Wie zocken eigentlich blinde Menschen? Barrierefreiheit in Videospielen
Special
In unserer großen dreiteiligen Reportage setzen wir uns mit dem Thema "Barrierefreiheit in Videospielen" auseinander. In Teil drei geht es darum, wie blinde Menschen spielen.
Welche Herausforderungen Audiogames an Entwickler stellen
Wolfgang Cossee entwickelte das Spiel im Rahmen seines Master-Studiums an der Universität Graz. Er erklärt, dass die größte Herausforderung darin bestand, alles wirklich hörbar zu machen. Also auch Dinge, die eigentlich keine Geräusche machen: "Zum Beispiel, wenn man in einer der ersten Szenen aus einem Raum herauskommen muss, muss man erst einmal wissen: Wo ist überhaupt die Tür? Ich habe mir überlegt, was vielleicht später hinter der Tür passiert, und dann entsprechende Geräusche dahinter platziert, damit der Spieler die Tür verorten kann."
Das Spiel startet mit einem Tutorial auf dem Jahrmarkt, bei dem man die Steuerung lernt. Man kann sich bewegen, Dinge aufnehmen und sogar schießen. Alles wird begleitet von Sprecherinnen und Sprechern, die Menüpunkte vorlesen, die Geschichte vorantreiben, und Sound-Effekten, die deutlich machen, was gerade passiert: Schritte, Schüsse und viel mehr. Das Spiel gibt es gratis auf der Website von Wolfgang.
Gaming ohne Grenzen: Die Zukunft des barrierefreien Spielens
Mehr Audiogames gibt es auf der Website von Gaming ohne Grenzen. Zusammen mit Jugendgruppen testet die Initiative regelmäßig Games bezüglich ihrer Barrieren und bewertet sie nach vier Kriterien: Hören, Verstehen, Sehen und Steuern.
Quelle: PC Games
Die Initiative vergibt für alle Spiele in den Kategorien Bewertungen zwischen null und fünf Sternen. So können Menschen sehen, ob sie ein Spiel spielen können, oder ob Barrieren wie fehlende Untertitel oder nicht abschaltbare Quick-Time-Events das Spielen unmöglich machen. Die Initiative hat 2024 den deutschen Computerspielpreis in der Kategorie Sonderpreis gewonnen.
Sven Radtke ist Teil des Teams und sagt, nicht nur die Technik oder das Gamedesign würden Probleme darstellen: "Auch die Repräsentanz von behinderten Menschen in Videospielen ist häufig ganz schön problematisch. Behinderungen müssen überwunden werden, in manchen Spielen wird ein Leben mit Behinderung als ein nicht lebenswertes Leben dargestellt." Er wünscht sich, dass Spieleentwickler Barrierefreiheit und Repräsentanz früher zum Thema machen und sich früher Unterstützung holen, wie sie eben zum Beispiel Gaming ohne Grenzen anbietet.
Quelle: Andreas Schneider
Gaming ohne Grenzen Award auf der Gamescom 2024
Und jetzt?
Barrierefreiheit im Gaming ist längst kein Nischenthema mehr. Spiele wie The Last of Us und Forza Motorsport setzen Maßstäbe, große Publisher wie Microsoft und Ubisoft haben sich zu mehr Barrierefreiheit verpflichtet, und auch auf der diesjährigen Gamescom war Barrierefreiheit ein wichtiges Thema. Aber es bleibt noch viel zu tun.
Initiativen wie Gaming ohne Grenzen machen Mut und weisen den Weg in eine Zukunft, in der wirklich alle Menschen Zugang zu den virtuellen Welten haben. In einer Welt, die immer stärker digitalisiert wird, ist es unerlässlich, dass Spieleentwickler und die Gaming-Industrie insgesamt Barrierefreiheit nicht nur als Option, sondern als Selbstverständlichkeit betrachten. Denn das Ziel muss klar sein: Gaming für alle - ohne Grenzen.
