Frostpunk Brettspiel ausprobiert: Koop-Survival für Experten - jetzt erhältlich!
Special 53,99 €
Auf PC und Konsolen kann man der Eis-Apokalypse in Frostpunk bereits seit ein paar Jahren trotzdem, doch bald wird das auch am heimischen Tisch mit Frostpunk: Das Brettspiel möglich sein. Wir haben es ausprobiert und erläutern, warum die Umsetzung nicht nur für Fans der PC-Vorlage guten Eindruck macht. Seit Januar kann man das Brettspiel nun auch kaufen.
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Update vom 30.01.: Ursprünglich hatte Hersteller Frosted Games gehofft, Frostpunk: Das Brettspiel rechtzeitig für den Verkauf zum Weihnachtsgeschäft in den Handel zu bringen. Aufgrund von Lieferverzögerungen hat das jedoch nicht geklappt. Jetzt ist die Brettspiel-Umsetzung des beliebten Strategiespiels von 11 bit Studios aber endlich erhältlich! Unter anderem könnt ihr das Brettspiel auf Amazon oder bei Pegasus Spiele, dem offiziellen Partner von Frosted Games bestellen. Im Folgenden könnt ihr ihr unsere Spieleeindrücke von einer Probepartie im November mit einer fertigen Sample-Version des Brettspiels lesen.
Brettspiel-Umsetzungen von beliebten PC- und Konsolenspielen sind bereits seit einigen Jahren im Kommen. Und wieso auch nicht, schließlich geben die Videospiele oftmals viel her als Vorlage für mechanisch interessante und spaßige Brettspiele für ein gemütliches Miteinander am heimischen Wohnzimmertisch. Speziell im Segment der Strategie- und Aufbauspiele haben schon einige große Namen ihren Weg in die Brettspiel-Abteilung des Einzelhandels gefunden. Von Anno 1800, über Civilization bis hin zu Cities: Skylines kann man so einige Strategie-Hochkaräter bereits abseits des Bildschirms erleben. Dank einer sehr erfolgreichen Kickstarter-Kampagne (beinahe 2,5 Mio Euro gesammelt) gesellt sich sehr bald nun auch Frostpunk: Das Brettspiel dazu. Wir konnten die Brettspiel-Adaption des erfolgreichen Aufbau-Hits in einer mehrstündigen Partie ausprobieren und verraten euch, was das kooperative Expertenspiel so zu bieten hat.
Überlebenskampf nach Umweltkatastrophe
Wie im PC-Äquivalent lenkt ihr in Frostpunk: Das Brettspiel die Geschicke einer Kolonie, die in einem Endzeit-Szenario ums Überleben kämpft. Durch eine radikale Reduzierung der Temperaturen und ständige Schneestürme ist die Welt, wie wir sie kennen, dem ewigen Eis und Schnee zum Opfer gefallen. Nur ein paar wenige haben diese Katastrophe überlebt und rotten sich in Kratern um einen wärmespendenden Generator zusammen. Die Temperaturen sind tief, die Ressourcen ständig knapp, die Einwohner sind oft von Krankheiten geplagt und die Probleme nie enden wollend. Eure Aufgabe besteht darin, die Kolonie durch diese schweren Zeiten zu führen, ohne an einer der Verlustbedingungen zu scheitern. Und derer gibt es viele! So dürfen die Kolonisten weder sämtliche Hoffnung verlieren noch darf die Unzufriedenheit ausufern. Auch bei zu vielen Kranken, Hungernden oder Toten ist Schicht im Schacht und wenn der Generator zu häufig überhitzt, war es das ebenso. Um zu gewinnen müsst ihr das Hauptziel des jeweiligen Szenarios erfüllen - entweder als Solo-Spieler oder in Kooperation mit bis zu drei Mitspielern.
Quelle: PC Games
Alle relevanten Spielmaterialen fürs Basisspiel aufgebaut.
Hohe Komplexität und Spieltiefe
Ausgespielt wird das mit Landschafts- und Gebäude-Plättchen, diversen Status-Tableaus samt Markern, Rohstoff-Klötzchen sowie einer Vielzahl von Karten. Seine Einordnung in die Expertenspiel-Kategorie hat sich Frostpunk redlich verdient. Wenn alles aufgebaut ist, was für eine Partie erfordert wird, ist ein handelsüblicher Wohnzimmertisch bereits voll. Entsprechend umfangreich kommt das 44-seitige Regelbuch daher, das nicht nur die vielen Spielmechaniken erläutert, sondern auch anschauliche Beispiele zur Regelerklärung anwendet. Frostpunk ist kein Spiel für eine lockere Stunde seichten Familienspaßes, hier sprechen wir von einem Brettspiel, das die Komplexität eines Siedler von Catan oder Kingdom Builder signifikant übersteigt. Schon die Tatsache, dass eine Runde im Spiel in neun Phasen unterteilt ist, dürfte Gelegenheitsspieler einschüchtern. Doch auf der anderen Seite bietet es eben auch viel Tiefe und Wiederspielwert.
Quelle: Frosted Games
Eni paar beispielhafte Gesetzeskarten
Diese Spieltiefe zeigt sich besonders gut durch die verschiedenen Möglichkeiten, Herausforderungen anzugehen. Wenn es zum Beispiel mehr hungrige Mäuler zu stopfen gibt, als Nahrungsmittel im Lager sind, habt ihr verschiedene Optionen, um der Lage Herr zu werden. Die offensichtlichste Lösung wäre natürlich, mehr Nahrung ranzuschaffen - zum Beispiel durch das Einteilen von Arbeitskräften in Jagdhütten oder Treibhäuer. Sofern ihr solche denn zuvor gebaut habt und diese in der aktuellen Runde noch nicht genutzt wurden. Oder aber ihr verabschiedet das "Zusatzstoffe"-Gesetz, das analog zu der Variante im PC-Spiel den Köchen erlaubt, Sägemehl in die Mahlzeiten zu mischen. Dadurch werden diese sättigender und ihr könnt ein Mal pro Runde mit nur zwei Nahrungsmitteln zehn Hungermarker tilgen. Doch das hat natürlich Folgen, schließlich ist Sägemehl im Essen alles andere als gesund. Durch dieses Verhalten handelt ihr euch eine Gier ein - einen der verschiedenen Unzufriedenheits-Marker. Zu viele davon zu haben ist nie gut, denn dadurch werdet ihr bei Ereigniskarten womöglich von schlimmeren Konsequenzen erwischt. Habt ihr sogar sechs davon angesammelt, ist die Partie komplett verloren, da die Kolonisten ihren Glauben in eure Führungseigenschaften verlieren. Gleiches gilt übrigens, wenn der letzte Hoffnungsmarker verschwindet, wodurch sämtliche Hoffnung zu Überleben bei den Bewohnern verloren ist.
Balanceakt zwischen Kälte und Hunger
Eine Partie Frostpunk zu spielen, besteht daher zu gleichen Teilen aus vorsichtigem Ausbau der Kolonie und ständigem Krisenmanagement. Reicht die Kohle, um den Generator ausreichend zu befeuern, um alle relevanten Gebäude vor der Kälte zu schützen? Lohnt es sich, Späher in die Eisöde zu entsenden, um eventuell wertvolle Rohstoffe zu ergattern? Für welche Aufgaben werden die grundsätzlich zu wenigen Teams aus Arbeitern, Ingenieuren und (sofern das per Gesetz vorher ermöglicht wurde) Kindern eingeteilt? Ist es an der Zeit, neue Segmente um den Generator vom Schnee zu befreien, um dort eventuell Rohstoffe aufzudecken und neuen Bauplatz zu erhalten? All diese und viele weitere Entscheidungen trefft ihr stets gemeinsam. Falls es zu keinem Kompromiss kommt, entscheidet in letzter Instanz der Anführer - eine Rolle, die jede Runde im Uhrzeigersinn wandert. Das Schöne an Frostpunk ist dabei, dass es keine "richtige" oder "falsche" Entscheidung gibt. Es geht mehr darum, womit sich die Gruppe in der aktuellen Lage am wohlsten fühlt. Zumal man bei Ereigniskarten manche Konsequenzen erst später zu spüren bekommt und diese nicht unbedingt abschätzen kann, bis man die Karten alle auswendig kennt. Das dürfte allerdings einige Partien dauern bei 135 Ereigniskarten, 44 Szenariokarten, 40 Expeditionskarten und mehr.
Generator-Würfelturm und Erweiterungen
Besonders gefallen hat uns beim Probespielen auch der haptische Aspekt des Spiels. Das in der Basis-Version des Spiels (wird übrigens ca. 100 Euro kosten) enthaltene Spielmaterial ist gut verarbeitet und bietet neben den üblichen Plättchen und Holzklötzchen auch ein 3D-Modell des Generators aus robustem Kunststoff, der als Würfelturm genutzt wird. Denn jedes Mal, wenn wir Kohlestücke verheizen, werfen wir diese oben rein und diese fallen an den Streben im Inneren vorbei in einen Auffangbehälter. Oder sie bleiben mit etwas Glück hängen! In diesem Fall ist temporär die Belastung des Generators geringer.
Quelle: PC Games
Der Generator dient als Würfelturm für den Kohleverbrauch. Man kann ihn auch abseits der Kolonie platzieren für eine bessere Übersicht.
Da Frostpunk: Das Brettspiel wie eingangs erwähnt ein Kickstarter-Erfolg ist, gab es auch entsprechende Zusatzziele, die in diversen Erweiterungen resultiert sind, mit denen man das Spielerlebnis noch edler gestalten kann. Für einen Aufpreis von je 40 bis 90 Euro können verschiedene Sets erworben werden, mit denen die Plättchen aus Pappe mit weiteren 3D-Modellen aus Holz oder Kunststoff ersetzt werden. Auch eine Spielmatte für 40 Euro wird kann man sich für ein besseres Spielerlebnis direkt im Shop von Frosted Games holen - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war diese allerdings nicht mehr vorrätig. Das Brettspiel selbst ist dagegen unter anderem auf Amazon oder bei Pegasus-Spiele erhältlich.
Quelle: PC Games
Die Info-Tableaus geben Übersicht über wichtige Dinge in der Kolonie wie Arbeitermenge, Hunger, Krankheitsstand etc.
Für wen lohnt sich das Spiel?
Kenner des digitalen Spiels merken sicher schon, dass sich das Brettspiel in den groben Zügen sehr nah an der Vorlage orientiert. Wie am PC ist die Kolonie stets am Limit, man muss immer wieder spannende Entscheidungen treffen und zwischen Ressourcenmanagement, Expansion, Erkundung, Forschung, Gesetzen und weiteren Aspekten abwägen. Wer das PC-Spiel bereits kennt und erstmals das Brettspiel erprobt (oder umgekehrt), wird diverse Elemente sofort wiedererkennen. Doch Vorkenntnisse sind nicht nötig. Viel eher solltet ihr eine grundlegende Bereitschaft für komplexe und längere Brettspiele mitbringen, wenn ihr den Kampf gegen die Kälte antreten möchtet. Als Spielzeit werden 90 bis 160 Minuten für eine Partie angegeben, wobei wir im Fall von vier Spielern auch mit noch längeren Partien rechnen. Wer sich aber für diese Art Expertenspiel begeistern kann und eine interessante, vielseitige kooperative Spielerfahrung für seine Brettspielgruppe sucht, sollte Frostpunk: Das Brettspiel im Auge behalten.
Meinung
Wer durch Frostpunk: Das Brettspiel nun auf den Geschmack gekommen ist oder einfach nur ein gutes Aufbauspiel sucht, dem sei der Griff zu Frostpunk am PC oder auf Konsolen geraten. Denn das bietet auch mehr als vier Jahre nach Release immer noch ein gute Spieltiefe und eine angenehm knackige Herausforderung. An Erfolg mangelt es dem Aufbauspiel von 11 bit Studios ebenfalls nicht, daher ist auch schon ein Nachfolger in Entwicklung, für den es allerdings noch kein Releasedatum gibt. Lasst uns auch gerne in den Kommentaren wissen, welche Brettspiel-Umsetzungen zu digitalen Games ihr bisher gespielt habt und wie sie euch gefallen haben.
