Downgrade statt Update: Wenn Patches Spiele schlechter machen
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Patches sind aus der Games-Industrie nicht wegzudenken und dienen zur Problemlösung und der Optimierung der Spielerfahrung. Doch das gelingt nicht immer!
Doch all dies spülte natürlich wenig Geld in die Kassen. Also musste etwas Neues her. Wie Creative Director Raph Koster und Executive Producer Richard Vogel im Rahmen eines Postmortem-Panels auf der Game Developers Conference 2021 erklärten, sollte der nächste "Marketing-Push durch Jedis" erfolgen. Das Ergebnis war die 2005 veröffentlichte New Game Experience (kurz NGE) und damit die Option, dass jeder per Holocron-Charakterauswahl Jedi werden konnte. Dazu schloss man bestehende Gameplay-Systeme, wodurch Langzeitspieler teils Hunderte Stunden an Ingame-Arbeit einfach verloren. Einen Boost erfuhr Star Wars Galaxies durch dieses "berühmt-berüchtigte Update" nicht, und schlussendlich wurden 2011 die Online-Server endgültig heruntergefahren.
Das Balancing aus den Angeln gehoben
Eingangs erwähnten wir ja bereits, wie komplex Computer- und Videospiele sind. Entsprechend sind grundlegende Gameplay- oder auch Konzeptveränderungen mithilfe von Patches ein hohes Risiko, das nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Das zeigte sich beispielsweise bei Naughty Dogs Action-Hit Uncharted 2: Among Thieves. Der im Februar 2010 veröffentlichte Patch ließ zwar die überaus populäre Singleplayer-Kampagne unangetastet, setzte aber die Hebel bei den Multiplayer-Optionen an.
Die Versus-Modi hatten damals innerhalb der Community einen ordentlichen Ruf. Denn im Gegensatz zu Call of Duty hielt man hier vergleichsweise viele Treffer aus. Dadurch waren die Partien länger, vor allem aber ging man weitaus seltener drauf. So kam es zu umfangreicheren Scharmützeln und auch weniger Pausen durch Respawn-Phasen.
Mit Version 1.05 jedoch passte Naughty Dog den Waffenschaden und andere Gameplay-Aspekte an. Das Ergebnis stieß in der Community auf breiten Widerstand: Plötzlich bissen Spieler viel schneller ins Gras; die teils langen Gefechte wurden dadurch deutlich weniger. Und auch die Waffenfähigkeiten und -Eigenheiten wurden derart verändert, dass es kaum mehr Unterschiede zwischen den Ballermännern gab.
Aus einem einstmals herausragenden Mehrspieler-Modus für die Playstation 3 wurde ein stinknormaler Third-Person-Actionklon. Die Fans rebellierten und forderten Naughty Dog dazu auf, die Änderungen zurückzunehmen. Dies geschah allerdings nie.
Mit ganz ähnlichen Schwierigkeiten sahen sich Nutzer auch mit dem 2016 veröffentlichten Meet-Your-Match-Update zu Team Fortress 2 konfrontiert. Gerade das Matchmaking war nach dem Update eine einzige Qual. Das Spiel führte Casual und Competitive Matchmaking ein. Allerdings gab es keine klare Trennung zwischen Veteranen und unerfahrenen Spielern.
Quelle: Moby Games
Team Fortress 2
Dadurch kam es oft zu sehr ungleich zusammengestellten Teams. Das frustrierte sowohl Profis als auch Gelegenheitsspieler. Speziell in den Wochen und Monaten nach dem Launch des Updates ärgerte sich die Community mit langen Wartezeiten, Balancing-Problemen, Cheatern und anderen Schwierigkeiten herum.
Erst 2018 erschien schließlich ein Update, das diese Probleme anging und speziell den Comptetitive Mode besser ausbalancierte.
Und wo wir gerade beim Thema Gleichgewicht sind: Das hebelte Capcom beim Beat'em-Up Street Fighter 5 durch das Update 3.5 aus und machte bereits übermächtige Charaktere noch stärker und schwache noch schwächer. Bei der Ankündigung dachten viele Street-Fighter-Fans noch, es handle sich um einen Aprilscherz.
Wenig verwunderlich, kamen die Änderungen nicht besonders gut an. Am Balancing schraubte auch Entwickler Turtle Rock Studios beim asynchronen Multiplayer-Shooter Evolve herum. Im Zuge des Wechsels vom Vollpreis- zum Free2Play-Spiel passten die Macher das einstmals taktische Geschehen eher in Richtung unkomplizierten Spielspaß an. Und scheiterten damit bereits in der Beta-Phase gnadenlos.
Patches können also Fluch und Segen zugleich sein. Eines muss an dieser Stelle aber noch einmal gesagt sein: Auch wenn Patches gelegentlich Probleme mit sich bringen und die ständigen Update-Downloads nerven, so sind die "Programmpflaster" auch oft eine Chance, unfertige oder einfach kaputte Projekte wieder in die Spur zu bringen oder ihnen neue Impulse zu verleihen. Ohne eine konsequente Update-Politik wären beispielsweise Titel wie No Man's Sky, Fortnite oder auch Final Fantasy 14 nie zu den Spielen geworden, die viele bis heute zocken und lieben.
