Eine eSports-Messe zum verlieben - das ist aus der Dreamhack geworden
Special
Die ehemalige Dreamhack und jetzt Gamevasion ist ein absoluter Himmel für Gamer, ganz ohne Warteschlangen.
Noch bevor ich es geschafft habe, auf die Dreamhack zu gehen, hat sie sich dieses Jahr umbenannt und ging als Gamevasion an den Start. Die eSports-Messe besteht aus einer großen LAN-Party und einem angeschlossenen Besucher-Bereich, in dem sich alles ums Thema eSports dreht.
Zumindest dachte ich das, als mir mein Chef gesagt hat, dass ich auf die Messe fahren soll. Oder vielmehr hatte ich es befürchtet. Denn obwohl ich mich vor ein paar Jahren als angehender Schreiberling schon mit eSports beschäftigt habe, hat es nie so richtig Klick gemacht. Wer sich nämlich ein wenig mit eSports beschäftigt, weiß, dass es näher an Sport ist als an Videospielen, und wer sich mit Sport auskennt, weiß, dass es nicht reicht, Basketballprofi zu sein, um sich mit Handball auszukennen.
Was mich bei eSports abgeschreckt hat, ist das extrem weite Feld, welches es umfasst. Fortnite , DOTA , Rocket League , CS:GO und FIFA - äh, EA Sports FC . Und das ist natürlich nur eine kleine Auswahl. Dazu kommen die Spieler, die alle voll drin sind in ihren Themen, bei denen man im Zweifel nicht mitreden kann, wenn man den jeweiligen Titel nicht auf einem entsprechendem Niveau spielt.
Aber zu meiner Erleichterung war die Gamevasion nicht voller hochnäsiger Spieler, sondern genau das Gegenteil war der Fall. Statt um Konkurrenz ging es um das Miteinander und jeder hatte Bock, sein liebstes Hobby mit dem Rest der Community zu teilen.
Bildergalerie
Eine Messe auch für Offline-Gamer
Im Trading-Card-Bereich hat man mich erst eingeladen Magic und dann Star Wars: Unlimited zu spielen, drückte mir einfach fremde Decks in die Hand und verzieh mir jeden Fehler. Da, wo gestreamt wurde, hatten die Influencer sich nicht abgeschottet, sondern winkten einem fröhlich zu und unterhielten sich mit den Leuten. Und im LAN- Bereich blieb ich bei einem Typen hängen, der mit einem aufblasbaren Sofa und einem Röhrenfernseher eine Retro-Ecke geschaffen hatte. Bei dem ganzen Spektakel ging es nie um den Wettbewerb und die Konkurrenz, sondern immer nur um Spiele und das Miteinander.
Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass die Gamevasion eine meiner liebsten Messe war, die ich je besucht habe. Auf der Gamescom verbringt meine seine Zeit vor allem damit, in Warteschlangen und niemandem im Weg zu stehen. Auf der Polaris ist das zwar besser, aber wenn man kein riesiger Japan-Fan ist, dann ist die Hamburger Messe doch etwas zu nieschig. Der deutsche Ableger der EGX hat Corona sowieso nicht überlebt, hat mir aber schon von Anfang an mit Influencern und großen Gesichtern zu sehr auf Stars und zu wenig auf Videospiele gesetzt.
Die Zukunft der Messer
Doch nach der Lobeshymne auf die Gamevasion muss natürlich auch ein "Aber" folgen. Das hat weniger mit dem Aufbau und den Inhalten der Messe zu tun, sondern mit der Zukunft der Veranstaltung. Die ist nämlich noch nicht ganz klar. Die Veranstalter von Freaks 4U möchten weitermachen, aber bis vermutlich noch Ende Januar ist überhaupt erst einmal die Frage: Wo wird das der Fall sein?
Der Vertrag mit der Messe Hannover war nämlich nur auf drei Jahre ausgelegt. Das könnte bedeuten, dass die Gamevasion nach einem neuen Namen schon bald auch ein neues Zuhause erhalten wird.
Quelle: PC Games
Eine andere Baustelle: Der Besucherteil der Messe war kleiner als im vergangenen Jahr. Das hat offiziell viele kleine Gründe, aber hängt zu großen Teilen damit zusammen, dass die ESL seit ihrem Zusammenschluss mit Faceit einen anderen Kurs fährt und kein Turnier mehr auf der Messe abhält. Vergangenes Jahr verkündete die Electronic Sports League, dass es generell keine Wettbewerbe mehr auf nationaler Ebene geben würde. Während auf der Vorgängermesse der Gamevasion also noch das Finale zum Herbstturnier von Counter-Strike 2 ausgetragen wurde, gab es dieses Jahr nichts dergleichen zu sehen. Auch eine Wiederholung des mit 100.000 Euro dotierten Turniers zu Escape von Tarkov fand nicht statt.
Ein neuer Ansatz
Stattdessen fokussierte sich die Gamevasion inhaltlich mehr auf ernste Themen wie Politik, Jugendschutz und die Anerkennung von eSports als Sport. Ein oberflächlich nicht unbedingt spannendes Thema, aber unheimlich wichtig in Anbetracht dessen, wie viel von diesen Aspekten abhängt.
Mit einer offiziellen Anerkennung könnten eSports-Vereine sich etwa als gemeinnützig eintragen, mehr Gelder stünden zur Verfügung und die Jugendarbeit könnte ebenfalls voranschreiten. Einen Weg, den man mit der Gamevasion bereits geht, wie mir der Mitgründer von Freaks 4U, Matthias"Knochen" Remmert im Interview sagt. Er hofft, dass nächstes Jahr auch Schulklassen sowie mehr Familien anreisen und man einen Beitrag dazu leisten kann, die Vorurteile abzubauen, die an Gaming hängen. Sein Traum ist es, dass sich Eltern mit Kindern durch den Retro-Bereich und dann zu den modernen Anspielstationen begeben, über Tabletop bis hin zu Trading-Card-Spielen, um nur das Beste von der Gamevasion mitzunehmen. Die Liebe für die Nerd-Szene und der Spaß daran, diese Leidenschaft zu feiern und mit anderen zu teilen.
