Kaputte Spiele: Wieso viele Games unfertig auf den Markt kommen

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Kaputte Spiele: Wieso viele Games unfertig auf den Markt kommen
Quelle: pcgames

Laufend Abstürze, Bugs und dringend notwendige Patches: Was sind die Gründe für die Veröffentlichung kaputter Spiele? Wir gehen auf Ursachenforschung!

Die Vielfalt der Komponenten nachzustellen, ist nahezu unmöglich, und selbst einen Bruchteil davon zu erfassen, bringt Kosten mit sich, die für kleine Entwicklerstudios und Publisher kaum zu stemmen sind. Roberto Morate, ehemals in der QA von Electronic Arts beschäftigt, erklärt gegenüber IGM: "Wenn die finanziellen Möglichkeiten fehlen, um eine interne QA-Abteilung aufzubauen, dann sind externe Dienstleister eine probate Lösung. Immerhin sind sie ja darauf spezialisiert." Im gleichen Atemzug betont er aber auch, dass die Kommunikation mit externen Dienstleistern zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen können.

PC-Portierungen wie etwa The Last of Us Part 1 stellen die Entwickler zudem vor die Herausforderung, ein ehemals für Konsole optimiertes Spiel auf die vielfältige PC-Hardware zu bringen. Oftmals aber ist die verwendete Technik wie beispielsweise die Grafik-Engine und ihre Bestandteile nicht für Konsole und PC gleichermaßen angepasst. Im Klartext heißt das: Funktionen, die vielleicht auf der ursprünglichen Version auf der Playstation problemlos liefen, müssen nun angepasst und vielleicht sogar neu geschaffen werden. PC-Nutzer haben zudem ganz spezielle Anforderungen an ihr Spielerlebnis.

Sie wünschen sich maximale Anpassungsoptionen für Punkte wie Steuerung, Grafik oder auch die Bedienoberfläche. Auch derartige Extras müssen natürlich getestet und optimiert werden, was wiederum zusätzliche Ressourcen und vor allem Geld verschlingt.

The Last of Us Part 1 Quelle: Sony The Last of Us Part 1

Leere Versprechen

Während also häufig Verträge, zusätzliche Kosten und mangelhafte Führung ein Grund für "kaputte" Spiele sein können, spielt auch die Kommunikation mit der Community und der Presse bei die Wahrnehmung eines Produkts eine Rolle. Exorbitante Erwartungen an ein Spiel und das unseriöse Darstellen der Inhalte sorgen oftmals dafür, dass Spiele als "unfertig" abgestempelt werden.

Schließlich möchte jeder Käufer auch möglichst viel Spiel für sein Geld. Das sogenannte "Expectation Management", also der Umgang mit Erwartungen, ist im Jahr 2023 wichtiger denn je.

Wie groß ist ein Spiel? Wie sieht es wirklich aus? Welche Features sind nicht dabei und welche kommen kostenlos Post-Launch oder als Teil eines Season Passes? Die offene und transparente Kommunikation mit der Käuferschaft ist heutzutage ebenso wichtig wie die Qualitätssicherung.

Erinnert ihr euch beispielsweise noch an die Wochen und Monate, bevor Hello Games' Weltraumspiel No Man's Sky erschien? Studiogründer Sean Murray versprach unzählige Features wie Frachtschiffe und umfangreiche Weltraumschlachten, die es aber zum Launch nicht ins Spiel schafften.

Und auch, wenn No Man's Sky technisch nicht wirklich "kaputt" war, so wirkte es aufgrund der im Vorfeld geschürten Erwartungen doch "unfertig". Schließlich dauerte es teils Jahre, ehe Hello Games diese nachlieferte und das Weltraumabenteuer so zu einem überaus spielenswerten Vertreter seiner Zunft machte.

No Man's Sky Quelle: Hello Games No Man's Sky Branchen-Insider Simon Carless betont in seiner Game-Developer-Kolumne, dass Entwickler keine Angst davor haben sollten, auch "Nein, das ist nicht im Spiel" zu sagen. Darüber hinaus unterstreicht er, dass man viele Fragen im Vorfeld beispielsweise durch erweiterte FAQ-Rubriken beantworten könne und ass man bereits früh und häufig echtes Gameplay-Material statt geschönter Rendersequenzen veröffentlichen sollte.

Eine Chance auf Besserung

Erscheint ein Spiel schließlich in einem "unfertigen" oder gar "kaputten" Zustand, gibt es Kritik von allen Seiten. Die Presse straft das Produkt mit schlechten Bewertungen ab, auf Portalen wie Metacritic hagelt es miese User-Scores und über Social-Media-Kanäle wie Twitter, Tiktok oder Instagram machen Bilder und Videos der schlimmsten Bugs und Probleme die Runde. Die meisten erinnern sich wahrscheinlich noch an die gesichtslosen Charaktermodelle aus Assassin's Creed Unity (2014).

Das langfristige Unterstützen eines Spiels weit über den Launch hinaus gehört inzwischen ebenso zum guten Ton wie eine offene Kommunikation mit der Community. Regelmäßige Patches und die Erweiterung eines Spiels kann selbst ein anfangs gescheitertes Projekt wieder zurück in die Erfolgsspur bringen und auch die Wertungen auf besagten Portalen nach oben schießen lassen.

Allerdings gibt es hier zwei Probleme: Natürlich ist der Post-Launch-Support keine Freikarte dafür, ein unfertiges Produkt auf den Markt zu bringen. Und vor allem bringt die nachträgliche Unterstützung des Projekts ebenfalls Kosten mit sich, die entweder bereits eingeplant oder später aufgebracht werden müssen. Das Risiko ist hier also enorm.

Ein gescheiterter Start bringt nämlich auch einen gehörigen Image-Schaden mit sich, den es erst wieder gutzumachen gilt. Prominente Beispiele, dass so ein Unterfangen funktionieren kann, sind Titel wie Fortnite, No Man's Sky und Final Fantasy 14. Konstanter Support und teils sogar das "Auf-den-Kopf-Stellen" der Spielformel führten hier zum Erfolg.

Doch so einen langen Atem muss man sich eben auch leisten können. Und damit sind wir wieder beim Thema: Finanzieller Druck, falsche Geschäftsentscheidungen und mangelhafte Führung sind vielerorts die Ursache für das Erscheinen von unfertigen oder gar kaputten Spielen. Denn eines sollte klar sein: Kein Entwicklerteam möchte aus freien Stücken heraus ein enttäuschendes Produkt auf den Markt bringen.

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