Elden Ring Shadow of the Erdtree ließ unseren Autor an seinen Gaming-Skills zweifeln. Dann entdeckte er einen seltsamen Crash-Kurs - und endete mit Boxhandschuhen vor dem Monitor.
Es ist Zeit, ein Tabuthema anzusprechen. Eines, das viele von uns quält, über das aber kaum jemand redet. Seit vielen Jahren war auch ich ein Betroffener, ohne es zu wissen, heute oute ich mich: Ich bin ein Lamer. Wie in Flachpfeifenzocker, Möchtegerngamer, Aim-assist-Warmduscher. Jahrzehntelang hielt ich mich für einen Gaming-Nerd, dann ging mir auf, wie ernst es um mich steht. Neulich, an der Spitze des schwebenden Palastes Enir-Lim.
Der Wind raunte geheimnisvoll dort oben, auf den gewundenen Treppen über den Wolken der Welt von Elden Ring. Wie ein flüsternder Chor, der meiner Stufe-208-Magierin noch eine letzte Botschaft mitgeben wollte, ehe wir uns dem finalen Kampf am Ende unserer Reise stellten.
Über 270 Stunden hatten wir das Zwischenland erkundet, die Unterwelt, das Schattenreich, hatten gegen Feuerriesen, Magmalindwürmer und die Königin des Vollmonds gekämpft, waren unzählige Tode gestorben - und hatten doch stets obsiegt. Welche Warnung konnte der wispernde Wind also noch für uns haben? Es spielte keine Rolle.
Furchtlos stürmte die Magierin auf das Portal zu, an ihrer Seite die herbeigerufenen Gefährten: ein Samurai mit Katana und ein Prophet mit einer magischen Sonnenblume. Ein letztes Innehalten, Tinkturen und Präparate geschluckt, Segen gewirkt - dann traten wir durch das wabernde Tor.
Über eine Wüstenlandschaft ragte ein Turm aus verschmolzenen Leibern, davor ein Hüne, doppelt so groß wie wir. Auf goldener Rüstung ein Helm mit langen Hauern, glühende Augen, eine Mähne wie aus Flammenzungen. Er hob mit grabsteingroßen Fäusten zwei Schwerter und stürmte los. Doch siegesgewiss schwang meine Magierin ihren Schimmersteinstab, saugte Lichtwogen aus dem Äther, bündelte sie zu einer Funkenkugel und ... war mit einem Schlag tot.
Äh, wie jetzt? Tot? Komm, noch mal: Gefährten rufen, Tränke, Artefakte, Segen, hopp, hopp durchs Portal, heroisch voranstürmen ... schon wieder tot?? Nä! Jetzt mal taktisch, also rein und ... tot. Öhm, vielleicht besser mit diesem Artefa- ... tot. Ey leckomio, ich nehm' den anderen Zaub- ... tot. Vielleicht das Mondschleier-Katan- ... tot. Moment m- ... tot. Wa- ... tot.
Bildergalerie
67 Tode später
Zusammengesunken saß ich vor den blutroten Buchstaben "YOU DIED". Tatsächlich war etwas in mir gestorben: der Glaube, ein echter Gamer zu sein. Ich starrte auf meine Hände und fragte mich: Waren sie es nicht, durch die ich in Pitfall über Krokodilköpfe gesprungen war? In Last Ninja 2 Shuriken geworfen hatte? In Unreal Tournament Mo-mo-mo-monsterkills erzielt hatte?
Wenn ich so in Elden Ring scheiterte - was konnte ich wirklich über Games wissen? Was sollte ich tun? Was durfte ich nun noch hoffen?
Und wie so oft in Momenten existenzieller Krisen, wenn Verzweiflung über Vernunft siegt, tat ich, was man klaren Kopfes nie tun sollte: Ich fragte das Internetz.
(Disclaimer: Aus Gründen von Länge und Datenschutz wird folgende Diskussion in vereinfachten Auszügen wiedergegeben)
Ich: "Moin Internetz!"
Internetz: "Trololol, Danny, 4lter n00b! Schon g3sehen, wie h4rt du suxx0rzt in 3ld3n r1n9! rofl!"
Ich: "Ich glaube, da ist was mit deiner Tastatur ... äh ja, also wegen Elden Ring ..."
Internetz: "Megalulz! pwned! ub3rpwn4ge!!!"
Ich: "Ja, ja, ich weiß, also hättest du da vielleicht einen Tipp, wie ich beim Bossgegner Radahn besser ..."
Internetz: "NOCH b3ss3r??? D1gger, 4usgeschloss3n bei d31n3n r0xx0r-sk1llz!! roflbtc!!! Mu4h4h4h4h4h4h4!!"
Ich: "Ja, witzig. Öh, aber hättest du einen Tipp, wie ich da durchkomme? Also, ich hab' leider trotz herbeigerufener Gefährten ..."
Internetz: "Cheesing!"
Ich: "... und Lusats Schimmersteinstab+10 ..."
Internetz: "Cheezing!!"
Ich: "... und des Drachengroßschildtalismans ..."
Internetz: "Ch33z1n9!!!"
Ich: "... und der Halbmondkrone der Königin ..."
Internetz: "Ch33z1n9!!11einseinself"
Ich: "... noch nicht so durchschlagenden Erfolg."
Internetz: "lulz, Jung3! Git gud!!!"
Ich: "Wäh?"
Internetz: "Git gud! Hör 4uf zu ch33z3n: n0 pl4y3r summ0nz, n0 sp1r1t 4sh3z, n0 4rm0r, n0 sp3llz, n0 t4l1sm4nz, n0 w34p0nz - just ub3rl33t-h4xx0r-sk1llz! Git gud! Diggie, wir m4ch3n 7-Tage-1nt3ns1v-pr0gr4mm, j3d3n t4g e1n3 neu3 Mi55i0n für d1ch. m4ssiv3 g4inZ! Git gud!"
Ich: "Massive Gains, ja gut, äh, gud. 7 Tage! Nett von dir! Bis morgen, tschüssi!"
Internetz: "C j00, l4m0r!"
Tag 1: Doom Eternal - ohne Fadenkreuz
Mi55i0n: r1p 4nd 7ear, suXx0r - 4ber r0xx0r-styl3, 0hn3 l4m3 cr0ssh41rZ!!!
Quelle: Danny Kringiel
"Pah, Doom spiel' ich seit Teil eins - der hatte auch kein Fadenkreuz!", denke ich, als der Spielstand lädt. Immerhin habe ich Doom Eternal 2020 durchgezockt - und mit solchen Ballerballett-Shootern meine Studienzeit verbracht!
Wie schwerelos doublejumpe und dodge ich wieder durch die infernalischen Maps, mähe mit der Chaingun Zombies wie Grashalme. Ein Imp springt hervor, ich zerschrote ihn per Shotgun, finishe den Gargoyle dahinter und drehe mich im Sprung, um mit der Plasmakanone den Höllensoldat- ... Mist, wieso geht das links vorbei? Warte ... och komm, nu rechts, halt' mal still!
