Todd Howard: Fallout 4, Fallout 76 und Starfield - Seite 3
Special 53,99 €
Todd Howard von den Bethesda Game Studios ist einer der international bekanntesten Spieleentwickler. In diesem Report zeichnen wir seine Geschichte nach: Von seinen Anfängen als Mit-Designer von Terminator: Future Shock über seine zahlreichen Projektleiterposten bei Hitserien wie The Elder Scrolls und Fallout bis hin zu künftigen Spielen wie dem heiß ersehnten Starfield.
Fallout 4: Rückkehr an die Ostküste
Nach der Fertigstellung von Skyrim sowie dessen DLCs und Updates zögert Howard nicht lange, seine nächste Vision in die Tat umzusetzen. Dabei folgt er einmal mehr einem Motto, das ihm schon seit Jahren gute Dienste erwiesen hat und das er im Gespräch mit Gamasutra 2016) noch einmal wie folgt auf den Punkt bringt: "Baue eine Welt, die die Neugier des Spielers weckt. Eine Welt, die Neugier und Erkunden auf jede erdenkliche Weise belohnt". Im Falle von Fallout 4 ist diese Welt in und um die US-Metropole Boston angesiedelt, etwa 25,23 Quadratmeilen groß und Schauplatz für eine über 80-stündige Odyssee eines Bewohners oder einer Bewohnerin von Vault 111, der/die loszieht, um seinen/ihren entführten Sohn zu retten. Wie schon bei Skyrim, setzt Howard auch bei Fallout 4 auf die Creation Engine - abermals vielseitig erweitert und nun unter anderem in der Lage, Spielern Zugriff auf ein umfangreiches Crafting-System zu gewähren. Dies wiederum erlaubt nicht nur die Modifikationen der 50 Waffen, sondern erstmals auch den Bau eigener Siedlungen. Weiteres Highlight: Mit der PC-Fassung kompatible Mods sollen auch auf Konsole funktionieren.
In diesem Artikel
Fallout 4 benötigt vier Jahre Entwicklungszeit, wird von Howard auf der E3 2015 erstmals gezeigt und am 10. November desselben Jahres veröffentlicht - wieder begleitet von einer Vielzahl von Topwertungen. Die Tester loben vor allem die dichte Atmosphäre, die im Kern motivierende Hauptquest, den serientypische Humor, das im Vergleich zu Fallout 3 nochmals verbesserte Kampfsystem, die vor witzigen Ideen überquellenden Spielwelt, das Begleitersystem sowie die famose Musikuntermalung und Sprachausgabe.
Quelle: Bethesda
Fallout Shelter wird von Howard auf der E3 2015 angekündigt und noch am selben Tag für iOS veröffentlicht. Mittlerweile ist die Free2Play-Atombunker-Management-Simulation auch für Android, Windows, Switch, PS4 und Xbox One erhältlich.
Gleichwohl gelingt es Fallout 4 nicht, wie einst Fallout 3, auf Metacritic die magische Marke von 90 Punkten zu durchbrechen. Denn neben einer leider oft nicht sonderlich cleveren Begleiter-KI und zu vielen Spielzeit-streckenden 08/15-Quests stören zum Start vorwiegend Technik-Ungereimtheiten wie nervige Ladepausen beim Betreten beziehungsweise Verlassen von Innenbereichen, Bildraten-Einbrüche, Clipping-Fehler, Matschtexturen und einiges andere mehr. Trotzdem macht das Spiel eine Menge Spaß und verkauft sich speziell in der Anfangsphase blendend. Allein auf Steam greifen in den ersten 24 Stunden 1,2 Millionen Spieler zu.
Aber auch Howard hat Grund zur Freude: Wie schon im Jahr 2012 für Skyrim wird er auch 2016 für Fallout 4 bei den DICE Awards mit dem Preis als bester Spieldirektor geehrt. Ein Jahr später nimmt ihn die Academy of Interactive Arts & Sciences zudem als 22. Mitglied in seine Hall of Fame auf. "Sowohl The Elder Scrolls als auch Fallout sind bekannt für ihren experimentellen Ansatz beim Erschaffen von Welten und Geschichtenerzählen. Die Größe dieser offenen Welten, die Vielfalt der Questreihen und die nahezu endlose Auswahl an Charakteren haben dafür gesorgt, dass keine zwei Spieler die gleiche Erfahrung machen", heißt es im Würdigungsschreiben der Akademie, die in den Jahren zuvor bereits Sid Meier, Will Wright, Gabe Newell, und weitere Industrie-Ikonen ehrte.
Das Fallout-76-Debakel
Eigentlich hätte sich Howard zu diesem Zeitpunkt bereits zur Ruhe setzen können. Doch der damals 47-Jährige denkt gar nicht daran, zumal er längst in neue Projekte involviert ist, allen voran Fallout 76. Das erste Multiplayer-Spiel der Bethesda Game Studios wird am 30. Mai 2018 mit einem Teaser-Trailer enthüllt. Binnen kürzester Zeit entsteht ein riesiger Hype um ein Spiel, das Howard dann zur E3 2018 im Detail präsentiert. Und zugegeben, das Prequel zu allen bisherigen Fallout-Titeln klingt fantastisch.
Quelle: Bethesda
Schick designte Monster wie dieses können leider nicht über den völlig verkorksten Start von Fallout 76 im November 2018 hinwegtäuschen. Dank unzähliger Updates und Erweiterungen kann man den Titel aber mittlerweile durchaus empfehlen – vor allem auch als Online-Koop-Erfahrung.
Eine Welt, viermal so groß wie die von Fallout 4, angesiedelt im apokalyptischen West Virginia, aufgeteilt in sechs Regionen, mit einem jeweils ganz eigenen Stil, haufenweise brandneue Kreaturen, ohrwurmige Country-Musik-Untermalung (Stichwort: "Take Me Home, Country Roads") und all das angetrieben von einer stark modifizierten Creation Engine, die unter anderem Wetterphänomene selbst über gigantische Entfernungen hinweg darstellen kann - auf den ersten Blick verspricht Fallout 76 riesiges Potenzial und macht unglaublich neugierig. So neugierig, dass selbst der US-Bundesstaat West Virgina kurz darauf einen gigantischen Anstieg der Touristenzahlen verzeichnet.
Als das Spiel dann jedoch am 14. November 2018 erscheint, muss Bethesda einen Wertungstiefschlag nach dem anderen einstecken. Kein Wunder, denn die Palette an Problemen ist riesig und reicht von langweiligen, teils unfertigen Quests und fehlenden menschlichen NPCs über massive Performance- und KI-Probleme bis hin zu fiesen Komplettabstürzen. Knapp ein Vierteljahrhundert nach seinem Karrierebeginn bei Bethesda erlebt Todd Howard, damals ausführender Produzent, ein Desaster, das kurz davor ist, das Image der Marke Fallout ernsthaft zu beschädigen. Verstärkt werden diese Sorgen durch die Tatsache, dass sich die Stimmung in der Community rapide verschlechtert.
Bethesda nimmt sich diese Kritik glücklicherweise schnell zu Herzen und versucht, die gröbsten Schnitzer mit verschiedenen Software-Flicken zu beheben. Außerdem stellt man allen Spielern kurz vor Weihnachten 2018 als Entschädigung die Fallout Classic Collection auf PC kostenlos zur Verfügung. Howard gibt zudem zu verstehen, dass es ein Irrtum war, vor Release kein weiteres Feedback im Rahmen eines Beta-Tests gesammelt zu haben. Gleichzeitig sagt er der Community anhaltenden Support zu. Weil sich viel Kritik auf einzelne Gameplay-Elemente bezieht, wird intern außerdem beschlossen, ein gigantisches Rundum-Update in Angriff zu nehmen.
Quelle: Bethesda
Mit dem gigantischen Wastelanders-Update gelingt es Howard und seinem Team, den irrlichternden Fallout-76-Zug im April 2020 wieder auf die richtige Spur zubringen. Endlich mit dabei: menschliche NPCs.
Letzteres hört auf den Namen Wastelanders, erscheint am 14. April 2020 und schafft es in der Tat, viele Gameplay-Probleme auszubessern oder zumindest stark abzumildern. Aus dem gestürzten Ikarus wird inzwischen langsam ein Phönix, der langsam aus der Asche aufsteigt und sich dank immer neuer Updates fortan in ein sehr unterhaltsames Online-Spiel verwandelt. "Wir haben die Leute im Stich gelassen und waren in der Lage zu lernen und dadurch besser zu werden", gibt Howard während eines Ask-Me-Anything-Events auf Reddit im November 2021 offen zu. "Drei Jahre später haben wir das Glück, dass Fallout 76 einer unserer meistgespielten Titel ist. Und das wiederum verdanken wir den elf Millionen Spielern, die es zu einer unglaublichen Community gemacht haben. Am Ende hat es zu uns zu viel besseren Entwicklern gemacht."
Zukunftsaussichten: Starfield, TES 6 und Indiana Jones
Und was plant Howard für die Zukunft? Eine ganze Menge! Ganz oben auf seiner Agenda steht das 2018 erstmals angekündigte Action-Rollenspiel Starfield, das er als Spieldirektor maßgeblich verantwortet. Starfield nutzt die Creation Engine 2, soll am 11.11.2022 (genau elf Jahre nach Skyrim) für Windows PCs und Xbox Series X/S erscheinen und wird von Howard bisher vage als "Skyrim im Weltraum" umrissen. Istvan Pely, leitender Künstler von Starfield, beschreibt es indes als "NASA Punk" und spielt damit auf die Tatsache an, dass sich viele Technologien im Spiel auf NASA-Technik zurückführen lassen.
Quelle: Bethesda
Erste Ingame-Sequenzen aus Starfield lassen auf Großes hoffen. Erscheinen soll es exakt elf Jahre nach Skyrim am 11. November 2022. Ob die Coronapandemie der ambitionierten Weltraum-Odyssee terminlich doch noch einen Strich durch die Rechnung macht?
Zur Geschichte ließ Bethesda ebenfalls schon einige Details durchsickern. Demnach spielt diese in einem kleinen, 50 Lichtjahre von der Erde entfernten Sonnensystem und skizziert eine Welt, in der ein brüchiger Frieden zwischen den zwei größten, einst verfeindeten Raumfahrernationen herrscht. Als Frischling der Weltraumorganisation Constellation besteht eure Aufgabe im Jahr 2330 nun darin, die sogenannten "Besiedelten Systeme" zu erkunden, ihre Geheimnisse zu lüften und euch mit verschiedensten Fraktionen herumzuschlagen, darunter die Ecliptic-Söldner, die Piraten der Crimson Fleet, die wilden Spacers sowie die religiösen Fanatiker von Haus Va'ruun. Klingt vielversprechend? Definitiv! Damit sich das Projekt besser einschätzen lässt, müssen Captain Howard und seine Crew allerdings erst einmal tatsächliches Gameplay zeigen.
Gleiches gilt für The Elder Scrolls 6. Ebenfalls 2018 mit einem kurzen Teaser-Trailer angekündigt, soll der nächste Teil der Fantasy-Saga laut Howard erst nach der Fertigstellung von Starfield erscheinen. Realistisch betrachtet ist hier also nicht vor Ende 2023 oder 2024 mit einem Release zu rechnen. Die Wartezeit zwischen Gameplay-Enthüllung und Veröffentlichung möchte Howard im Optimalfall trotzdem kurzhalten. "Ich mag es, wenn du ein Spiel erst dann so richtig zu sehen bekommst, wenn es kurze Zeit später erscheint", so Howard 2020 in einem Interview mit dem US-Portal IGN.
Quelle: Bethesda
Mehr als einen kurzen Kameraschwenk über einen Schreibtisch bekamen wir von Bethesdas Indiana-Jones-Spiel bisher nicht zu sehen. Wer den ersten Teaser genau analysiert, findet allerdings schnell heraus, dass es Indy 1937 unter anderem nach Rom verschlägt und er dort wohl den Vatikan besucht.
Bliebe noch Howards drittes Baby: ein bisher noch namenloses Indiana-Jones-Spiel, das derzeit von den Wolfenstein-Machern MachineGames in Schweden entwickelt wird. Howard fungiert dort als Executive Producer und ließ bereits im November 2021 verlautbaren, dass sich Indy-Fans auf eine komplett neue Geschichte freuen dürfen, die er zusammen mit MachineGames entworfen habe. Wann genau der legendäre Schatzsucher seine nächste Reise antritt, ließ er dabei jedoch ebenso offen wie konkrete Details zu Gameplay und Story.
"Great games are played, not made": Mit diesem Leitspruch, der letztlich darauf abzielt, dass ein Entwickler sein eigenes Spiel immer wieder spielen und verfeinern muss, hat Todd Howard Bethesda zu einem den angesehensten Rollenspiel-Studios der Welt gemacht.
Doch wie seht ihr das eigentlich? Haben die Bethesda Game Studios nach dem holprigen Start von Fallout 76 ihre besten Zeiten bereits hinter sich? Welche von Howards Spielen konnten euch am meisten begeistern? Und auf welches seiner drei neuen Projekte seid ihr besonders gespannt? Wir freuen uns auf euer Feedback in den Kommentaren.
