Böses Monster Kopierschutz? Was es mit den kontroversen Gaming-Systemen wirklich auf sich hat
Special
Die illegale Vervielfältigung von Spielen kostet Unternehmen in Zeiten des Internets Millionen. Wir haben nachgefragt und erklären, wie ein Kopierschutz in ein Spiel integriert wird und welche Prozesse dahinterstecken.
Im Anschluss wird gezockt: Das Team spielt den Titel von vorn bis hinten durch, während im Hintergrund ein intern entwickeltes Profiling-Tool mitläuft. Diese Software misst, welche Teile des Spiels ausgeführt werden und wie lange diese Ausführung dauert. Anhand dieser Daten wählen die Macher die Stellen aus, in die der Kopierschutz integriert wird. Das klingt jetzt relativ kryptisch. Deshalb haben wir den Denuvo-Experten um ein konkretes Beispiel gebeten:
"Ein durchschnittliches Spiel auf Basis der Unreal Engine hat etwa 200.000 Code-Funktionen, also 200.000 von einem Entwickler geschriebene Zeilen. Auf Basis unserer ermittelten Performance-Metriken suchen wir davon einen kleinen Teil aus. Wir sprechen hier von 200 bis 300 Funktionen. Diese befinden sich in der Regel in der Startsequenz des Spiels oder innerhalb von Ladebildschirmen. Dort integrieren wir unseren Sicherheitscode. Mit jeder weiteren Zeile Code - wie auch unserer Security-Software - wächst natürlich auch die erforderliche Arbeit für das System. Deshalb platzieren wir sie dort, wo es Spielerinnen und Spielern nicht auffällt, wenn etwa eine Millisekunde Ladezeit mehr entsteht."
Performance-Probleme und Qualitätskontrolle
Ziel dieses Prozesses ist es daher, die Bereiche eines Spiels zu ermitteln, in denen das Einbinden des Kopierschutzes keinen direkten Einfluss auf die Performance und auf das Spielerlebnis hat. Genau dies ist ein heikles Thema. Die Denuvo-Software ist in der Online-Community nicht unumstritten. In der Vergangenheit wurden unter anderem die regelmäßigen Verbindungen mit dem Internet sowie Performance-Probleme moniert.
Quelle: Irdeto / Denuvo (YouTube)
Andreas Ullmann
"Sehr oft wurde die gecrackte Version mit der Denuvo-Version verglichen. Der Crack selbst fügt dem Spiel weitere Code-Zeilen hinzu, um den Kopierschutz zu umgehen, aber entfernt nicht unseren Code. Von einem technischen Standpunkt betrachtet, ist es also nicht möglich, dass die gecrackte Version schneller läuft als die Denuvo-Version eines Spiels, da alles wie in der geschützten Version ausgeführt wird, plus noch der Code des Cracks", kontert Ullmann im Gespräch. Dass es in der Vergangenheit Probleme und Fehler gab, räumt er aber ebenfalls ein.
Nach der Integration geht das Spiel in die Qualitätskontrolle. Diese befindet sich in den Büroräumlichkeiten in Salzburg und beschäftigt insgesamt sieben Mitarbeiter. Das Team spielt das Programm mitsamt der integrierten Security-Software. Grundlage dafür bilden 40 bis 50 Testrechner mit unterschiedlichen Hardware-Konfigurationen und Betriebssystemen.
Im Hintergrund läuft dabei ein weiteres, neues Überwachungs-Tool. "Im Grunde checken wir hier die Ergebnisse unserer Profiler-Software. Wurden hier wirklich die korrekten Funktionen ausgesucht? Sollte es Probleme geben, werden diese natürlich entfernt", sagt Andreas Ullmann.
Da der Kopierschutz nicht in das System, sondern nur in die Spiele selbst integriert wird, entstehen keine Sicherheitslücken im System. Dieser Prozess dauert etwa zwei Arbeitswochen: Einen Tag für das Profiling und dann neun Arbeitstage für die Qualitätskontrolle. Danach geht das Spiel mit der Entschlüsselungs-Software an den Entwickler zurück.
Online-Zwang?
Dann gibt es ja noch die Sache mit der Online-Verbindung. Andreas Ullmann führt diese Sicherheitsmechanik in unserem Zoom-Call aus: "Unsere Software bewertet, ob ein User das Spiel auf Steam, Epic oder anderen Plattformen besitzt. Dafür benötigen wir aber eine vertrauenswürdige Quelle und das sind unsere Aktivierungs-Server, die bei uns gehostet werden. Beim ersten Starten eines Spiels muss also eine Verbindung zu unserem Aktivierungs-Server hergestellt werden." Das sei aber kein Problem, so Ullmann, da man ein neues Spiel in der Regel ohnehin bei Steam oder anderen Plattformen registrieren und anmelden müsse.
