Videospiele sind heutzutage viel zu lang, wird gerne behauptet. Aber stimmt das wirklich? Wir gehen auf Basis von Zahlen und Fakten auf Spurensuche.
Wie schon bei der Hauptstory allein ist, Resident Evil auch, was die 100 % betrifft, seit Resident Evil 6 kürzer geworden. Der besagte Titel sticht hier wieder als längstes Spiel der Reihe heraus. Die zwei Nachfolger Resident Evil 7 und Village nehmen für die Hauptstory, wie bereits erwähnt, ungefähr gleich viel Zeit in Anspruch, für die 100 % muss man beim aktuellsten Vertreter der Resident-Evil-Reihe, Village, allerdings mit zehn Stunden mehr rechnen.
Quelle: PC Games
Quelle: PC Games
Der Vergleich 4: Die knallharten Fakten
Ziehen wir also Bilanz: Von der Hauptstory her verlängerten sich acht, also gut die Hälfte, der Franchise aus diesem Vergleich, bei zwei davon hat sich der aktuellste Titel im Vergleich zu dem davor allerdings verkürzt. Vier Spielereihen haben sich auf eine bestimmte Länge eingependelt. Drei Franchise verkürzten sich sogar über die Jahre, bei zweien davon hat sich der aktuellste Titel im Vergleich zu dem davor wieder verlängert.
Bei den geschätzten Spielstunden für die 100 % sieht das Resultat folgendermaßen aus: hier verlängern sich ebenfalls acht Franchise, bei nur einem davon hat sich der aktuellste Titel im Vergleich zu dem davor verkürzt. Drei Spielereihen zeigen in ihren Spielstunden keine auffälligen Veränderungen. Vier Franchise verkürzen sich, bei zwei davon hat sich der aktuellste Titel im Vergleich zu dem davor wieder verlängert.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Daten aus dieser Probe von Spielereihen - die wie bereits erwähnt zu den bestverkauften Franchise der Videospielgeschichte gehören - ergeben, dass Videospiele sich tatsächlich tendenziell verlängern - wenn auch nicht so extrem, wie man glauben mag.
Es sind nämlich vor allem die Open-World-Games, die gerade in den letzten Jahren enorm an Länge zunahmen. Nicht umsonst stehen Starfield oder die bereits erwähnten Assassin's-Creed-Spiele in der Kritik, Gamer für über 100 Stunden an Spielzeit zu beschäftigen, von denen ein großer Teil nur aus monotonen Quests oder sogar Grinden besteht.
Quelle: Ubisoft
Doch nicht nur repetitive Quests und die Notwendigkeit von Grinden können ein Spiel unnötig in die Länge ziehen. Wie wir bereits gesehen haben, tragen auch überflüssig lange Tutorials, Achievements oder Backtracking zur derartigen Erhöhung der durchschnittlichen Spieldauer eines Games bei. Dasselbe gilt für eine übermäßig hohe Anzahl an Ladebildschirmen - Stichwort Starfield.
Jetzt, wo wir festgestellt haben, dass es hauptsächlich Open-World-Spiele sind, die immer mehr Zeit fordern, bleibt noch zu klären, weshalb das so ist.
Warum werden (Open-World-) Spiele immer länger?
Die Verlängerung der Open-World-Spiele kommt nicht von ungefähr. Wie Chris Plante, der Chefredakteur und Mitbegründer der Seite Polygon in einem Interview mit der Washington Post erklärt, gehe es den Entwicklern darum, zu kontrollieren, wie Konsumenten ihre Zeit verbringen.
Brendan Keogh von der Queensland University of Technology stellte fest, dass Entwickler es sich zum Ziel setzen, Spieler so lange wie möglich mit ein und demselben Game zu beschäftigen. Denn je mehr Zeit ein Konsument in einem Spiel verbringt, desto wahrscheinlicher wird es, dass er sich zusätzlichen Content für dieses Game kauft.
Für Ubisoft schien dieser Plan aufzugehen: tatsächlich wurde Assassin's Creed Valhalla, das drei große DLCs bekam, mit über einer Milliarde Dollar Profit zum zweit profitabelsten Game der Ubisoft-Geschichte. Auch Phantom Liberty, der DLC des ohnehin schon umfangreichen Spiels Cyberpunk 2077, verkauft sich sehr gut, und die DLCs vom ebenfalls zeitaufwendigen Destiny 2 sorgen regelmäßig für neue Spielerzahlenrekorde auf Steam.
Neben DLCs und sonstigen In-Game-Käufen ist es natürlich auch die Technologie, die Entwickler immer wieder vorantreibt, ihre Spieler länger und länger zu gestalten. Die neueste Technik erlaubt es Herstellern nicht nur, ihre Titel mit kontinuierlich mehr Content zu füllen, sondern macht es ihnen auch möglich, auf bereits existierenden Features aufzubauen.
