Spielestandort Deutschland am Abgrund? Die Zukunft von Daedalic und Co

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Spielestandort Deutschland am Abgrund? Die Zukunft von Daedalic und Co
Quelle: Daedalic Entertainment

Daedalic macht seine Entwicklungsabteilung dicht. Mimimi Games schließt komplett. InnoGames baut Stellen ab. Immer mehr Menschen in Deutschland spielen Computer- und Videospiele - aber als Entwicklerstandort ist Deutschland dennoch ein Entwicklungsland.

"Es gibt sehr wenige Studios in Deutschland, die Spiele in dieser Kategorie herausbringen können. (...) Wir nennen es die AA-Spiele-Kategorie. Da haben wir wenig Budget, mit dem müssen wir so viel leisten, damit die Spieler sagen: Das ist so toll wie ein richtig, richtig großes Spiel. Also wie die sogenannten Triple-A-Spiele, die aus anderen Ländern kommen. Diese gibt es hier in Deutschland so gut wie gar nicht. Die haben das zehn-, 20- oder 30-fache Budget, von dem, was wir haben. Sich mit diesen Spielen zu vergleichen, das ist toll und mutig, aber es ist noch ein Riesenschritt, der da gemacht werden muss", erklärte Jan Klose, Geschäftsführer des Frankfurter Spieleentwicklers Deck13 Interactive, im Rahmen der Eröffnung der Gamescom 2023.

Deck13 wurde 2020 für 7,1 Millionen Euro vom französischen Publisher Focus Home Interactive gekauft. Dadurch besitzt das Studio gegenüber kleineren Teams eine finanzielle Sicherheit. Darüber hinaus konnte Deck13 zuletzt mit Titeln wie The Surge 2 und Atlas Fallen (trotz Startproblemen) Achtungserfolge erzielen, die auch international Anerkennung fanden.

Klose betont aber auch, dass die Finanzierung immer wieder aufs Neue ein schwieriger Prozess sei. "Da hat uns die Bundesförderung hervorragend geholfen. Wir haben darüber ein Viertel gefördert bekommen, und drei Viertel sind dann vom Publisher gekommen." Nur auf diese Weise konnte man Projekte in dieser Größenordnung stemmen.

Klose unterstreicht zudem, dass das Thema "Verlässlichkeit" bei der Gamesförderung entscheidend ist. Schließlich muss man als Unternehmen auch langfristig planen und nicht nur von einem Jahr zum nächsten.

Shadow Tactics: Blades of the Shogun Quelle: Mimimi Games Shadow Tactics: Blades of the Shogun Ferner bemängelt er die Summe der zur Verfügung stehenden Fördergelder und stellt sie in Relation mit den großen Blockbuster-Produktionen, die zwischen 200 und 500 Millionen Euro verschlingen würden.

Zum Vergleich: Mimimi Games erhielt für die Produktion ihres letzten Spiels Shadow Gambit 2,03 Millionen Euro. Deck13 selbst bekam für die Atlas-Fallen-Erweiterung The Wielder of Gods rund 1,1 Millionen Euro und für das bislang noch unangekündigte Spiel mit dem Projektnamen Foxtrott bis November 2026 rund fünf Millionen Euro Förderung.

Im September 2023 ergatterte Ubisoft den Zuschlag für die Förderung eines bislang noch nicht angekündigten Titels mit einem "bewährten und populären Spielprinzip". Dieser Vertrauensvorschuss ist immerhin 5,7 Millionen Euro wert.

"Unser Land in einfach hintendran"

Alex Ziska, Dozent für Games-Business und Generalsekretär der Interessenvertretung Gamesdevs.NRW, hat zu dem aktuellen Konzept der Gamesförderung in Deutschland eine klare Meinung:

"Momentan ein regelrechtes Minenfeld. Die bisherige Bundesförderung sollte man eher als Demoversion betrachten, statt als fertigen Release. Man sieht hier nämlich ganz grundlegend das Problem, dass eine Frage nach wie vor ungeklärt ist: Wer verdient eigentlich eine Förderung?"

Seiner Ansicht nach sollte es vor allem das Ziel sein, Konzepte und Spiele zu fördern, die auch international erfolgreich sein können. "Spiele sind ein weltweites Business. Warum will man sich auf den deutschen Markt beschränken? Gefördert werden dann Ponyhof-Simulationen - damit hat man aber in Amerika, China, Japan oder Südkorea keinen Erfolg", führt er seine Argumentation weiter aus.

Atlas Fallen Quelle: Deck 13 Atlas Fallen Er sieht das Aus von Mimimi Games und Daedalic Entertainment eher als national und weniger als international aufgenommenes Problem. "Unser Land ist einfach hintendran. Gerne wird darauf verwiesen, dass es nur mit der Förderung besser würde. Tatsächlich denke ich aber, dass es in Deutschland symptomatisch ist, sich vorwiegend mit sich selbst zu beschäftigen." Er kritisiert beispielsweise, dass zu viele deutsche Entwickler zu wenig an den internationalen und zu stark an den nationalen Markt denken.

"Dadurch entstehen zu wenige Spiele mit Potenzial auf einem amerikanischen, chinesischen oder japanischen Markt erfolgreich zu sein. Hier fehlt einfach Wissen und Verständnis über die internationalen Märkte."

Ziska bemängelt, dass es obendrein auch Studios gibt, die ihre Produkte zu stark für sich selbst entwickeln und konzeptionieren. Idealerweise sollten Entwickler ein Produkt auf die Beine stellen, an deren Entstehung das Team Spaß hat, aber das auch darauf ausgelegt ist, sich weltweit gut zu verkaufen.

Schwierige Geldsuche

Ein weiterer, auch im Statement von Mimimi Games aufgebrachter Punkt, ist die immer schwieriger werdende Suche nach Investoren und/oder Publishern. Deck13 genießt, wie bereits eingangs erwähnt, den Vorteil, dass man mit Focus Home Entertainment einen solventen Publisher im Hintergrund hat. Andere Entwicklerstudios müssen "auf die Jagd" gehen und Sponsoren oder Publisher finden.

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