Comeback der Rundenstrategie - Teil 2

Special Sebastian Weber
Seit X-COM: Enemy Unknown im Jahr 2012 ist das Genre Rundenstrategie wieder extrem angesagt. Dieser Trend hat etliche Studios ermutigt, derart anspruchsvolle Titel wieder ins Programm aufzunehmen.
Quelle: PC Games

Jahrelang kaum beachtet, sind Rundenstrategiespiele wieder in aller Munde. Eine Bestandsaufnahme. Wir schauen auf Rundenstrategie früher und heute. Außerdem sprechen wir mit Jan Theysen von King Art über Battle Worlds: Kronos.

Zugänglichkeit ist Trumpf

Doch was hat den neuen Boom veranlasst? Mehrere Faktoren kommen hier zusammen. Zum einen spielte der Erfolg der X-COM-Neuauflage eine große Rolle, dass Rundenstrategiespiele wieder in den Fokus rückten. Die Reihe hatte sich rar gemacht, der zuvor letzte Teil war im Jahr 2001 erschienen. Die Fans waren also entsprechend ausgehungert. Doch auch die Überarbeitung des alten Spielkonzepts, ohne den Kern aus den Augen zu verlieren, hatte entsprechenden Einfluss. Der Spielverlauf wurde so angepasst, dass er abseits des PCs auch auf den Konsolen und später auf Tablets funktionierte. Zudem kalibrierte Firaxis den Schwierigkeitsgrad so, dass nicht nur Hardcore-Strategen Erfolgserlebnisse verbuchen konnten, sondern auch Neulinge. Dadurch wirkte das Genre Rundenstrategie nicht mehr abschreckend.

Faster than Light (FTL) - Ein Indie-Spiel, das ebenfalls über Kickstarter finanziert wurde. Mit einem Raumschiff soll der Spieler durch Weltraumsektoren vor Verfolgern flüchten. Die Züge laufen rundenbasiert ab, kommt es zum Kampf, wechselt das Spiel in einen pausierbaren Echtzeitmodus. Ein extrem forderndes Strategiespiel, das im September 2013 erschienen ist! Quelle: PC Games Faster than Light (FTL) - Ein Indie-Spiel, das ebenfalls über Kickstarter finanziert wurde. Mit einem Raumschiff soll der Spieler durch Weltraumsektoren vor Verfolgern flüchten. Die Züge laufen rundenbasiert ab, kommt es zum Kampf, wechselt das Spiel in einen pausierbaren Echtzeitmodus. Ein extrem forderndes Strategiespiel, das im September 2013 erschienen ist! Aber gerade auch Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter, die in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle bei der Finanzierung von Spieleentwicklungen einnehmen, und auch die immer größere Verbreitung von Tablet-PCs halfen bei der Rückkehr. Dies bestätigt auch Florian Emmerich von EuroVideo: "XCom hat [...] Tür und Tor zurück in die Herzen vieler Spieler weit aufgetreten. Vielleicht auch gerade, weil es sich rar gemacht hat. All die Fans warteten doch seit Jahren auf eine Rückkehr. Und bei Age of Wonders 3 haben wir bislang ein ähnliches Echo. ,Endlich' ist die allgemeine Stimmungslage."

Den Einfluss von Kickstarter zeigt das Beispiel Battle Worlds: Kronos von King Art Games. Das Rundenstrategiespiel befand sich vor rund sieben Jahren bereits in Arbeit, doch kein Publisher, dem die Entwickler ihren Titel vorstellten, wollte das Projekt unterstützen. Deshalb wandte sich King Art Games, wie viele andere Studios zuvor, im März 2013 direkt an die Spieler. Der geistige Nachfolger zum Urgestein Battle Isle erforderte 120.000 Dollar, nahm am Ende rund 260.000 Dollar von den spendenfreudigen "Backern" ein und erschien im November 2013. Kickstarter ermöglicht es den Entwicklern also, auch vermeintlich angestaubte Genres wieder populär zu machen. Denn selbst wenn ein Publisher nicht daran glaubt, dass ein Projekt erfolgreich sein könnte und es abschmettert, haben die Entwickler die Möglichkeit, ihre Vision umzusetzen.

Neben Kickstarter und Co. spielt aber auch die Plattform Steam eine große Rolle. Hier können kleine Entwicklerstudios, falls sie genug Budget für die Umsetzung ihres Projekts hatten, ihre Spiele auch ohne Publisher im Rücken zum Kauf anbieten und finden leicht ihr Publikum, ohne große PR- und Marketingmaschine im Hintergrund. Außerdem fallen so die Gewinne für die Entwickler im besten Fall höher aus, da sie durch die Verkäufe den Erlös direkt in die eigene Tasche erwirtschaften und nichts an den für den Vertrieb sorgenden Publisher abdrücken müssen.

Mobil ist die Zukunft?

Heroes of Might & Magic 6: Shades of Darkness - Bereits im Mai 2013 brachte Ubisoft das Stand-alone-Add-on Shades of Darkness für Heroes of Might & Magic 6 heraus, einer ebenso traditionsreichen Reihe wie Civilization. Auf einer Taktikkarte herrscht der Spieler über sein Reich, Kämpfe werden dann ähnlich wie ein Schachspiel ausgetragen. Quelle: PC Games Heroes of Might & Magic 6: Shades of Darkness - Bereits im Mai 2013 brachte Ubisoft das Stand-alone-Add-on Shades of Darkness für Heroes of Might & Magic 6 heraus, einer ebenso traditionsreichen Reihe wie Civilization. Auf einer Taktikkarte herrscht der Spieler über sein Reich, Kämpfe werden dann ähnlich wie ein Schachspiel ausgetragen. Smartphones und vor allem Tablet-PCs halfen dem Genre Rundenstrategie ebenfalls wieder auf die Beine. Die brettspielhafte Natur der Titel funktioniert wunderbar via Touchscreen-Bedienung. Auch hier ist X-COM wieder das beste Beispiel. Kurz nachdem Take Two im Jahr 2012 X-COM: Enemy Unknown für den PC, Xbox 360 und Playstation 3 veröffentlicht hatte, brachte der Publisher auch eine Version für Apples Mobilbetriebssystem iOS heraus. Und obwohl das Spiel dort mit einem Preis von rund 18 Euro deutlich teurer war als die meisten anderen Spiele-Apps, verkaufte sich das Rundenstrategiespiel erfolgreich und schaffte es innerhalb der ersten Woche bereits in die Top 10 der verkauften Apps. Für Strauss Zelnick, Chef von Take Two, zeigte der Erfolg nicht nur, dass Rundenstrategiespiele wieder in Mode waren, sondern auch, dass Spieler selbst auf solchen Plattformen bereit waren, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn die Qualität der Apps stimmt. X-COM auf dem iPad spielt sich nämlich exakt wie die PC-Fassung und muss nur ein paar Abstriche in Sachen Grafik machen. Davon abgesehen bekommen iOS-Spieler die selbe Qualität geboten wie alle anderen auch.

Auch EuroVideo sieht im wachsenden Mobilmarkt große Chancen für Rundenstrategiespiele. "[Auf Tablet-PCs] sind Rundenstrategiespiele auch wieder populär, nur die wenigsten können allerdings mit PC-Versionen mithalten. Nichtsdestotrotz machen sie die Leute auf das Genre aufmerksam. Jemand, der ein paar Runden Civ Revolution auf dem Tablet spielt, schaut vielleicht bei Saturn oder Media Markt genauer hin, wenn er ein Age of Wonders 3 im Regal sieht", hofft Florian Emmerich.

Bildergalerie

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