LA-Noire-Nachfolger und Microsoft im Dreierpack

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LA-Noire-Nachfolger und Microsoft im Dreierpack
Quelle: Microsoft

Zu hohe Erwartungen, ein missglückter Pitch oder Zerwürfnisse mit dem Publisher - es gibt genügend Gründe, warum es ein vielversprechendes Videospielprojekt am Ende doch nicht auf den Markt schafft. Auch die aktuelle Konsolengeneration wurde um einige verheißungsvolle Titel gebracht, bei denen frühzeitig der Stecker gezogen wurde. Wir schauen uns im Special einmal zehn der herbsten Verluste etwas näher an.

Scalebound

Ein Drache als Best Buddy - Scalebound ist quasi Eragon als Videospiel. Quelle: Platinum Games/Microsoft Für Scalebound waren einige spannende Features geplant, unter anderem Upgrades für Protagonist Drew sowie euren KI-gesteuerten Begleiter Thuban.

Völlig abgedrehte Japano-Action - das ist das Markenzeichen von Platinum Games. Zu sehen war das zuletzt in Bayonetta, Nier: Automata oder dem 2019 erschienenen Astral Chain. Darin spielt ihr einen Polizisten der Zukunft, der mit Hilfe eines Monsters, das per Astralkette an euch gebunden ist, für Recht und Ordnung sorgt. Ein verrücktes Konzept, das allerdings nicht völlig neu ist. Denn bereits das 2014 angekündigte Scalebound schlug in eine ähnliche Kerbe.

In dem Action-Rollenspiel erkundet ihr mit Protagonist Drew die Welt Draconis, und werdet dabei von eurem Drachen Thuban begleitet, der durch ein magisches Band an euch gebunden ist. Sollte einer der beiden sterben, rafft es auch den anderen dahin. Zudem war auch geplant, auf eurem Begleiter reiten oder mit ihm in den Berserker-Modus wechseln zu können. Wir benutzen hier bewusst den Konjunktiv, denn aus Scalebound ist trotz toller Ideen offensichtlich nichts geworden. Obwohl das Konzept bereits seit Studiogründung im Jahr 2006 bei Platinum Games herumgeisterte, 2013 durch die Unterstützung von Microsoft die Entwicklung begann und auf der Gamescom 2015 sogar erstes Gameplay gezeigt wurde, schaffte es das RPG nie auf den Markt. Der für 2016 angepeilte Release wurde erst um ein Jahr verschoben. Im Januar 2017 folgte dann schließlich der endgültige Todesstoß seitens des Publishers.

Zwar befindet sich Platinum Games auch 2020 noch immer im Besitz der Markenrechte, ein Revival schlossen die Macher unlängst aber aus. Wie Studiochef Atsushi Inaba verriet, gibt es aktuell keine Pläne, dem Titel zu neuem Leben zu verhelfen. Vielleicht ja, weil die Japaner mit Bayonetta 3 und Babylon's Fall bereits genug ausgelastet sind.

Whore of the Orient

Der einzige Screenshot aus Whore of the Orient zeigt ein chinesisch angehauchtes Haus. Quelle: KMM Interactive Ein einziger Screenshot - mehr ist von Whore of the Orient nach fast fünf Jahren Entwicklungsarbeit nicht übrig geblieben. Die Hure des Orients - klingt im ersten Moment wie ein echt schlechter Pornofilm. Tatsächlich steckt hinter dem etwas fragwürdigen Namen aber ein durchaus interessantes Videospielprojekt von KMM Interactive Entertainment. Das Unternehmen verleibte sich im August 2011 das Entwicklerstudio Team Bondi ein, das im selben Jahr das Detektivabenteuer L.A. Noire veröffentlicht hatte. Mit dessen Knowhow wollte man sich an einen spirituellen Nachfolger setzen. Entsprechend sollte Whore of the Orient spielerisch wieder in eine ähnliche Richtung gehen, allerdings den Fernen Osten als Schauplatz einführen.

Als konkretes Setting war Shanghai im Jahre 1936 geplant, wo ihr gegen Bandenkriminalität und korrupte Politiker vorgehen solltet. Dabei wollten die Entwickler auch wieder die Face-Scan-Technologie aus LA. Noire zum Einsatz bringen. Bei der Umsetzung dieser Ideen stieß KMM jedoch auf einige Probleme. Ein Jahr nach dem Entwicklungsstart 2011 sprang mit Warner Bros der Publisher ab. Im April 2013 kamen dann erste Gerüchte auf, die Entwicklung sei vollends aufgegeben worden - was von offizieller Seite aber schnell verneint wurde. Erst nachdem dann weitere drei Jahre lang nichts mehr vom Spiel zu hören war, gestand Producer Derek Proud im Juni 2016 schließlich die Einstellung des Projekts. Damit blieb nach über fünf Jahren Arbeit an Whore of the Orient nicht mehr übrig als ein einziger Screenshot und ein geleakter Clip angeblichen Gameplay-Materials.

Legacy of Kain: Dead Sun

Adieu, Raziel! In Legacy of Kain: Dead Sun wärt ihr in die Haut des neuen Protagonisten Asher geschlüpft. Quelle: Square Enix Offizielles Material zu Legacy of Kain: Dead Sun gibt es nicht. Screenshots und Gameplay stammen von NeoGAF-User Mama Robotnik. Unter Adventure-Fans genießt die Legacy-of-Kain-Reihe noch heute Kultstatus. Besonders der zweite Teil Soul Reaver gilt als zeitloser Klassiker des Genres und wurde auf Metacritic mit einer 91er-Wertung sowie dem Must-Play-Award geadelt. Entsprechend schade ist es, dass die Serie seit 2003 keinen Zuwachs mehr bekommen hat - obwohl sie eigentlich sehr nahe dran war. Mit Legacy of Kain: Dead Sun befand sich bei den Climax Studios nämlich ein neues unangekündigtes Vampir-Abenteuer in Arbeit, das 2013 als Launch-Titel auf die PS4 kommen sollte.

Der Titel wurde 2012 nach kolportieren zwei bis drei Jahren Arbeit jedoch gecancelt. Und das obwohl das Casting sowie erste Motion-Capture-Aufnahmen wohl schon beendet worden waren. Publisher Square Enix hielt es für unwahrscheinlich, dass das Spiel die Verkaufserwartungen erfüllen würde und zog deshalb vorzeitig den Stecker. Dead Sun wäre danach auch schnell in der Versenkung verschwunden, wenn nicht später ein umfangreicher Leak mit Gameplay-Material sowie Concept Art ans Tageslicht gekommen wäre. Demnach sollte der sechste Legacy-of-Kain-Ableger wieder ein storybasiertes Action-Adventure werden - mit Open World, Dungeon Crawling, Puzzles und Bosskämpfen. Geschichtlich sollte es in eine ferne Zukunft gehen, wo euch die beiden Protagonisten Gein und Asher erwartet hätten. Square Enix bezog irgendwann notgedrungen Stellung und bestätigte die Existenz des Projekts, gab aber zu bedenken, es sei einfach nicht das richtige Spiel zur richtigen Zeit gewesen. Immerhin war die Arbeit an Dead Sun aber nicht vollends umsonst. Der geplante Multiplayer-Part des Titels wurde nämlich ausgekoppelt und erschien 2015 unter dem Namen Nosgoth als Free-to-Play-Standalone-Version.

Stormlands

Bevor Obsidian Entertainment The Outer Worlds herausbrachte, werkelte das Studio bereits an einem anderen Rollenspiel namens Stormlands. Quelle: Eurogamer.net Stormlands basierte auf Obsidians Dungeon-Siege-3-Engine. Entsprechend sehen die Screenshots, die Eurogamer zugespielt wurden, etwas altbacken aus. Obsidian Entertainment und Microsoft - das passt. Im November 2018 gab der Xbox-Konzern bekannt, dass er die Rollenspielschmiede, bekannt für Fallout: New Vegas oder Pillars of Eternity, übernehmen würde. 2019 folgten die ersten Früchte der Kooperation: das Sci-Fi-RPG The Outer Worlds. Doch bereits vorher hatten beide Parteien miteinander zu tun - wenn auch nicht mit ganz so erfolgreichem Ausgang. 2011 arbeitete Obsidian nämlich an einem Xbox-One-exklusiven Spiel mit dem Namen Stormlands, das aber leider nie das Licht der Welt erblickte.

Das ist besonders bedauerlich angesichts des Konzepts des Third-Person-Open-World-Abenteuers - das sich als ein Mix aus Destiny 2 und The Witcher 3 beschreiben lässt. Zentrales Spielelement sollten die von Studiochef Feargus Urquhart "Million-Man-Raids" genannten Ingame-Events werden. Wärt ihr in der Welt von Stormlands einem Monster begegnet, so hätten automatisch dutzende Spieler dem Kampf beitreten können, um das Ungeheuer gemeinsam zu erlegen. Obendrauf waren natürlich noch genretypische Spielelemente wie ein actionlastiges Kampfsystem und voll-vertonte Dialoge mit zahlreichen Antwortoptionen geplant.

Laut eigenen Aussagen, war Stormlands der größte Vertrag, den Obsidian jemals unterzeichnet hatte. Entsprechend hoch waren aber auch die Erwartungen. Als Microsoft 2012 feststellte, dass diese wohl nicht erfüllt werden könnten, zog man frühzeitig die Notbremse. Die Entwicklung wurde abgebrochen, wodurch Obsidian zwischen 20 und 30 Mitarbeitern entlassen musste. Entmutigen ließen sich dich Macher davon aber nicht. Stattdessen wurde Stormlands komplett umgebaut und stellte letztendlich das Grundgerüst für Tyranny dar, das 2016 bei Paradox Interactive erschien.

Phantom Dust

Eine Frau mit violetter Aura - was das über die mögliche spielerische Ausrichtung von Phantom Dust verrät, kann nur spekuliert werden. Quelle: Microsoft Gameplay zum Phantom-Dust-Reboot gibt es nicht, nur einen Cinematic-Trailer von der E3 2014.  Erinnert ihr euch noch an das 2004 erschienene Phantom Dust? Nein? Kein Wunder, finanziell war der Titel nämlich eher ein Flop und verkaufte im ersten Monat nicht einmal 60.000 Einheiten. Die Grundidee des Xbox-Spiels war aber gar nicht so schlecht: Der Titel vermischte Elemente aus Third-Person-Shooter sowie Trading-Card-Game und versetzte das Ganze in eine düstere dystopische Zukunft. Alles in allem: ziemlich einzigartig für seine Zeit. Entsprechend kamen Anfang der 2010er Jahre Gespräche innerhalb Microsofts auf, dem Spiel ein Reboot zu spendieren. Nach längerer Suche wurden 2014 schließlich die bis dato eher unbekannten Darkside Game Studios mit der Aufgabe betreut und begannen alsbald mit der Entwicklung einer Multiplayer-Version von Phantom Dust. Die sollte die wachsende E-Sport-Szene und einen Release im August 2015 anvisieren.

Für Darkside, das zuvor nur bei der Entwicklung von Sunset Overdrive assistiert hatte, entpuppte sich der erste große Deal jedoch als Albtraum: Kurz nach Produktionsbeginn verlangte Microsoft zusätzlich noch die Ausarbeitung einer Kampagne. Eine verfrühte Ankündigung auf der E3 2014 sorgte für weiteren Druck. Und zusätzliches Budget wurde trotz positiven Feedbacks abgelehnt. So folgte im Februar 2015 das Unvermeidliche: Das Spiel wurde auf Eis gelegt, nachdem 2 der bewilligten 5 Millionen Dollar bereits ausgegeben wurden: für Darkside das Todesurteil. Nicht jedoch für die Marke Phantom Dust selbst. 2017 erschien ein Remaster des Originals. Zudem wird Xbox-Chef Phil Spencer nicht müde zu betonen, dass weiterhin Interesse an einem neuen Teil besteht.

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