Zu Besuch beim besten Spiele-Entwickler Deutschlands: Wie man auch in der Krise Erfolg haben kann

Special Marc Schmidt Lukas Schmid
Zu Besuch beim besten Spiele-Entwickler Deutschlands: Wie man auch in der Krise Erfolg haben kann
Quelle: Benjamin Lochmann / Pixel Maniacs

Während große Gaming-Giganten Tausende Menschen entlassen, bleibt ein kleines Indie-Studio aus Nürnberg standhaft. Wie kann das sein und wieso können es die anderen nicht genauso machen?

Ein eindrucksvolles Beispiel für die zahlreichen Übernahmen im Gaming-Sektor ist die schwedische Embracer Group. Wie viele andere Giganten auch kaufte man in den Pandemiejahren ordentlich ein. Unter den Neuzugängen befanden sich auch zahlreiche deutsche Firmen wie Plaion (Fishlabs, Deep Silver), ehemals Koch Media.

Die Schweden entwickelten sich in kürzester Zeit zu einem der größten Gaming-Konzerne weltweit und vereinten zahlreiche Publisher und Entwickler unter einem Dach.

Zusätzlich begab sich das Unternehmen auf die Suche nach weiteren Geldgebern und wurde schließlich bei der saudischen Savyy Games Group fündig. Der verlängerte Arm des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman hatte zuvor bereits unter anderem in Nintendo, Nexon und Take Two investiert.

Im Juni 2022 steckte Savyy schließlich fast eine Milliarde Euro in den schwedischen Konzern, was in etwa acht Prozent entsprach. Knapp ein Jahr später wollte Embracer einen weiteren Deal aushandeln, diesmal in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Doch kurz vor knapp machten die Saudis einen Rückzieher und der Deal platzte.

Ohne frisches Geld und mit einem riesigen Haufen Schulden stürzte der Entwickler mit seinen damals 16.000 Angestellten in den Abgrund. Embracer startete einen letzten Rettungsversuch: Sie lösten mehrere Studios auf, darunter auch den Traditionsentwickler Volition, und als selbst der Verkauf der Borderlands-Macher Gearbox nicht mehr half, entschied sich der Vorstand für eine Aufspaltung des Unternehmens in drei unabhängige Einheiten.

In solchen Fällen scheint die Ursache offensichtlich: Pure Gier besiegelte das Schicksal tausender Arbeitnehmer, die aufgrund von Missmanagement ihren Job verloren. Dass es nicht immer ganz so einfach ist, zeigt sich am Beispiel Microsoft. Obwohl der Entwickler laut den eigenen Quartalsberichten weiterhin ein massives Umsatzwachstum verzeichnet, wurden mehrere Studios geschlossen und 1.200 Mitarbeiter gekündigt.

Hier stellt sich durchaus die Frage: Waren die Freistellungen wirklich notwendig, oder wurden andere Kostensparmaßnahmen nicht ausreichend ausgereizt? Oder folgt man vielleicht einfach nur einem "Trend", weil es gerade alle so machen? Die Antwort auf diese Frage weiß nur Microsoft selbst.

Benjamin Lochmann beim Arbeiten Quelle: PC Games / Marc Schmidt Bejamin Lochmann, der Geschäftsführer der Pixel Maniacs, hat ebenfalls einen festen Arbeitsplatz im Großraumbüro Sicherlich sind die Hintergründe der aktuellen Situation in der Industrie weitaus komplexer. Dennoch lässt sich anhand dieser beiden Firmen gut zeigen, dass große Triple-A-Konzerne unter einem massiven Druck stehen.

Deutlich anders läuft die Finanzierung wiederum bei Indie-Entwicklern wie den Pixel Maniacs. Der Begriff Indie steht für "Independent", zu Deutsch "unabhängig". Damit sind in der Gaming-Welt kleine Studios gemeint, die mit einer Handvoll Mitarbeiter auskommen oder sogar aus nur einer einzigen Person bestehen.

Sie haben in der Regel keine großen Investoren im Rücken und sind auch nicht börsennotiert, verzichten dafür aber auch auf finanzielles Back-up. Das Startkapital für die Firmengründung stammt oft aus den eigenen Ersparnissen und erst später suchen die Start-Ups nach Investoren. Diese findet man meist in Publishern wie eben der Embracer Group.

Hier zeigt sich eine weitere Besonderheit der Pixel Maniacs. Dank der erfolgreichen Apps aus der Vergangenheit konnte der erste Titel Chroma Gun vollständig aus eigenen Rücklagen ohne Fremdkapital finanziert werden.

Bei der Entwicklung ihres zweiten Titels Can't Drive This, eines Multiplayer-Rennspiels, konnte das Team schließlich von einer deutschen Besonderheit profitieren. Denn das Spiel wurde umfassend durch den Film-Fernseh-Fonds Bayern gefördert.

Das deutsche Förderungsdrama

Laut einem Bericht des Branchenverbands Game aus dem Jahr 2023 ist die Entwicklung von Videospielen am Standort Deutschland weiterhin um 30 Prozent teurer als die Produktion in Gaming-Hochburgen wie Kanada oder Frankreich.

Chroma Gun Quelle: Pixel Maniacs Das Rätselspiel Chroma Gun erinnert in Teilen an Valves Erfolgshit Portal, verpasst dem ganzen allerdings seinen ganz eigenen Farbton. Aufgrund dieser fehlenden Wettbewerbsfähigkeit rief der Bund bereits 2019 die Games Förderung ins Leben. Damit konnten sowohl Prototypen als auch komplette Spiele unterstützt werden. Im Rahmen des Programms wurden seither über 550 Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von über 200 Millionen Euro gefördert.

Als das verantwortliche Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Mai 2023 plötzlich ankündigte, bis auf Weiteres keine Anträge mehr entgegenzunehmen, war der Schock entsprechend groß.

Seitdem versuchen vor allem die einzelnen Bundesländer die finanzielle Lücke zu füllen. Dabei teilen sich Bayern (4,4 Millionen Euro), Berlin-Brandenburg (3,6 Millionen Euro) und Nordrhein-Westfalen (3,5 Millionen Euro) mit weitem Abstand die Spitzenplätze, was die Höhe der Förderung betrifft (Stand 2023).

Schließlich folgte im November letzten Jahres ein kleiner Hoffnungsschimmer. In den kommenden drei Jahren sollen deutsche Spielentwickler mit 100 Millionen Euro unterstützt werden.

Das Problem: Verantwortlich ist nicht mehr das BMWK unter Robert Habeck, sondern die Beauftragte für Kultur und Medien im Kanzleramt, Claudia Roth (BKM). Auch nach sechs Monaten schweigt das Ministerium darüber, unter welchen Kriterien die Förderung ablaufen soll, wer berechtigt ist und wie Anträge überhaupt gestellt werden können. Auf Nachfrage von PC Games erklärt ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Claudia Roth:

Die genaue Ausgestaltung erfolge derzeit in Abstimmung mit dem BMWK. Zum aktuellen Stand heißt es nur: "Diese Beratungen sind noch nicht abgeschlossen." Alle weiteren Fragen nach den genaueren Umständen bleiben unbeantwortet. Stattdessen wird die Branche mit vielen Unsicherheiten zurückgelassen. Doch genau diese Ungewissheit bereitet Indie-Entwicklern in Deutschland massive Probleme. Das weiß auch Bejmain Lochmann.

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