Jahrelang kaum beachtet, sind Rundenstrategiespiele wieder in aller Munde. Eine Bestandsaufnahme. Wir schauen auf Rundenstrategie früher und heute. Außerdem sprechen wir mit Jan Theysen von King Art über Battle Worlds: Kronos.
Rundenstrategiespiele früher und heute - ein Vergleich
Wie haben sich Rundenstrategiespiele in den letzten 20 Jahren entwickelt? Wir wagen den Vergleich anhand von X-COM.
Quelle: PC Games
Ufo: Enemy Unknown (1994)
Dass sich Rundenstrategiespiele von heute grafisch deutlich von ihren Vorgängern aus den zum Beispiel 1990er-Jahren unterscheiden, ist naheliegend. Der einzige hervorzuhebende Unterschied hier: Die Macher von Strategiespielen haben es inzwischen verstanden, wie sie das Geschehen auf dem Bildschirm mitreißend inszenieren. Während früher alles recht steril und zweckdienlich wirkte, setzen heute gut platzierte Kameraperspektiven und kurze Zwischensequenzen alles actionreich in Szene. Doch auch spielerisch hat sich einiges getan.
Vor allem auf die Benutzerfreundlichkeit und die Zugänglichkeit der Spiele achten die Entwickler heute mehr als damals. Spielmenüs zum Beispiel wirken heute deutlich aufgeräumter und übersichtlicher (B) als früher, auch wenn sie im Grunde die gleichen Funktionalitäten bieten. Gerade das Beispiel Ufo zeigt, wie viele Knöpfe und Symbole der Spieler im Blick haben musste, um seine Soldaten zu steuern (B). Viele Informationen zeigt X-COM heute auf den ersten Blick (C). Ein Schild etwa verdeutlicht, ob ein Soldat sich in Deckung befindet oder nicht. Etwas, das der Spieler in Ufo nicht ohne Weiteres erkennen konnte. Ebenso zeigt X-COM bei jeder Aktion des Spielers, welche Folgen zu erwarten sind - etwa der angerichtete Schaden einer Granate oder eines Schusses, inklusive Trefferwahrscheinlichkeit.
Quelle: PC Games
X-COM: Enemy Unknown (2012)
Auch die Reduzierung der Soldatenzahl unter dem Kommando des Spielers vereinfacht Neulingen ein wenig den Einstieg. Während Ufo die Möglichkeit bot, über den gesamten virtuellen Globus Basen zu errichten und Kämpfer zu stationieren, um diese fix gegen Aliens in den Kampf zu schicken, limitiert X-COM dies auf eine Basis und vier Haudegen im Einsatz (A). Dies hat zwar den Nachteil, dass der Spieler kein Allmachtsgefühl einer weltweit agierenden, schlagkräftigen Truppe erhält, bringt aber gleichzeitig den Vorteil mit sich, dass man sich als Kommandant der Pixelmännchen mehr um diese sorgt, da ein Verlust schwerer zu verkraften ist als früher. Strategischeres Vorgehen ist die Folge, sodass moderne Rundenstrategiespiele zwar einsteigerfreundlicher, nicht aber weichgespülter sind.
"Rundenstrategie bedeutet weniger Action und Adrenalin." - Interview mit Jan Theysen
PC Games: King Art Games hat sich mit Battle Worlds: Kronos daran gewagt, ein Rundenstrategiespiel zu entwickeln. Wie kam es dazu?
Theysen: "Wir waren Fans von Battle Isle und anderen Rundenstrategiespielen und wunderten uns, warum es diese Art von Spielen eine Zeit lang gar nicht mehr gab. Als wir vor circa sieben Jahren mit den Arbeiten am ersten Battle Worlds: Kronos-Prototypen begannen, gab es auf PC mit Ausnahme von Civilization und Heroes of Might and Magic so gut wie keine Rundenstrategiespiele mehr. Das war dann auch unser Problem, als es darum ging, einen Publisher für das Projekt zu finden. Niemand hatte Vergleichszahlen und keiner wusste, ob es noch einen Markt für Rundenstrategiespiele gibt. Ein paar Jahre später hat Paradox Interactive dann mehrere Rundenstrategiespiele herausgebracht und hatte damit großen Erfolg. Aber zu dem Zeitpunkt steckten wir schon mitten in der Entwicklung von The Book of Unwritten Tales."
Quelle: PC Games
Jan Theysen ist Kreativdirektor und Geschäftsführer von King Art Games.
PC Games: Ihr habt Battle Worlds: Kronos schließlich über Kickstarter finanziert. Davon ausgehend: Gibt es Länder, in denen Rundenstrategie beliebter ist als in anderen?
Theysen: "Wir hatten ehrlich gesagt damit gerechnet, dass Battle Worlds ein 'deutsches' Thema sein würde. Eines der Vorbilder ist Battle Isle, ein Spiel, das international nie die gleiche Bedeutung hatte wie in Deutschland. Der PC ist unsere Haupt-Plattform und nicht zuletzt sind wir ein deutsches Team. Wir waren recht überrascht, dass rund drei Viertel unserer Backer nicht aus Deutschland kommen. Die USA sind als 'Kickstarter-Heimatland' und größter Spielemarkt der Welt auf Platz 1, gefolgt von Deutschland. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Skandinavien sehr stark, außerdem Osteuropa. Wir haben aber auch Backer aus Australien, Neuseeland, Südamerika, Südafrika und so gut wie jedem anderen Ort der Welt."
PC Games: Was denkt ihr, was die Faszination von Rundenstrategie ausmacht?
Theysen: "Es gibt Spieler, denen es eher um Strategie und Taktik geht. Bei Echtzeitstrategiespielen läuft es bei fast jedem Spiel am Ende darauf hinaus, möglichst präzise, aber vor allem auch möglichst schnell Befehle zu geben - vor allem im E-Sport-Bereich. Rundenstrategiespieler wollen dagegen die optimalen Lösungen für Probleme finden - auch wenn es mal länger dauert. Die sorgfältige Analyse einer Situation, das Durchspielen von Möglichkeiten im Geiste - das sind Dinge, für die man nur in Rundenstrategiespielen ausreichend Zeit hat. Natürlich bedeutet das weniger Action und Adrenalin. Dafür kann man aber beobachten, wie der eigene Plan Stück für Stück Gestalt annimmt."
PC Games: Was sind eurer Meinung nach die Gründe, dass Rundenstrategie-Spiele in den vergangenen Jahren ein derartiges Comeback erfahren haben?
In diesem Artikel
Theysen: "Als die Echtzeitstrategiespiele aufkamen, wurden Rundenstrategiespiele schnell als 'die alte Art von Strategiespielen' abgetan. Man ging davon aus, den nächsten 'Evolutionsschritt' gefunden zu haben. Aber Rundenstrategie hat eine ganz eigene Faszination, eigene Stärken! Diese Stärken wurden von vielen Spielern in den letzten Jahren neu- oder wiederentdeckt, da es plötzlich wieder mehr Rundenstrategiespiele gab. Das hatte vor allem damit zu tun, dass sich Rundenstrategiespiele aus technischen Gründen für den Browser- und Mobile-Games-Markt besonders gut eignen. Von da schwappte die Welle zurück auf den PC-Markt."
