Verschwinden des Helden löst Ereignisse aus, die direkt in einer apokalyptischen Zukunft münden. Diese kann der Hauptprotagonist nur durch den Abschluss der Quest ändern - und natürlich erst dann in seine Gegenwart zurückkehren.

In Adventures wie Daedalics A New Beginning sind Zeitreisen ein beliebter Story-Aufhänger. Quelle: Mobygames In Adventures wie Daedalics A New Beginning sind Zeitreisen ein beliebter Story-Aufhänger. Sehr viele Games setzen in puncto Story auf Szenarien, in denen der Held in die Vergangenheit reist, um die korrekte Zeitlinie wiederherzustellen oder eine bessere Zukunft zu erschaffen. Er oder sie korrigiert die Vergangenheit für eine höhere Sache. Siehe das Daedalic-Adventure A New Beginning (2010): In einer nicht näher definierten Zukunft droht der durch Umweltkatastrophen gepeinigten Menschheit die Auslöschung aufgrund einer Sonnen­eruption. Die letzte Chance: Eine Gruppe Wissenschaftler reist in die Vergangenheit zurück, um den Klimawandel aufzuhalten. Als der erste Versuch schiefgeht und die Truppe in der bereits weitgehend zerstörten Welt des Jahres 2050 landet, liegt es letztendlich allein an Funkerin Fay, die Menschheit zu retten. Also jettet sie ins frühe 21. Jahrhundert, löst genretypische Objekträtsel und überzeugt einen Wissenschaftler namens Bo Svensson, ihr bei der Mammutaufgabe zu helfen.

Eine Nummer kleiner geht es in einem anderen Adventure zu, dem auf fünf Teile ausgelegten Back to the Future: The Game (2010/2011) von Episodenspiel-Spezialist Tell­tale Games. Hier muss Marty in die Vergangenheit jetten, um Doc Brown zu retten. Denn der wurde im Jahr 1931 vom Vater des Hauptantagonisten Biff Tannen ermordet. Was folgt, ist ein typisches Telltale-Abenteuer mit der gewohnt rudimentären Rätselmechanik. Dafür zeugen viele sehenswerte Zwischensequenzen, gut eingesetzte Filmmusik und flotte Dialoge vom Respekt vor der ikonischen Vorlage.

Irrwitzig: Im Sierra-Adventure Space Quest 4 landet Protagonist Roger Wilco im zukünftigen Serienteil Space Quest 10: Latex Babes of Estros. Quelle: PC Games Irrwitzig: Im Sierra-Adventure Space Quest 4 landet Protagonist Roger Wilco im zukünftigen Serienteil Space Quest 10: Latex Babes of Estros. Ein anderes Adventure darf im Zusammenhang mit Zeitreisen nicht unerwähnt bleiben: In Sierras Space Quest 4: Roger Wilco and the Time Rippers (1991) reist Protagonist Roger Wilco in frühere und spätere Serienteile, um seine Frau zu beschützen, damit sein ungeborener Sohn später in die Zeitlinie von Space Quest 4 aufbrechen kann, um Roger zu retten. Lustig: Während des Trips ins Ur-Space-Quest ändern sich Grafik und Ton entsprechend. Seine Ausflüge in die Zukunft führen Roger hingegen in den zehnten und den zwölften Serienteil. Kenner wissen natürlich, dass es bis heute "nur" sechs Spiele der humorvollen Sci-Fi-Parodie gibt.

Zeitreisen quer durch alle Genres

Zeitreisen begegnen uns in Spielen sehr oft, allerdings nicht nur im Adventure-Genre. Im Ego-Shooter Darkest of Days (2009) etwa reist die Hauptfigur gleich in mehrere Zeitepochen. Der Soldat Alexander Morris kämpft gerade unter General Custer einen aussichtslosen Kampf am Little Bighorn, als er plötzlich von einem Mann in einer futuristischen Rüstung gerettet und durch ein Portal geführt wird. Dort erfährt Morris, dass eine auf Zeitreisen spezialisierte Organisation die Geschichte schützt. Seitdem jedoch deren Gründer verschwunden ist, gibt es beunruhigende Veränderungen. Fortan ist es Morris' Aufgabe, durch die Zeit zu reisen und Schlüsselfiguren der Geschichte zu beschützen. Von den letzten Tagen Pompejis über die Schlacht bei Tannenberg bis in ein Kriegsgefangenenlager der Nationalsozialisten besucht ihr hier allerlei aus Geschichtsbüchern bekannte Schauplätze.

Was-wäre-wenn-Szenario dank Zeitreise: In Westwoods Echtzeitstrategie-Klassiker Command & Conquer: Alarmstufe Rot reist Albert Einstein reist in der Zeit zurück, um Hitler auszuschalten. Quelle: PC Games Hardware Was-wäre-wenn-Szenario dank Zeitreise: In Westwoods Echtzeitstrategie-Klassiker Command & Conquer: Alarmstufe Rot reist Albert Einstein reist in der Zeit zurück, um Hitler auszuschalten. Manchmal wollen sich solche historischen Größen auch gegenseitig an den Kragen gehen. Beispielsweise im Echtzeitstrategie-Meilenstein Command & Conquer - Alarmstufe Rot (1996): Im Jahr 1946 reist Albert Einstein in die Vergangenheit, um Adolf Hitler im Jahr 1924 auszulöschen und so den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Das Vorhaben gelingt; nach Einsteins Rückkehr hat es Nazi-Deutschland niemals gegeben. Die Zeitlinie hat sich allerdings nicht nur zum Positiven geändert: Die stalinistische Sowjetunion ist nahezu ungehindert zu einer Supermacht geworden. In einem alternativen Szenario der 1950er Jahre stehen sich die Alliierten (unter ihnen Deutschland) und die Sowjetunion in einem Krieg gegenüber. Später reisen übrigens auch noch die Sowjets in die Vergangenheit, töten Einstein und ändern die Geschichte, in dem sie den Aufstieg einer anderen Supermacht begünstigen: Japan. Wir lernen also: Gut gemeinte Korrekturen an der Zeitlinie können bisweilen gehörig nach hinten losgehen!

Mein böses Zukunfts-Ich

Einen interessanten Zeitreise-Twist wählt indes Entwickler Sucker Punch im PS3-Actionspiel Infamous (2009). Der mit Superkräften ausgestattete Held Cole MacGrath findet hier während seines Abenteuers heraus, dass Dr. Kessler, der Oberschurke des Spiels, sein zukünftiges Ich ist, das in der Zeit zurückgereist ist - was der arme MacGrath erstmal verkraften muss. Mit einer ähnlich erschütternden Wahrheit wird Held Booker DeWitt in Bioshock Infinite (2013) von 2K Games konfrontiert: Bösewicht Comstock ist sein älteres Ich. Um die ganze Sache aber noch etwas verzwickter zu machen, springt DeWitt in andere Zeitabschnitte und andere Dimensionen. Außer Serienschöpfer und Autor Ken Levine dürften weltweit wohl nur eine Handvoll Spieler die komplexe Story bis ins kleinste Detail durchschaut haben.

Booker DeWitt reist in BioShock Infinite nicht nur durch die Zeit, sondern auch in andere Dimensionen und lüftet dabei das Geheimnis um die mysteriöse Elizabeth. Quelle: PC Games Booker DeWitt reist in BioShock Infinite nicht nur durch die Zeit, sondern auch in andere Dimensionen und lüftet dabei das Geheimnis um die mysteriöse Elizabeth. Ein Sonderfall stellt hingegen die Assassin's Creed-Reihe (seit 2007) dar. Der Hauptprotagonist reist hier nicht durch die Zeit, sondern erlebt dank der Animus-Technologie die Erinnerungen einer Person aus einer vergangenen Epoche. Vereinfacht gesagt, begibt man sich dort auf die Suche nach Informationen und prähistorischen Artefakten. Die Menschheitsgeschichte wird mal eben auf einen ewigen Kampf zwischen zwei Geheimbünden reduziert. Das Positive: Kaum ein anderes Spiel bietet derart authentisch wirkende historische Schauplätze wie die Ubisoft-Serie, darunter Paris zur Zeit der Französischen Revolution in Assassin's Creed: Unity (2014) oder London während des Viktorianischen Zeitalters in Assassin's Creed: Syndicate (2015). Doch die Wahl der Entwickler für diese Art der Erzählung hat auch einen Nachteil. Mehrmals wird der Spieler aus der Illusion gerissen und in die spielerisch sowie inhaltlich eher nervigen Gegenwart-Passagen zurückversetzt.

Manipulation der Zeit als Gameplay-Element

Simpel, aber genial: Auf Knopfdruck können wir in Remedys Third-Person-Shooter Max Payne die Zeit um Anti-Held Max Payne herum verlangsamen. Hat da jemand Matrix gesagt? Quelle: Remedy Simpel, aber genial: Auf Knopfdruck können wir in Remedys Third-Person-Shooter Max Payne die Zeit um Anti-Held Max Payne herum verlangsamen. Hat da jemand Matrix gesagt?

In den frühen Spielen mit Zeitreisethematik wurde der Held meist lediglich aus Storygründen in die Vergangenheit oder die Zukunft geschickt. Was wäre aber, wenn wir selbst die Zeit manipulieren könnten? Eines der ersten und bemerkenswertesten Spiele in dieser Hinsicht ist der Third-Person-Shooter Max Payne (2001) des finnischen Entwicklers Remedy Entertainment. Der Ex-Cop auf Rachefeldzug verlangsamt im winterlich-apokalyptischen New York auf Knopfdruck die Zeit - ein klarer Vorteil im Kampf gegen Big Apples Unterwelt! Damit es der Spieler allerdings nicht zu einfach hat, ist Max' Fähigkeit nicht ständig einsetzbar. Stattdessen muss man diese durch Feindabschüsse wieder aufladen.

Dass das finnische Studio eine Vorliebe für Zeitmanipulation hat, beweist es 2003 nicht nur mit Max Payne 2: The Fall of Max Payne, sondern auch mit dem cineastischen Action-Adventure Quantum Break (2016). Darin nutzt Prota­gonist Jack Joyce seine besonderen Fähigkeiten, um die Zeit zu manipulieren und im Kampf gegen diverse Gegner einzusetzen. So kann er beispielsweise seine Feinde in einer Zeitblase einschließen oder sich durch die Zeit neben einen Gegner teleportieren und ihn im Nahkampf ausschalten. Außerhalb des Gefechts setzt Jack seine außergewöhnlichen Begabungen ebenfalls ein. Auf diese Weise entdeckt er Story-Objekte und spielrelevante Schauplätze. Im Ego-Shooter TimeShift von 2007 kann der namenlose Protagonist unter anderem die Zeit verlangsamen. Quelle: PC Games Im Ego-Shooter TimeShift von 2007 kann der namenlose Protagonist unter anderem die Zeit verlangsamen. Und erinnert ihr euch noch an den Ego-Shooter Timeshift von 2007? Auch darin kontrollieren wir die Zeit. Als namenloser Wissenschaftler springen wir dank eines speziellen Anzugs zurück ins Jahr 1939, um die originale Zeitlinie wiederherzustellen. Mithilfe der Suit kann der Protagonist die Zeit stoppen, verlangsamen oder sogar zurückspulen. Ein weiterer Shooter mit ähnlicher Mechanik ist Singularity (2010). Per ZMG (Zeitmanipulationsgerät) können wir hier Gegenstände und Objekte in der Zeit bewegen. Vor allem bei Gegnern erweist sich die Fähigkeit als äußerst praktisch - ein gefährlicher Widersacher mutiert so in Sekundenschnelle zum tattrigen Greis.

Auch wenn es für Microsoft seinerzeit nicht der erhoffte Mega-Hit war, das Xbox-Jump&Run Blinx: The Time Sweeper (2002) bietet unbestritten ziemlich clevere Gameplay-Mechanismen rund um Zeitmanipulation. Der TS-1000 Vacuum Cleaner des Katers Blinx verfügt über nahezu alle Funktionen, die man von einem Videorekorder kennt - nur, dass diese hier eben für die Zeitmanipulation eingesetzt werden. Blinx darf das Geschehen zurückspulen sowie die Stopp- oder die Zeitlupenfunktion aktivieren. Besonders cool: Mit dem Aufnahmeknopf können wir bis zu zehn Sekunden aufzeichnen. Beim Abspielen erhält Blinx dann tatkräftige Hilfe von seinem gefilmten Doppelgänger.

Codemasters hat mit Race Driver: Grid die nicht bei allen Spielern beliebte Rückspulfunktion in Rennspielen populär gemacht. Sie erlaubt es, Fahrfehler schnell zu korrigieren. Quelle: PC Games Codemasters hat mit Race Driver: Grid die nicht bei allen Spielern beliebte Rückspulfunktion in Rennspielen populär gemacht. Sie erlaubt es, Fahrfehler schnell zu korrigieren. Im Rennspiel-Genre ist Zeitmanipulation ebenfalls längst ein gern gesehenes Feature. Einer der ersten Racer, der dieses Feature nutzt, ist Full Auto (2006). In dem Sega-Spiel darf man im Modus "Unwreck" nach einem Fahrfehler die Zeit zurückspulen und es im zweiten Anlauf besser machen. Diese Art der Rückspulfunktion macht Codemasters in Race Driver: Grid (2008) gleich zum vollwertigen Gameplay-Element: Abhängig vom Schwierigkeitsgrad haben wir eine bestimmte Anzahl an Rückspulfunktionen. Bis zu zehn Sekunden kann man das Geschehen, etwa bei einem Unfall oder einem Fahrfehler, zurückdrehen. In aktuellen Rennspielen ist dieses Feature ebenfalls häufig anzutreffen, zum Beispiel in Forza Motorsport 6 (2015). Eine andere Art der Zeitmanipulation erleben wir ferner im PS3-Fun-Racer Little Big Planet Karting (2012): Fahren wir über ein bestimmtes Power-Up, wird unser Kart in die nahe Zukunft versetzt - dorthin, wo wir uns in einigen Sekunden befinden würden.

Wir rätseln uns durch die Zeit

Es ist sehr hilfreich, in Spielen wie Max Payne die Zeit zu verlangsamen und sich einen Vorteil zu verschaffen. Bisweilen ist die Zeitmanipulation in Spielen aber sogar zwingend notwendig, um Fortschritte und Erfolge zu erzielen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Adventure-Hit Day of the Tentacle (1993). In dem LucasArts-Werk rätseln wir mit den Hauptprotagonisten in drei verschiedenen Zeitebenen: Hoagie landet 200 Jahre in der Vergangenheit, Bernard befindet sich in der Gegenwart und Laverne verschlägt es 200 Jahre in die Zukunft. Das Spannende: Unsere Handlungen in der Vergangenheit haben Auswirkungen auf die zukünftigen Zeitebenen. Zudem können die drei Helden per Zeitreise Objekte miteinander tauschen.

Bernard schickt beispielsweise eine Zigarre in die Vergangenheit zu Hoagie, der diese George Washington überreicht. Das hat wiederum zur Folge, dass... Wird nicht verraten, schließlich dürfte es noch den einen oder anderen unter euch geben, der den Point&Click-Kracher in der hervorragenden Remastered-Fassung nachholen will, die Entwickler Double Fine im März 2016 veröffentlicht hat. Ihr wisst aber, worauf wir hinauswollen: Setzen Spieledesigner Zeitreisen geschickt ein, können enorm motivierende Rätselketten entstehen.

Knobeln müssen wir auch in Randal's Monday (2014). Allerdings nicht auf verschiedenen Zeit­ebenen - Randal erlebt jeden Tag immer wieder aufs Neue. Klingt nach dem Film Und täglich grüßt das Murmeltier von 1993 mit Bill Murray in der Hauptrolle? Richtig, Randal ist ebenso in einer Zeitschleife gefangen. Jedoch beginnt in dem Daedalic-Spiel nicht jeder Tag komplett neu - die Auswirkungen bereits gelöster Rätsel bleiben bestehen.

Shadow of Memories ist ein erstklassiges Zeitreisen-Adventure. Kann Protagonist Eike dank seiner Reisen durch die Zeit seinen Mörder enttarnen? Quelle: YouTube Shadow of Memories ist ein erstklassiges Zeitreisen-Adventure. Kann Protagonist Eike dank seiner Reisen durch die Zeit seinen Mörder enttarnen? Wo wir gerade schon so munter durch die Zeit reisen, springen wir ins Jahr 1998 zurück, um uns einem der großartigsten Action-Adventures aller Zeiten zu widmen: The Legend of Zelda - Ocarina of Time. Das Nintendo-64-Spiel geht spielerisch sehr interessant mit der Zeitreisethematik um. Während des Abenteuers spielen wir abwechselnd sowohl den jungen als auch den erwachsenen Link. Reizvoll daran: Beide verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten, Objekte und Waffen.

So kann beispielsweise nur der erwachsene Link einen Bogen benutzen. Der junge Link wiederum hat die Fähigkeit, durch enge Passagen zu gelangen. Nur durch geschicktes Ausnutzen beider Zeitebenen lassen sich die gestellten Aufgaben lösen. Im Nachfolger The Legend of Zelda - Majora's Mask (2000) spielt die Zeit eine ebenso entscheidende Rolle: Link bleiben nur 72 Stunden, um den Absturz eines Mondes zu verhindern. Da die Zeit allerdings nicht ausreicht, springt der Held immer wieder zurück an den Anfang der Geschichte - und ist danach um einige Erfahrungen reicher.

Komplex kommt der Puzzle-Plattformer Braid (2008) von US-Indie-Entwickler Jonathan Blow daher. Hauptfigur Tim - beziehungsweise der Spieler - kann die Zeit zurückspulen, um Hüpfpassagen erneut anzugehen. Das ist in mehreren Abschnitten immer wieder notwendig, da die Sprungeinlagen ziemlich knifflig sind. Frei nach dem Motto: Versuch und Irrtum dank Zeitmanipulation. Unabhängig davon seht ihr euch kontinuierlich Situationen ausgesetzt, in denen ihr als Tim die Zeit manipulieren müsst - zum Beispiel beim zeitversetzten Betätigen von Schaltern. Im Spielverlauf kommen weitere Gameplay-Mechaniken hinzu, etwa das lokale Anhalten der Zeit oder das Erzeugen einer Alternativrealität, die für die Lösung der Rätsel und Hüpfpassagen notwendig sind.

Der Prinz nutzt im Actionspiel Prince of Persia: Warrior Within Zeitportale, um die Levels in verschiedenen Zeitlinien zu besuchen. Quelle: PC Games Der Prinz nutzt im Actionspiel Prince of Persia: Warrior Within Zeitportale, um die Levels in verschiedenen Zeitlinien zu besuchen. Apropos Rätsel: Der französische Publisher Ubisoft setzt beim Action-Titel Prince of Persia - Warrior Within von 2004 ebenfalls auf Zeitmanipulation für seine Puzzles. Der namensgebende Prinz nutzt Zeitportale, um Levels in der Vergangenheit sowie der Gegenwart aufzusuchen und Wege, um Hindernisse zu finden. Oftmals führt ein Weg in einer Zeitperiode nicht direkt zum Ziel, stattdessen muss der agile Adelige zwischen den Zeiten hin und her wechseln. Im Vorgänger Prince of Persia: The Sands of Time kann man Zeit gar universell einsetzen: Per "Zurückspulen" macht ihr die letzten Sekunden ungeschehen, und eine Art Zeitlupenfunktion verlangsamt Fallen und Gegner, wobei der Prinz jedoch seine normale Geschwindigkeit beibehält.

Und auch im Japan-Abenteuer Shadow of Memories (2001) von Konami haben die Aktionen des Helden einen direkten Einfluss auf eine spätere Zeitebene. Im fiktiven deutschen Städtchen Lebensbaum erlebt Blondschopf Eike Kusch jeden Tag seinen Tod. Doch jedes Mal rettet ihn der mysteriöse Homunculus und gibt ihm eine neue Chance, sein Ableben zu verhindern sowie den Mörder und dessen Absichten zu enttarnen. Dazu reist Eike in vier verschiedene Epochen, sucht spielrelevante Objekte und führt Dialoge.

In andere Zeitepochen kann Maxine "Max" Caulfield, die Heldin des preisgekrönten Episoden-Adventures Life Is Strange (2015), zwar nicht springen, aber dennoch in begrenztem Umfang die Zeit beeinflussen. Dank ihrer besonderen Fähigkeit spult sie das Geschehen einige Momente zurück oder teleportiert sich in einen Raum, in dem sie sich noch kurz zuvor befunden hat. Auf diese Weise kann Max nachträglich Entscheidungen korrigieren und zuvor eingesammelte Objekte zur Lösung der Puzzles nutzen. Abseits der motivierenden Zeitreise-Mechanik wirft das französische Entwicklerstudio Dontnod Entertainment in Life Is Strange interessante Fragen auf, denn "Korrekturen" der Zeitlinie bedeuten nicht zwangsläufig "bessere" Konsequenzen. Ist eine Manipulation der Zeit also überhaupt erstrebenswert? Sind die Auswirkungen nach einer "Korrektur" in einer alternativen Zeitlinie vielleicht schlimmer?

Alle Entscheidungen im brillanten Adventure Life Is Strange haben positive und negative Konsequenzen, auch unsere 'Korrekturen'. Quelle: Square Enix Alle Entscheidungen im brillanten Adventure Life Is Strange haben positive und negative Konsequenzen, auch unsere "Korrekturen".

Zeitreisen als Segen für Entwickler und Spieler

Die bis hierhin aufgeführten Beispiele und verschiedenen Ansätze, wie Zeitreisen in Spiele integriert werden können, sollten ausreichen, um ihre Bedeutung für das Medium zu verdeutlichen. Fakt ist: Zeitreisen sind für Entwickler ein wichtiges und höchst effektives Mittel, um großartige Geschichten zu erzählen, spannende Gameplay-Elemente zu erdenken und packende Unterhaltung zu kreieren. Es ist davon auszugehen, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird - man darf gespannt sein, was sich Spielemacher noch so alles einfallen lassen werden. Sollte uns also irgendwann mal der Terminator ansprechen und uns bitten, mit ihm zu kommen, dann werden wir ihm auf jeden Fall die Hand reichen. Da draußen warten schließlich noch eine Menge spannender Games mit Zeitreisethematik auf uns.

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