Hilfe, Videospiele werden immer länger! ... Oder stimmt das gar nicht?

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Hilfe, Videospiele werden immer länger! ... Oder stimmt das gar nicht?
Quelle: Nintendo

Videospiele sind heutzutage viel zu lang, wird gerne behauptet. Aber stimmt das wirklich? Wir gehen auf Basis von Zahlen und Fakten auf Spurensuche.

Wollen sie also für eine Spielereihe einen neuen Teil entwickeln, können sie auf Maps, Animationen, Charaktere und sonstiges aus Vorgängern zurückgreifen und sparen sich so Zeit und Geld. So können sie den neuen Teil ohne hohe Mehrkosten größer gestalten als den Vorgänger und sorgen dabei dafür, dass der Spieler länger beschäftigt bleibt.

Zudem ist es schlichtweg billiger für Entwickler, ein bereits existierendes Game um zehn Stunden zu verlängern, als ein komplett neues mit zehn Stunden Spielzeit zu entwickeln.

Die Wiederverwendung von Content sieht man zum Beispiel bei der Map von The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom, welches größtenteils die gleiche Oberwelt wie der Vorgänger Breath of the Wild verwendet bzw. auf dieser aufbaut, oder bei Horizon Forbidden West, welches Animationen des Vorgängers Zero Dawn wiederverwendet. Auch Ubisoft bedient sich gerne an dieser Methode.

Ein weiterer Grund, warum Games uns zu lang vorkommen, ist, dass mittlerweile einfach so viele Videospiele veröffentlicht werden, dass man schnell den Überblick verliert. Allein 2023 wurden ganze 14.000 neue Spiele auf Steam veröffentlicht - so viele wie noch nie. Zum Vergleich: im Jahr 2013 waren es nur 435. Wer hat bei dieser schier überwältigenden Anzahl an Spielen heutzutage schon die Zeit, sich über 100 Stunden mit demselben Titel zu beschäftigen?

Das bringt uns zum letzten und bereits am Anfang angeführten Punkt. Vielen fehlt einfach die Zeit, 50, 100 oder sogar mehrere Hundert Stunden in ein Spiel zu stecken. Vor allem die Gelegenheitsspieler bevorzugen kompaktere, simplere Games und greifen daher nicht selten auf die meist kürzeren Indie-Titel zurück.

RDR2 Enhanced Edition Quelle: Rockstar Games Aber auch bei Hardcore-Gamern ist eine "riesige Open-World, die größer ist als jemals zuvor" nicht mehr das Kaufargument, das es einmal war. Es stellt sich nämlich immer die Frage, ob diese Vergrößerung wirklich aus reinem Spielspaß - also gut geschriebenen Quests oder malerischen Umgebungen - besteht, oder doch nur aus reihenweise Sammelaufgaben und ähnlich repetitiven Features.

Mehr und mehr und mehr und mehr ...

Wir leben in einer Welt, in der immer alles größer, besser und schöner sein soll, als das, was davor kam, während trotzdem stets alles schnell gehen muss. Auch ein Gamer hat in seinem Leben Verpflichtungen und verbringt nur eine limitierte Zeit auf diesem Planeten, weshalb nicht jeder bereit ist, über 100 Stunden in ein und dasselbe Game zu stecken.

Dass Videospiele - vor allem Open-World-Spiele - länger werden bzw. scheinen, hat finanzielle Gründe, kommt aber auch daher, dass wir uns durch die schier unendliche Auswahl an Videospielen auf dem Markt überfordert fühlen bzw. das Älterwerden unserer Freizeit immer mehr einen Strich durch die Rechnung macht.

Während es durchaus Titel gibt, die ihrer Länge gerecht werden - als Beispiele seien erneut Red Dead Redemption 2 oder The Witcher 3 genannt -, gibt es ebenfalls Titel, denen ein kompakterer Spielfluss gutgetan hätte. Gamer, vor allem 100%-Zocker, sollten sich keineswegs verpflichtet fühlen, einem Spiel mehr Zeit zu schenken als nötig, wenn man keinen Spaß mehr daran hat und sich der Backlog weiter vergrößert. Gaming ist nämlich immer noch ein Hobby und keine Arbeit.

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