Scam-MMOs: Chronicles of Elyria - Die unendliche Geschichte - Seite 6

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Scam-MMOs: Chronicles of Elyria - Die unendliche Geschichte - Seite 6
Quelle: Soulbound Studios

Chronicles of Elyria versprach seinen Spielern die Welt - und lässt sie inzwischen acht Jahre lang warten. Wir beleuchten einen der ältesten MMO-Scams.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: "Fairer Rechtsschutz: Nichts in dieser Vereinbarung hindert das Studio daran, eine Klage auf Billigkeits- oder Unterlassungsanspruch bei einem zuständigen Gericht einzureichen, um Sie zu zwingen, Ihren Verpflichtungen aus dieser Vereinbarung nachzukommen.

"Treten wir einen Schritt zurück. Ist diese Art der EULA in Amerika wirklich so selten? Immerhin haben Blizzard und Square Enix ähnliche Passus in ihrer Endnutzervereinbarung. Nun ... Ja und nein. "Ja" in dem Sinne, dass viele große Konzerne in ihren EULA den Nutzer gerne dazu bringen, so viele Rechte wie möglich abzutreten und große Worte benutzen. Sätze dieser Art liest man in der englischen Lizenzvereinbarung jedes zweiten Onlinerollenspiels. Das wird vor allem aus Abschreckungsgründen getan: Der Nutzer wird im Falle einer Rechtsstreitigkeit darauf hingewiesen, dass er eine Lizenzvereinbarung akzeptiert hat und er demnach keine Chance vor Gericht hat. "Nein" in dem Sinne, dass die Situation völlig anders aussieht, wenn der Fall wirklich vor Gericht landet, denn hier werden solche Abschnitte oft schlicht und ergreifend als undurchsetzbar abgeschmettert.

Jeromy Walsh bestätigte einen Tag später, dass Soulbound Studios in der Tat nicht mehr funktionsfähig sei. Alle Entwickler waren nun in den Hochtagen der Pandemie arbeitslos.<br> &nbsp; Quelle: Soulbound Studios/Jeromy Walsh Jeromy Walsh bestätigte einen Tag später, dass Soulbound Studios in der Tat nicht mehr funktionsfähig sei. Alle Entwickler waren nun in den Hochtagen der Pandemie arbeitslos.
 
Des Weiteren ließ Walshs Dokument einen wichtigen Abschnitt vermissen, der die Erzwingung von Schiedsverfahren explizit einschränkt, wenn das Gericht diesen nicht zustimmt, was vor allem während eines laufenden Rechtsstreites ein schalen Geschmack hinterlässt.

Und nein - selbst Blizzard gibt in seinen EULA nicht an, dass sie nur bei Todesfällen und Reaktorkatastrophen eine Rückerstattung in Betracht ziehen. Deutsche EULAs sehen übrigens komplett anders aus, weil hierzulande mehr auf eine (über)korrekte Formulierung geachtet wird.

Nach der Kritik gab Walsh am 14. Juni 2021 an, dass "nichts in dem Dokument so genutzt werden kann, wie manche Leute es anpreisen" - änderte auf Druck der Community hin aber trotzdem die Formulierung.

Gerade als sich die Situation etwas beruhigte, kündigte Soulbound Studios am 16. Juli 2021 in einer Pressmitteilung groß an, dass alle Unterstützerpakete, Grundstücke, Gegenstände und Haustiere, die von Käufern erworben wurden, nach dem Launch von KoE: Domains in ein NFT-Format umgewandelt werden können. Dies werde unternommen, damit "Spieler, die ihre Titel [...] nicht mehr haben möchten, sie [auf der Blockchain] an andere Spieler verkaufen können."

Trotz des positiven Posts: Kingdoms of Elyria kämpft derzeit mit fehlenden und fehlerhaften Systemen, einer kaputten AI und nicht-funktionalen Tieren.<br> &nbsp; Quelle: Soulbound Studios Trotz des positiven Posts: Kingdoms of Elyria kämpft derzeit mit fehlenden und fehlerhaften Systemen, einer kaputten AI und nicht-funktionalen Tieren.
 
Das CoE-Subreddit explodierte regelrecht. Gewalt- sowie Morddrohungen wurden ausgestoßen und Walsh, der selbst einen Moderator-Posten bekleidete, schloss das Sub daraufhin komplett. Wenig später wurde das CoE-Subreddit wieder unter der Schirmherrschaft neuer Mods eröffnet, die ihrerseits augenblicklich alle Soulbound-Mitarbeiter aus Moderator-Positionen entfernten.

Erst im Oktober 2021 meldete sich Walsh wieder zu Wort und gab an, dass die ersten beiden Punkte der Roadmap von Kingdoms of Elyria erreicht wurden - obwohl das Spiel zu diesem Zeitpunkt laut Planung bereits den zehnten Punkt erreicht haben sollte. Damit liegt KoE zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Monate hinter dem Zeitplan.

Die Jahre 2022 bis 2024: Die unendliche Geschichte

Absolut unverständlich: Soulbound Studios wird Chronicles of Elyria schlicht und ergreifend nie liefern können und gibt trotzdem ein neues Erscheinungsdatum an.<br> &nbsp; Quelle: Soulbound Studios Absolut unverständlich: Soulbound Studios wird Chronicles of Elyria schlicht und ergreifend nie liefern können und gibt trotzdem ein neues Erscheinungsdatum an.
 
Am 01. Januar 2022 meldete sich Walsh überraschend mit einem riesigen Blog-Post zurück, der erneut Bewegung in die Geschichte brachte. In seinem Blog fasste er erneut den Plan der Soulbound Studios zusammen, Chronicles of Elyria in drei Segmente zu unterteilen; der angegebene Grund ist dabei die enorme Größe des Spiels. Der eigentliche Knackpunkt ist jedoch die von Walsh selbst aufgestellte (und sehr abenteuerliche) Entwicklungszeitlinie. Haltet euch fest:

CoE: Awakenings stellt demnach den ersten Teil der Entwicklungs-Roadmap dar. In dem Prequel spielt ihr euren Helden in einem eigens entwickelten Einzelspieler-Abenteuer und entdeckt Elyria, wie es 20 Jahre vor dem eigentlichen Spielstart aussieht. Laut Walsh wurden die Jahre 2016 und 2017 auf die Entwicklung von CoE: Awakenings verwendet.

Der zweite Große Abschnitt nennt sich gemäß seiner Aussage "ElyriaMUD, VoxElyria oder Pre-Lyria" und konzentriert sich auf die Mehrspielermechaniken. ElyriaMUD spielt noch einmal 50 Jahre vor CoE: Awakenings und wurde in den Jahren 2017 bis 2019 entwickelt - parallel mit einem Welt-Generierungs-Tool, das benutzt wird, um die vier großen Welten Angelica, Luna, Selene, and Oceanus zu erstellen.

Das seit 2019 in Entwicklung befindliche Kingdoms of Elyria stellt demnach den 4X-Strategiesapekt von Chronicles of Elyria dar und befindet sich derzeit immer noch in der Mache.

Ist euch etwas aufgefallen? Richtig: Im Blog-Post hört es sich dramatisch danach an, als ob Soulbound Studios fast ein komplettes Spiel in den Händen hält und nur noch schnell Kingdoms of Elyria fertigstellen muss. Laut des Blog-Posts wurde die Zeit von 2020 bis 2021 auf KoE verwendet, weil "die aktiven Community-Mitglieder es am interessantesten fanden" und um den Übergang Soulbound Studios' von einem Crowdfunding-Unternehmen zu einem echten Einzelhandelsunternehmen sicherzustellen.

Wir wiederholen: Die "aktiven Community-Mitglieder" wünschten sich ein in Unity programmiertes Strategiespiel anstelle der versprochenen Alpha des bezahlten MMORPGs, das obendrein offensichtlich bereits kurz vor der Fertigstellung steht.

Walsh erklärt weiterhin, dass die langen Perioden der Funkstille deshalb erfolgten, weil Soulbound Studios so "hart gearbeitet hätten" und der Development-Zyklus "allumfassend" gewesen sei, sodass man nicht auf Social Media hätte reagieren können. Auch hier müssen wir wieder erinnern: Die Kommunikation war vor allem deshalb so schlecht, weil fast alle Kommunikationskanäle schlicht und ergreifend abgeschaltet wurden.

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