Spielestandort Deutschland am Abgrund? Die Zukunft von Daedalic und Co
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Daedalic macht seine Entwicklungsabteilung dicht. Mimimi Games schließt komplett. InnoGames baut Stellen ab. Immer mehr Menschen in Deutschland spielen Computer- und Videospiele - aber als Entwicklerstandort ist Deutschland dennoch ein Entwicklungsland.
Ein von Journalist und Podcaster Dominik Schott bei dessen Projekt OK Cool veröffentlichter Artikel unterstreicht diese im Jahr 2023 auftretende Problematik. Als Gründe führt er unter anderem den Krieg in Europa, geleerte Fördertöpfe und auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie an. Auch steigende Kosten für Technologien wie Grafik-Engines werden gerade bei kleinen Produktionen zum Problem. Nicht umsonst zog die Ankündigung eines neuen Lizenzmodells der Unity Engine eine Welle der Entrüstung und der Verzweiflung nach sich. Infolgedessen nahm Unity auch Anpassungen vor, die die Wogen - für den Moment - glätteten. Ob es in Zukunft noch einmal zu Änderungen kommt, ist derzeit unklar. Fest steht aber, dass auch Unity finanziell unter Druck steht: Noch im Mai 2023 entließ das Unternehmen 600 Mitarbeitende und kündigte an, die Anzahl der weltweiten Büros in den nächsten Jahren von 58 auf 30 zu reduzieren.
Gegenüber OK Cool bestätigte Jörg Friedrich, Mitbegründer des Berliner Entwicklers Paintbucket Games (Through the Darkest of Times, Beholder 3), die vorherrschende Situation: "Das ist alles super scary. Wir merken all das auch und suchen zum Beispiel schon seit Ewigkeiten nach einem Publisher für The Darkest Files - es wird alles immer schwieriger. Es gibt kein billiges Geld mehr, dafür umso mehr Flops und Publisher sind sehr vorsichtig geworden."
Fachkräftemangel auch in der Spieleproduktion
Doch nicht nur die finanziellen Aspekte machen Schwierigkeiten. Für die Entwicklung von Computer- und Videospielen benötigt man hochqualifiziertes Personal mit einem besonderen Know-how in Bereichen wie Gamification oder auch Marketing.
Quelle: Crytek
Hunt: Showdown
Diese werden laut Alex Ziska auch zunehmend in Non-Gaming-Bereichen relevant. Ziska verweist an dieser Stelle auf die wachsende Bedeutung "digitaler Zwillinge". Dabei handelt es sich um ein virtuelles Abbild eines Objekts oder Systems aus der realen Welt. So kann es sich etwa bestimmte Abläufe handeln, aber auch um ganze Anlagen oder Fabriken.
Digitale Zwillinge kommen auch beim Simulieren bestimmter Prozesse zum Einsatz. "Wenn innerhalb der nächsten zehn Jahren dann auch Konzerne wie etwa Henkel oder Bayer auf dem Markt für Games-Arbeitskräfte mitmischen und Spieleentwickler einstellen, damit man sich um die digitalen Zwillinge kümmert, die auf Spieletechnologie aufsetzen - dabei dann aber auch Henkel- oder Bayer-Gehälter zahlt, statt Games-Branchen-Gehälter ... dann wird das echt ein spannend zu beobachtender Kampf um die besten Arbeitskräfte", führt Ziska diese Problematik aus.
Laut einer Mitgliederberfragung des Branchenverbands game kam rund jeder fünfte Mitarbeitende bei Entwicklungsstudios oder Publishern von außerhalb der EU. Allerdings ist die Einstellung ausländischer Fachkräfte mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden. Firmen, die bislang noch keine Fachkräfte aus Drittstaaten eingestellt haben, kritisieren unter anderem die hohen Kosten und auch die komplizierten Abläufe.
"Insgesamt bemängeln die Unternehmen die vielen bürokratischen Hürden bei der Einstellung von Fachkräften aus Drittstaaten. Hierzu gehören unter anderem die fehlende Anerkennung von Ausbildungszeugnissen, die lange Bearbeitungsdauer von Anträgen, feststehende Gehaltsuntergrenzen sowie die zu geringe Hilfe von Ämtern", heißt es in dem Bericht.
Fest steht: Der Entwicklerstandort Deutschland hat mindestens ebenso viel Nachholbedarf wie Potenzial. An passionierten Menschen haperte es hierzulande beileibe nicht: Alex Ziska hebt beispielsweise die Frankfurterin Eva-Ramona Rohleder hervor, die in Eigenregie das Adventure A Twisted Tale entwickelt.
Außerdem unterstreicht er die Zukunft des Studios Gamma Minus, das er als den nächsten großen Durchstarter mit dem richtigen Mindset ansieht.
Allerdings muss sich für eine positive Entwicklung auch einiges ändern - sowohl in Sachen Bürokratie als auch bei der Gamesförderung. Da sich die hiesigen Probleme aber teils auch weltweit wiederfinden, wird wohl auch die deutsche Spieleindustrie zunächst noch durch ein Tal wandern muss, ehe es dann (hoffentlich) wieder aufwärts geht.
