Die Angst stirbt NIE - Teil 3

Special Michael Förtsch
Horror-Exkurs: Outlast orientiert sich stilistisch stark an Found-Footage-Streifen wie Rec, The Tunnel oder auch Blair Witch Project. Der Blick durch die Kamera engt das Sichtfeld ein und verstärkt so das Gefühl der Unterlegenheit.
Quelle: Red Barrels

Horror-Spiele erlebten in den vergangenen Monaten ein regelrechtes Revival. In diesem Special gehen wir dem Trend auf den Grund und beleuchten die Gründe für das gruselige Comeback.

Die kommenden Horror-Perlen

Klein, aber dennoch fein: Diese Indie-Horrorspiele erwarten uns in naher Zukunft. Die aktuelle Flut an Horrorspielen von Indie-Entwicklern konzentriert sich vor allem auf den PC. Grund hierfür: Die Projekte lassen sich schnell, unkompliziert und auch in unfertigen Vorab-Fassungen über Download-Services wie Steam oder auch die eigene Website veröffentlichen. Doch schaffen es erfolgreiche Indie-Games dann auch oft recht schnell auf Konsole veröffentlicht zu werden, siehe Outlast. Daher stellen wir euch einige der aussichtsreichsten Horror-Projekte vor.

Routine

Eine Mondbasis ohne jedes Zeichen von menschlichem Leben - das ist der Ausgangspunkt von Routine, das sich große Action, Explosionen und Inszenierung spart. Euer Ziel: als ankommender Astronaut herauszufinden, was auf der lunaren Kolonie passiert ist. Wo sind all die Menschen hin? Wer ist dafür verantwortlich? Die Handlung soll sich dabei nahezu komplett durch die aus First-Person-Sicht erkundeten Kulissen im 60er- und 70er-Jahre-Sci-Fi-Look, an Computern lesbaren E-Mails und Audiologbücher erschließen. Kämpfe? Wird es geben. Aber, so versprechen die Macher, Flucht und Verstecken sind stets die bessere Alternative. Denn wer stirbt, beginnt von vorne.
Routine Quelle: PC Games Routine

Draugen

Mystery, Horror oder Horror-Mystery? Bei Draugen ist noch nicht ganz klar, was die Schöpfer der Kult-Adventure-Reihe The Longest Journey hier zusammenbrauen. Eine Art Amnesia trifft Gone Home träfe es jedoch wohl ganz gut. In aller Ruhe und von bedeutungsschwerer Atmosphäre umwoben, soll der Spieler hier norwegische Fjorde und Berge durchwandern, wobei er mit der düsteren Mythenwelt Skandinaviens konfrontiert wird. Wie der Designer Ragnar Tørnquist schon verriet, spiele das Ganze in den 1920er-Jahren und sei vor allem durch die düsteren Geschichten H.P. Lovecrafts und natürlich die Sagen und Legenden seiner eigenen Kindheit inspiriert. Draugen Quelle: PC Games Draugen

Caffeine

Die Parallelen zwischen Routine und Caffeine sind schwer zu übersehen. Wo Routine auf einer verlassenen Mondbasis ansetzt, da wirft Caffeine den Spieler in ein verlassenes Bergbau-Raumschiff im All. Jedoch übernimmt der Spieler hier einen Jungen, der sich verwirrt durch die Gänge und Extraktionsanlagen des Raumers schlägt, um herauszufinden, was passiert ist und wieso eigentlich. Puzzles, Verwirrung und psychologischer Horror sollen eine große Rolle spielen. Und, wie die Macher meinen, käme auch der Titel Caffeine - also Koffein - nicht von ungefähr. Heißt: Schlafmangel, Tagträume, Halluzinationen sind zu erwarten.
Caffeine Quelle: PC Games Caffeine

Quadrant

Der Held von Quadrant ist eine Putzkraft. Okay, eigentlich ein Experte zur Beseitigung von chemischen und biologischen Giftstoffen, denn genau solches soll im Jahre 1979 in einem Forschungslabor der NASA ausgetreten sein, nachdem dort Proben einer Mond-Mission untersucht wurden. Doch ganz wahr ist das offensichtlich nicht. Denn dass einfache Giftstoffe mit Krallen und Zähnen Menschen zerfetzen und Labors verwüsten, das wäre ziemlich neu. Jäger und Gejagter heißt es also. Die Entwickler vom Studio HK Fifty One wollen jedoch auch eine starke Story erzählen und versprechen dabei, dass Entscheidungen des Spielers diese in verschiedene Richtungen lenken werden.
Quadrant Quelle: PC Games Quadrant

Die Gescheiterten Meister des Horrors

Nicht immer bürgt ein guter Horror-Filmer auch für ein gutes Videospiel. Wer auf Kinoleinwänden für Angst und Schrecken sorgt, der sollte das doch auch in Videospielen hinbekommen, oder? Doch beweisen konnten das die Horror-Regisseure bisher nicht. Immer wieder scheiterten aussichtsreiche Projekte aus einer Zusammenarbeit zwischen Zelluloid- und Bit-und-Byte-Welt.

Schon lange bevor etwa Steven Spielberg oder Jerry Bruckheimer Videospiele als Zukunft der Unterhaltung entdeckten, war Wes Craven darauf aufmerksam geworden, das Genie hinter Kultklassikern wie A Nightmare on Elm Street und Scream. Gemeinsam mit dem 1997 geschlossenen Studio Cyberdreams, das seinerzeit mit bizarren Adventures wie Dark Seed für Aufmerksamkeit sorgte, wollte Craven ein 3D-Abenteuer namens Wes Craven's Principles of Fear entwickeln. Der Name des für Oktober 1997 angekündigten Spiels sollte Programm sein. Im Stile eines frühen Survival-Horror-Abenteuers wie Alone in the Dark würde derSpieler hier den, laut Wes Craven, sieben innersten Ängsten des Menschen begegnen. Dies sollten die Angst vor bösen Eltern, vor einem Jäger, vor der Unbeweglichkeit, vor einem tiefen Fall, vor dem Ertrinken, vor dem Verlust des eigenen Ichs und vor Chaos sein. Manifestieren sollten sich diese Ängste in einem verriegelten Haus, in dem der Held namens Ward gegen ein fieses Monster kämpfen, lähmenden Spinnennetzen ausweichen und bizarre Halluzinationen überstehen sollte. In Letzteren hätte er menschliche Gedärme durchquert oder sich seinen eigenen Arm abgetrennt, um nicht getötet zu werden. Die Ideen und das Konzept polarisierten. Doch führten finanzielle Schwierigkeiten bei Cyberdreams zum Aus des Games.

Am meisten hat sich aber wohl Guillermo del Toro, Regisseur von Pans Labyrinth und Pacific Rim, bemüht, sich in die Welt der Videospiele einzubringen. So hat er schon 2006 angekündigt, mit dem Studio Terminal Reality an einem Zombie-Game namens Sundown zu werkeln, das den Spieler vom Anfang einer Zombie-Epidemie bis zu seinem eigenen Ende mitnimmt. Sonderlich weit kam die Entwicklung jedoch nicht. Angeblich wurde das Projekt zugunsten eines anderen und möglicherweise gewinnbringenderen Titels eingestellt. Im Jahr 2010 kündigte der Pleite-Publisher THQ dann vollmundig an, mit Guillermo del Toro an einer Survival-Horror-Trilogie zu arbeiten: Insane. Die vom Cthulhu-Mythos inspirierte Reihe, versprach del Toro, sollte den Spieler an einen bizarren Ort entführen, ihn schockieren, ängstigen und ihm einzigartige Entscheidungen abverlangen. Die Finanzprobleme THQs führten aber zum Stopp der Unternehmung. Del Toro konnte sich die Rechte an Insane sichern und versprach mehrfach, das Projekt selbst weiterzuführen. Angeblich habe er ein hierfür passendes Studio gefunden. Seitdem herrscht jedoch Stille.

Bildergalerie

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