Zu teuer - oder nüchtern betrachtet immer noch günstig? Wie viel zahlen wir wirklich für Spiele und wie werden sich die Preise in Zukunft entwickeln?
Wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, hört der Spaß auf: Im Interview mit Nikkei erklärte Capcom-Präsident Haruhiro Tsujimoto im Sommer 2023, dass Computer- und Videospiele zu preiswert seien.
Tsujimoto argumentiert dies mit einem Verweis auf die gestiegenen Kosten: "Die Entwicklungskosten sind etwa einhundertmal höher als zu Famicom-Zeiten. (...) Es besteht auch die Notwendigkeit, die Löhne zu erhöhen. Angesichts der Tatsache, dass die Löhne in der gesamten Branche steigen, halte ich eine Erhöhung der Stückpreise für eine probate Option für die Wirtschaft."
Die zunehmende Unsicherheit in der Welt sieht der Capcom-Chef hingegen nicht als Nachteil. Schließlich würden die Menschen immer noch Unterhaltungsmedien kaufen, um sich ein wenig von der Realität abzulenken.
Letzteres will auch Rockstar Games mit seiner Großproduktion Grand Theft Auto 6. Das (hoffentlich) 2025 erscheinende Gangster-Abenteuer ist das bisher aufwendigste Spiel der Seriengeschichte. Schon der Vorgänger verschlang 225 Millionen Euro Entwicklungskosten. Für den Nachfolger halten sich Gerüchte, dass das Budget im Milliardenbereich liegen könnte.
Quelle: Rockstar Games
Entsprechend machten bereits weit im Vorfeld des Releases Schockmeldungen über einen möglichen Verkaufspreis jenseits der 100 Euro die Runde. Dass Rockstar mehr als die üblichen 80 Euro verlangen wird, ist zwar noch nicht bestätigt, gilt aber unter Experten und Branchen-Insidern als nahezu sicher.
Auch Michael Douse, Publishing Directorbei Larian Studios (bekannt durch Baldur's Gate 3), äußerte sich via X über die Preispolitik im Gaming. Zum einen merkte er an, dass "ein Titel entsprechend seiner Qualität, Größe und Tiefe bepreist werden sollte". Er betonte außerdem, dass sich die "willkürliche Einheitlichkeit" der Preise für ihn unseriös anfühlen würde und dass Games selbst in ihrer Standardausführung mehr kosten sollten.
"Die Kosten, sie zu machen, übertreffen die Preisentwicklung", erklärte er und schob nach, dass "alle nur darauf warten, dass GTA 6 es macht". Erwartet uns also 2025 der große Preisschock bei einzelnen Titeln oder werden Games insgesamt wieder teurer?
Preise im Zeichen der Zeit
Michael Douse von Larian sprach einen wichtigen Punkt an: die Preisentwicklung im Vergleich zu den Kosten der Spieleentwicklung. Wie bereits erwähnt, verschlingen Blockbuster inzwischen dreistellige Millionenbeträge und benötigen sehr oft eine Entwicklungszeit von weit mehr als drei bis vier Jahren.
Larian hat beispielsweise sechs Jahre an Baldur's Gate 3 gearbeitet, Rockstar über fünf Jahre an GTA 5 und Bioware sogar neun Jahre an Dragon Age: The Veilguard. Spiele haben sich in den letzten 15 Jahren zu wahren Kolossen entwickelt, deren Entwicklung von der weltweiten Digitalisierung profitiert, aber auch komplexer ist als je zuvor.
Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich
Im Winter 2024 kostet ein Titel wie Dragon Age: The Veilguard in der Standard-Edition für die PlayStation 5 zum Verkaufsstart rund 80 Euro, die Deluxe-Edition mit Zusatzinhalten schlägt mit rund 100 Euro zu Buche. Das ist zweifellos viel Geld und nicht wenige erinnern sich noch an die seligen Zeiten, als Konsolenspiele zwischen 40 und 50 Euro kosteten.
Man darf aber nicht vergessen, dass Videospiele auch früher sehr teuer waren. Nintendo-64-Titel kosteten in den 1990er-Jahren allein wegen der aufwendig zu produzierenden Cartridges teilweise 150 D-Mark und mehr. Rechnen wir das um, ergibt sich schnell ein klares Bild: Ein Euro entspricht auch heute noch 1,95583 D-Mark. 150 D-Mark sind also umgerechnet 76,69 Euro.
Und an dieser Stelle haben wir nicht die Inflation einberechnet. Denn um ein Spiel mit dem Wert von 150 D-Mark aus dem Jahr 1997 heutzutage kaufen zu können, würden wir einen Gegenwert von rund 124 Euro benötigen. Ein weiteres, etwas persönlicheres Rechenbeispiel direkt aus der Amazon-Einkaufsliste der Autoren dieses Artikels: Das von uns 2004 für 39,99 Euro gekauftes Pro Evolution Soccer 4 würde heute "inflationsbereinigt" geschmeidige 59,10 Euro kosten.
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Im Klartext heißt das: Computer- und Videospiele waren schon immer ein teures Hobby. Einen deutlichen Sprung in der Preisklasse hat es aber eigentlich nicht gegeben. Wir sprechen hier von einer Teuerungsrate von etwa zehn bis 20 Prozent, die aber angesichts der Markt- und Gehaltsentwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten noch vergleichsweise harmlos ausfällt.
