Downgrade statt Update: Wenn Patches Spiele schlechter machen

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Downgrade statt Update: Wenn Patches Spiele schlechter machen
Quelle: Nintendo

Patches sind aus der Games-Industrie nicht mehr wegzudenken und dienen zur Problemlösung und der Optimierung der Spielerfahrung. Doch das gelingt nicht immer! In unserem Report blicken wir auf Spiele, die sich durch Patches zum Schlechteren verändert haben.

Computer- und Videospiele sind komplexe Gebilde. Das, was ihr in Form von Grafik, Sound und Gameplay als pures Vergnügen wahrnehmt, ist eigentlich eine geschickt konstruierte Verkettung von Tausenden und Abertausenden Codezeilen. Doch je größer und vielschichtiger dieses "Bauwerk" ausfällt, desto anfälliger ist es natürlich auch für Fehler. Ganz egal, wie ausgiebig Entwickler ihre Kreationen auch durch die QA-Abteilung (Quality-Assurence; auf Deutsch: Qualitätssicherung) durchchecken lassen, Programmfehler - oder auch sogenannte Bugs - sind im Jahr 2023 fast in jedem neuen Spiel zu finden. Die Frage ist eher, wie störend diese Probleme ausfallen. Da allerdings wie etwa zuletzt bei Star Wars Jedi: Survivor immer wieder Nachbesserungen vonnöten sind, schieben Entwickler Patches nach. Übersetzt bedeutet der Begriff "Patch" übrigens "Pflaster" und soll Linderung bei schmerzenden Spiele-Schwierigkeiten bringen. Soll es besonders schnell gehen, muss gar ein sogenannter Hotfix her, der meist gezielt einzelne Programmfehler angeht.

Allerdings zeigte die jüngere Vergangenheit, dass Patches längst nicht immer die Lösung sind. Nicht nur, dass ganze Update-Wellen viele Spielerinnen und Spieler nerven. Viel schlimmer noch: Manchmal machen Patches sogar Spiele - oder ihre Bestandteile - sogar noch kaputter oder gar schlechter, als sie ohnehin schon waren.

Mikrotransaktionen heimlich eingeschmuggelt

Capcoms Remake des Horror-Hits Resident Evil 4 gehört zu den besten und auch populärsten Spielen des Kalenderjahres 2023.

Doch der nur wenige Wochen nach dem Release veröffentlichte Patch mit der Versionsnummer 1.04 brachte mit dem von vielen vermissten Mercenary-Modus auch Mikrotransaktionen mit ins Spiel.

Resident Evil 4 Quelle: Capcom Resident Evil 4 Eigentlich wären Ingame-Käufe kein Grund zur Aufregung, jedoch machen hier das Timing und vor allem auch der Umfang der integrierten Ingame-Kaufoptionen den Unterschied. Die Mikrotransaktionen erlauben nämlich das Erstehen von Waffen-Spezialupgrade-Tickets in einer Preisspanne von 2,99 bis 9,99 Euro.

Die zukaufbaren Optionen beeinflussen den Spielablauf und nehmen einen Teil der natürlichen Progression vorweg. Die Community erhob schwere Pay2Win-Vorwürfe und quittierte diese Aktion mit einem Review-Bombing. Der Zeitpunkt der Freischaltung der zusätzlichen Inhalte sorgte hier auch für einen faden Beigeschmack: Die Fachpresse verlieh Resident Evil 4 Remake zunächst Höchstwertungen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Art der Mikrotransaktionen für einige Prozentpunkte Abzug in den finalen Tests gesorgt hätten. So aber konnte Capcom die Bezahlinhalte trotz Community-Aufschrei ins Spiel schmuggeln, da die Wertungen ja bereits vergeben wurden und mögliche Nachtests längst nicht mehr die Reichweite der ursprünglichen Berichte erreichen würden.

Dass derartige Optionen erst im Nachhinein in Titel hinein gepatcht werden, ist keine neue Erfindung. Beispielsweise passte Konami den Online-Modus seines Stealth-Action-Klassikers Metal Gear Solid 5 beziehungsweise Metal Gear Online durch das Update im November 2015 in eine ähnliche Richtung an.

Metal Gear Solid 5 Quelle: Konami Metal Gear Solid 5 Hier wurden die Zeiträume zur Weiterentwicklung hochstufiger Ausrüstungsgegenstände drastisch erhöht. Bereits in den Patch-Notes wies Konami darauf hin, dass diese tage- und teils wochenlangen Entwicklungszeiten mithilfe der Premium-Ingame-Währung MB Coins verkürzt werden könnten.

Hier wurden Spieler also stark in Richtung Kasse geschoben. Auch Activision machte sich in der Vergangenheit einen Namen durch das nachträgliche Einarbeiten von Mikrotransaktionen - wie beispielsweise seinerzeit in Call of Duty: Modern Warfare Remastered.

Einen besonders "cleveren" Trick erlaubte sich Overkill Software, die Macher des Koop-Shooters Payday 2. Anlässlich des Crimefest-Events im Herbst 2015 integrierte der Entwickler mit dem Black-Market-Update zwei Safes mit besonderen Belohnungen im Spiel. Das Problem: Die Tresore konnte man nur mit einem dazu passenden Bohrwerkzeug öffnen.

Der Preis dafür betrug allerdings 2,50 Dollar. Und natürlich konnte man den Bohrer nicht erspielen, sondern musste zwingend Echtgeld in die Hand nehmen. Wenig verwunderlich lief die Community Sturm und Overkill ruderte zurück. Der Stimmung war dieser Marketing-Gag aber alles andere als zuträglich.

Spielstände zerstört

Doch während Mikrotransaktionen zwar ein großes Ärgernis darstellen, aber leicht umschifft werden können, so gibt es doch kaum etwas Ärgerlicheres, als den eigenen Spielstand zu verlieren. Nicht selten klagen Spieler nach einem getätigten Programm-Update darüber, dass vergangene Savegames streiken.

Dieses Problem ist gar nicht selten und zeigte sich bei einigen Spielerinnen und Spielern des Roguelike-Actionspiels Returnal für die Playstation 5. Mit dem Patch 1.3.3 häuften sich online die Meldungen, dass das Programm nach dem Update eine Fehlermeldung ausspuckte und damit den Spielstand beschädigte. Ärgerlich!

Returnal Quelle: Sony Returnal Glücklicherweise reagierte Entwickler Housemarque in diesem Fall sehr schnell, nahm den Patch offline und stufte das Spiel zunächst auf eine frühere Versionsnummer herunter, ehe ein neues Update veröffentlicht wurde.

Aber auch andere Produktionen kämpften mit ähnlichen Problemen: Das für die PC-Version des Open-World-Rennspiels Forza Horizon 3 veröffentlichte Update mit der Endung ".37.2" zerstörte ebenfalls Spielstände. Hier geriet eine unverschlüsselte Entwicklerversion des Spiels fälschlicherweise in den Umlauf.

Entwickler Playground Games machte das einzig Richtige: Man zog die Inhalte schnellstmöglich zurück und riet Nutzern dazu, das Spiel im Zweifel neu zu installieren, damit es erst gar nicht zu kaputten Savegames kommen kann. Kurze Zeit später wurde dann die korrekte Version veröffentlicht.

Das Spielprinzip auf den Kopf gestellt

Online-Spiele besitzen indes eine ganz eigene Dynamik. Patches verändern immer wieder das Balancing oder fügen neue Inhalte hinzu. Die Geschichte des Online-Rollenspiels Star Wars Galaxies allerdings ist geprägt durch falsche Marketing-Entscheidungen und einen fehlenden Draht zur eigenen Community.

Als das Spiel 2003 an den Start ging, war es in einem desolaten Zustand - bedingt durch eine zu kurze Entwicklung und viele Crunch-Zeiten für die Entwickler.

Bildergalerie

Doch obwohl Star War Galaxies alles andere als perfekt lief, entwickelte sich hier ein gewisses Eigenleben. Spielerinnen und Spieler nutzten die Möglichkeiten des Sandbox-Abenteuers aus und verzichteten auf das Meistern von Quests. Rund ein Drittel der Community vertrieb sich die Zeit mit Handel, andere hatten Spaß an Umzügen oder Tanzvideos.

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