Bitte ein Bit:Als Einser und Nullen einen Konsolenkrieg entschieden, Seite 2
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Früher waren Bits bei Konsolen deutlich wichtiger als heute. Doch warum und was sind Bits eigentlich genau? Diese Fragen klären wir in diesem Special.
Irgendwann wurde die Qualität einer Konsole nur noch daran gemessen, ohne alles andere zu berücksichtigen, was zu einem spaßigen Unterhaltungsmedium gehört. Und das, obwohl die meisten wahrscheinlich nicht mal wussten, was Bits überhaupt sind.
Der Atari Jaguar wurde sogar fast ausschließlich damit beworben, die erste 64-Bit-Konsole zu sein. Lustigerweise war das allerdings nicht mal faktisch korrekt, da er nur einen 32-Bit-Hauptprozessor und einen 32-Bit-Co-Prozessor verbaut hatte.
Trotz der scheinbar höheren Anzahl sahen die Spiele zudem oft schlechter aus als auf Konsolen mit weniger Bits. Das führte mit der Zeit dazu, dass die Spieler erkannten, dass bei einer guten Konsole weit mehr zählt als die bloße Prozessorleistung, und der Streit um die Bits fand langsam, aber sicher ein Ende.
Während früher also die Existenzberechtigung einer Konsole von der Anzahl ihrer Bits abhing, sind sie mittlerweile fast kaum noch relevant. Es gibt nun andere Kriterien, die bei neuer Hardware von Bedeutung sind.
In diesem Artikel
4. Wie relevant sind Bits heute noch?
Quelle: Sega
Die Zahl der Bits war in frühen Zeiten die wichtigste Werbekategorie.
Am wichtigsten ist es, wie stark die Hardware generell ist und welche grafische Leistung dank ihr möglich ist. Schließlich werben immer mehr Konsolen mit ihren 4K- oder gar 8K-Grafikchips, die die Spiele so realistisch wie möglich aussehen lassen sollen.
Auch die Entwicklung der Spiele-Engines geht immer weiter voran. Vor kurzem wurde mit The Matrix Awakens bereits die erste spielbare Demo der Unreal Engine 5 veröffentlicht, welche die grafischen Qualitäten neuer Games auf ein fast fotorealistisches Level heben könnte.
Doch was ist nun mit den Bits? 1996 ist mit dem Nintendo 64 die erste richtige 64-Bit-Konsole erschienen, damals noch ein dermaßen relevanter Faktor, dass sogar die Konsole danach benannt wurde. Wie weit hat sich das bis zu den Next-Gen-Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X gesteigert? Besitzen diese bereits 100-, wenn nicht sogar 1000-Bit-Prozessoren?
Quelle: Xbox I Microsoft
Auch die Next-Gen-Konsolen setzen bei der Anzahl der Bits keine neuen Maßstäbe.
Die Antwort dürfte hier viele enttäuschen, denn die Anzahl der Bits bei den aktuellen Konsolen ist ... Trommelwirbel ... 64! Ja, an der Anzahl hat sich seit damals nichts geändert.
Moment mal, mag nun manch einer einwerfen. Wurden nicht die Konsolen der PS2-Ära damals als 128-Bit-Technologie beworben, wenn auch der Fokus deutlich weniger auf dieser Zahl lag, als es bei den vorhergegangenen Hardware-Generationen der Fall gewesen war? Ja, richtig erinnert. Aber auch hier handelte es sich, ähnlich wie beim Atari Jaguar, nur um Trickserei mit mehreren kleineren Prozessoren. Verbaut waren also ein 64-Bit-Prozessor und dann noch einmal zwei 32-Bit-Nebenprozessoren.
Bit-mäßig stehen die alten Konsolen ihren Next-Gen-Nachfolgern also in Wahrheit in nichts nach. Schauen wir uns nochmal die Rechnung vom Anfang an, merken wir aber schnell, warum das so ist.
Wie erwähnt, steigt die Anzahl der verschiedenen Binärmöglichkeiten mit der Anzahl der Bits. Bei 8 Bits sind es wie bereits gesagt 256. Spinnt man das Ganze nun weiter, sieht man, dass es bereits bei einem 32-Bit-Prozessor über vier Milliarden verschiedene Möglichkeiten gibt.
Und bei einem 64-Bit-Prozessor sind es sage und schreibe mehr als 18 Trillionen. Für die, die es genau wissen wollen, hier die exakte Zahl ausgeschrieben: 18446744070000000000.
Bei dieser riesigen Anzahl wären mehr Bits schlicht und ergreifend unnötig. Da stecken die Entwickler ihre Arbeit lieber in die Verbesserung anderer Bereiche, als nur noch leistungsstärkere Prozessoren zu entwickeln, welche keinen wirklichen Mehrwert bieten.
Man sieht also, zu den Konsolen-Frühzeiten war die Anzahl der Bits noch deutlich relevanter als heute. Doch die Videospielindustrie entwickelt sich wie fast alles ständig weiter und frühere Besonderheiten sind mittlerweile Standard.
Das ist auch ganz gut so, denn schließlich wären wir heutzutage technisch längst nicht da, wo wir heute sind, wenn wir immer nur um die Anzahl der Bits in einem Prozessor herumgedümpelt wären.
In welchem Bereich es den nächsten Konsolenkrieg geben wird, ist nur eine Frage der Zeit. Aber wenn er da ist, sollten wir ihn nicht verteufeln, denn schließlich trägt jeder von ihnen zur Weiterentwicklung unserer geliebten Videospiele bei.
