Gacha-Games: Der große Report rund um das Phänomen, Seite 2

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Gacha-Games: Der große Report rund um das Phänomen, Seite 2
Quelle: Wright Flyer Studios

Woher kommen Gacha-Games? Wieso sind sie so beliebt? Und was sind die Schattenseiten? Wir werfen in unserer großen Reportage einen ausführlichen Blick auf ein Thema, das Mobile-Gamer auf der ganzen Welt wie kaum ein anderes bewegt.

Nächster im Bunde ist der "Consecutive Gacha". Bei dieser Herangehensweise liegt der Fokus vor allem darauf, zahlungsfreudigen Kunden die Möglichkeit anzubieten, nicht immer nur ein Gacha-Behältnis aus dem virtuellen Gacha-Automaten zu ziehen, sondern mehrere auf einmal. Entscheidet man sich beispielsweise für fünf oder zehn automatisch durchgeführte Gacha-Ziehungen, wird dies obendrein häufig mit Rabatten oder zusätzlichen Geschenken belohnt.

Dass man durch eine Mikrotransaktion fast so viel Geld ausgeben kann wie für zwei PC-Vollpreisspiele, ist in Titeln mit Gacha-Mechanik weit verbreitet. Marvel Strike Force verlangt für eine „Wagenladung Kraftkerne“ satte 109,95 Euro. Quelle: FoxNext Games Dass man durch eine Mikrotransaktion fast so viel Geld ausgeben kann wie für zwei PC-Vollpreisspiele, ist in Titeln mit Gacha-Mechanik weit verbreitet. Marvel Strike Force verlangt für eine „Wagenladung Kraftkerne“ satte 109,95 Euro. Sämtliche Gacha-Mechaniken im Detail zu erläutern, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Fest steht aber, dass die Anpassungen der Mechanismen dem angeschlagenen Markt in Rekordzeit neues Leben einhauchten. Seien es nun die Rollenspiele Granblue Fantasy (2014), Fate/Grand Order (2015) und Final Fantasy: Brave Exvius (2015), das Match-3-inspirierte Dragon Ball Z: Dokkan Battle (2015) oder die Rhythmus-Spiele The Idolmaster Cinderella Girls: Starlight Stage (2015) und BanG Dream! Girls Band Party! (2017) - erst nach dem Regulierungsdämpfer legten viele Hersteller den Grundstein für prominente Gacha-Games-Marken. Marken, die bis heute Bestand haben und eine Millionenpublikum um sich scharen - vielfach auch im Westen.

Um mal ein paar Zahlen in den Raum zu werfen: Seit seinem Release Anfang 2015 wurde Dragon Ball Z: Dokkan Battle bereits 300 Millionen Mal heruntergeladen und erzielte einen Umsatz von mehr als zwei Millionen Dollar. Mehr als doppelt so viel schaffte Fate/Grand Order bis Ende 2019. Eindeutige Spitzenreiter bleiben jedoch das Puzzlespiel Puzzle & Dragons von GungHo Online Entertainment mit insgesamt über 7,7 Milliarden Dollar Umsatz sowie das RPG-lastige Puzzle-Strategiespiel Monster Strike von Mixi mit 8,12 Milliarden Dollar Umsatz. Selbst reguläre Mobile-Games-Schwergewichte wie Clash of Clans von Supercell, Candy Crush Saga von King, Pokémon Go von Niantic oder PUBG Mobile von Tencent Games können da nicht mithalten.

Popularitätsanalyse

In kaum einem Spiel sind klassische Gacha-Automaten so präsent wie in Shenmue. In Teil drei (hier im Bild), können fleißige Sammler unter anderem diesen Sega-Saturn-Schlüsselanhänger abstauben. Das dazu nötige Geld müsst ihr euch durch Aktivitäten im Spiel verdienen. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games In kaum einem Spiel sind klassische Gacha-Automaten so präsent wie in Shenmue. In Teil drei (hier im Bild), können fleißige Sammler unter anderem diesen Sega-Saturn-Schlüsselanhänger abstauben. Das dazu nötige Geld müsst ihr euch durch Aktivitäten im Spiel verdienen.
 
Doch warum genau sind die meist in Japan entwickelten Gacha-Games eigentlich so populär? Was verleitet Spieler auf der ganzen Welt dazu, speziell in dieser Art von Spiel so hohe Summen für Mikrotransaktionen auszugeben? Ein wichtiger Grund ist zweifelsohne die niedrige Einstiegshürde. Praktisch alle Toptitel sind Free2Play, können also ohne Bezahlschranke heruntergeladen und dann direkt gespielt werden. Dazu gesellt sich der starke Anime-Fokus: Ob bei Dragon Ball Z: Dokkan Battle, One Piece Treasure Cruise oder Fate/Grand Order - oft stehen bekannte Anime-Franchises Pate und mobilisieren allein deswegen ein gigantisches Publikum. Zahlreichen Anbietern ist es zudem gelungen, mit viel Herzblut und prominenter Entwicklerunterstützung ganz eigene, faszinierende Spieleuniversen zu etablieren.

Bei Another Eden: The Cat Beyond Time and Space (2017) zum Beispiel zeichnete Masato Kato für Story und Spieldirektion verantwortlich, während Yasunori Mitsuda die Musik beisteuerte - zwei Branchenveteranen, die schon gemeinsam an Rollenspiel-Hits wie Chrono Trigger und Xenogears gearbeitet hatten. Ähnlich verhält es sich mit Granblue Fantasy von Cygames: Während Nobuo Uematsu die Musik lieferte, stammte das Artdesign von Hideo Minaba. Beide kennen sich seit Jahren und werkelten in der Vergangenheit an JRPG-Krachern wie Final Fantasy 10, 11 und 12 sowie an Lost Odyssey. Hinzu kommt das im Kern gelungene Gameplay vieler Top-Titel und der Umstand, dass die Entwickler immer wieder aufsehenerregende Kollaborationen mit anderen bekannten Spielereihen an Land ziehen.

Weitere Erfolgsfaktoren: Geschickt gemachte Gacha-Games bescheren ihren Nutzern vor allem in der Anfangsphase kontinuierlich Erfolgserlebnisse. Erst mit fortschreitender Spieldauer wird das Bewältigen neuer Levels ohne den Einsatz von Gacha-Gewinnen (meist in Form neuer Charaktere) zunehmend beschwerlicher und "Grind"-lastiger. Kommen Gacha-Mechaniken zum Einsatz, greifen außerdem häufig psychologische Strategien, um Mikrotransaktionen zu begünstigen. Gleißende Lichteffekte und pompöse Sounduntermalung beim Öffnen neuer Gachas sind in diesem Genre ebenso fest verankert wie Belohnungen für mindestens einen täglichen Login. Nicht zu vergessen zeitlich strikt begrenzte Events, die mit Hilfe von Gacha-Mechaniken Zugriff auf besonders begehrte, spielbare Charaktere ermöglichen.

Geplünderte Konten, zerrüttete Ehen

Nicht zuletzt dank seiner Gacha-Mechanik und zugkräftiger Kooperationen (wie hier mit Angry Birds) knackte Puzzle &amp; Dragons als erstes Mobilspiel überhaupt die Umsatzmarke von einer Milliarde US-Dollar. <br> &nbsp; Quelle: GungHo Online Entertainment Nicht zuletzt dank seiner Gacha-Mechanik und zugkräftiger Kooperationen (wie hier mit Angry Birds) knackte Puzzle & Dragons als erstes Mobilspiel überhaupt die Umsatzmarke von einer Milliarde US-Dollar.
 
Keine Frage, der immense Erfolg von Gacha-Games ist nicht zu bestreiten. Dennoch kamen in den vergangenen Jahren immer häufiger auch die Schattenschatten zum Vorschein. Ganz vorne mit dabei sind die nicht zu leugnenden Suchteffekte, die in Kombination mit dem allgegenwärtigen, Gacha-bedingten Glücksspielaspekt eine teils verheerende Sogwirkung entfesseln können.

So machten beispielsweise im Frühjahr 2016 Berichte von einem japanischen Grandblue-Fantasy-Spieler namens "Taste" die Runde, der an einem einzigen Tag 2.276 Versuche startete, um über die spielinterne Gacha-Maschine die Figur Anchira freizuschalten. Die dafür nötigen Ingame-Kristalle kosteten ihn an jenem Tag 6.065 Dollar.

Ein Jahr später outete sich ein US-Amerikaner namens "Nothing024" in einem bewegenden, über 2650 Worte langen Reddit-Post und gestand öffentlich, dass der im Laufe mehrerer Monate 15.800 Dollar in Final Fantasy: Brave Exvius versenkt hatte. Seine Frau zeigte sich wie zu erwarten wenig erfreut und stand sogar kurz davor, die Scheidung einzureichen.

Die Geständnisse von "Taste" und "Nothing024" sind allerdings nur zwei von vielen. Wer aktiv nach Leidensgeschichten von Betroffenen sucht, der findet recht schnell viele weitere, emotional teils sehr aufwühlende Schilderungen mit einer zentralen Gemeinsamkeit: Nahezu alle Whales -der Fachbegriff für besonders spendierfreudige Spieler - gerieten in eine Suchtspirale, der sie ohne fremde Hilfe oft nur schwierig entfliehen konnten.

Die gute Nachricht für diese Zielgruppe: Seit dem Lootbox-Skandal rund um Star Wars Battlefront 2 im Jahr 2017 fand in mehreren Ländern ein Umdenken statt. Belgien etwa erklärte Lootboxen für illegal und zwang dadurch gleichzeitig auch Hersteller der artverwandten Gacha-Games, ihre Titel entsprechend anzupassen. Wer das nicht konnte oder wollte, musste sich vom Markt zurückziehen. So geschehen unter anderem bei Nintendo, die die ebenfalls mit Gacha-Mechaniken gespickten Free2Play-Spiele Animal Crossing: Pocket Camp und Fire Emblem: Heroes am 27. August 2019 in Belgien offline schalteten. Bandai Namco hingegen wählte einen Zwischenweg und deaktivierte in Dragon Ball Z: Dokkan Battle lediglich den Kauf von Drachensteinen, Summon Tickets sowie allen Item Packs, die diese Objekte enthielten.

Und wie steht ihr zu Gacha-Games? Könnt ihr den viel zitierten Suchtfaktor bestätigen? Wie viel Geld habt ihr bereits in diese Art von Spiel investiert? Was sollte hierzulande getan werden, um Verbraucher noch besser vor den potenziellen Risiken zu schützen? Schreibt es uns in die Kommentare!

Bildergalerie

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