Den Tätern auf der Spur: Auf der Jagd nach dem perfekten Detektivspiel

Special Judith Carl Lukas Schmid Philipp Sattler 53,99 €
Den Tätern auf der Spur: Auf der Jagd nach dem perfekten Detektivspiel
Quelle: PC Games

Wir haben eine Begeisterung für Mord und Totschlag! Real-Crime-Serien sind auf dem Vormarsch und jeden Sonntag läuft in Deutschland pflichtgemäß der Tatort. Ja, wir haben ein makabres Faible für die Mörderjagd. Kein Wunder, dass Kriminalgeschichten auch aus dem Gaming nicht wegzudenken sind. Wir haben das auf den ersten Blick unscheinbare Nischengenre der Detektivspiele genauer unter die Lupe genommen - und beleuchten einige interessante Vertreter der letzten Jahre.

Krimiplots finden sich überall in der Gamingwelt wieder - von einfachen Gelegenheitsspielen bis hin zu komplexen RPGs. Doch was ist überhaupt die Gemeinsamkeit von Detektivspielen? Die Antwort ist ebenso simpel wie banal: Wir versuchen darin stets als Ermittler einen Fall aufzuklären - No Shit, Sherlock! Die Berührungspunkte liegen also in erster Linie im Plot. Aber was gibt es denn nun für Detektivspiele? Und vielleicht das größte Mysterium: Warum gibt es verhältnismäßig wenig gute Krimis in der Gamingwelt?

Als Hobbyermittler begeben wir uns auf eine Spurensuche, ermitteln die Perlen des Genres und halten ein unkonventionelles Plädoyer für eine unterschätzte Spielegattung. Dabei finden wir aber auch einige Leichen im Keller, die wir schonungslos ans Tageslicht zerren wollen.

Wir spielen böser Bulle - böser Bulle: Herausforderungen des Genres

Detektivspiele gibt es also in den verschiedensten Formen und Farben, die meisten sind aber eher Geheimtipps. Sogar die Mutter des Genres, das erzähllastige Krimi-Adventure, besitzt nur wenige Kassenschlager. Warum sind viele Detektivspiele so wenig massentauglich? Oder provokanter gefragt: Was ist so schwer daran, ein gutes Detektivspiel zu erschaffen?

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Eine gute Geschichte auf der Leinwand muss natürlich nicht zwingend für ein gutes Spiel taugen und umgekehrt. Detektiv-Adventures sind stark an eine stimmige Handlung gebunden, dürfen das Gameplay aber trotzdem nicht vernachlässigen. Genau da liegt der Knackpunkt: Viele Detektivspiele scheitern an diesem Mittelweg. Häufig sind entweder die Rätsel langweilig oder die Erzählung ist so platt, dass die Jagd nach dem Täter keinen Spaß macht. Ohne stimmige Narration ist uns nämlich ziemlich egal, wer der Mörder von Lieschen Müller ist. Wir werden einfach nicht in das Mysterium hineingezogen. Ein gutes Detektivspiel braucht also eine sinnvolle Verbindung aus Handlung und Rätselelementen. Deshalb besteht eine besondere Affinität zum Point&Click-Adventure: Die sind häufig sehr erzählerisch gestaltet, lassen aber auch Puzzles zu, die perfekt zur kniffligen Mördersuche passen. Häufig nimmt die Narration im Detektivspiel allerdings mehr Platz ein, als die Rätselpassagen. Diesen Fall wollen wir allerdings später an konkreten Beispielen noch einmal aufrollen.

Übertrieben starke Bullen sind häufig eine Schwäche von Detektivspielen. So zum Beispiel Erica Reed in <strong>Cognition</strong>. Quelle: Phoenix Online Übertrieben starke Bullen sind häufig eine Schwäche von Detektivspielen. So zum Beispiel Erica Reed in Cognition. Zum Stichwort Lieschen Müller: Auch die Figuren müssen überzeugen und fesseln. Gar nicht so einfach, etwas Neues zu erfinden, denn Mord und Totschlag gab es schon tausendfach in verschiedenen Medien. Von denen hat sich das Detektivgenre einiges abgeguckt, vielleicht sogar etwas zu viel. Auch die virtuellen Abenteuer sind dadurch voll von coolen Bullen, die bloß keine Gefühle zeigen dürfen, von sherlockartigen Kombinationsgenies und von sexy Ermittlerinnen mit Lederjacke und Motorrad. Ständig begegnen wir darin beinharten Einzelgängern oder stereotypen Bad Cops - Figuren mit cooler Fassade, denen es dafür aber an Tiefgang fehlt und die wir leider schon hundert Mal gesehen haben. An dieser Stelle daher ein kleines Plädoyer für starke Charaktere im Detektivspiel - und damit sind eben nicht die harten Hunde gemeint, sondern authentische, einfallsreiche Figuren, die auch mal aus der Reihe tanzen.

Durchdachte Story, logische Rätsel, interessante Figuren: Die Ansprüche an ein Detektivspiel sind also ziemlich simpel, möchte man meinen. Trotzdem ist es nicht leicht, im riesigen Überangebot gute Vertreter zu finden. Es gibt die klassische Mörderjagd, Mystery-Geschichten, Thriller, Kinderkrimis und, und, und. Wir haben einige Exemplare genauer unter die Lupe genommen und schnüffeln durch Innovation und Genreklischees. Dabei gehen wir dem Geheimnis Schritt für Schritt auf den Grund, was ein gutes Detektivspiel ausmacht und machen uns auf die Jagd nach dem perfekten Krimiabenteuer.

Klassiker: Elementar, mein lieber Watson!

Mit unserer schafen Beobachtungsgabe können wir Verdächtige ganz genau betrachten und analysieren. Quelle: PC Games Mit unserer schafen Beobachtungsgabe können wir Verdächtige ganz genau betrachten und analysieren. Die Klassiker des Detektiv-Genres stellen oft eine Hommage oder sogar eine Adaption beliebter Kriminalgeschichten dar: von Sherlock Holmes bis Agatha Christie. Ersterer ist der Protagonist der wohl bedeutendsten Krimispiel-Reihe: Sherlock Holmes von Frogware. Sherlock Holmes - Das Geheimnis der Mumie begann für heutige Maßstäbe derart eckig, dass wir es lieber zu den Fallakten legen würden und läutete eine Serie von Rätselspielen rund um das berühmte Ermittlergenie ein. Bei den ersten Titeln der Reihe handelte es sich noch um eher schleppende, grafisch wenig ansprechende Point&Click-Fossile. Das Testament des Sherlock Holmes (2012) und Sherlock Holmes - Crimes and Punishment (2014) als Highlights der Serie erlangten dagegen schon deutlich mehr Aufmerksamkeit. Letzteres glänzt vor allem mit einer detailreichen Grafik und spannendem Spielaufbau, mit denen wir uns wie ein echter Detektiv fühlen können. Wir treffen scharfe Beobachtungen, sammeln Indizien und zieht daraus unsere Schlussfolgerungen. Das Testament des Sherlock Holmes besitzt hingegen eine besonders gut durchdachte, düstere Haupthandlung voller dunkler Geheimnisse, war aber spielerisch noch nicht auf dem Niveau seines Nachfolgers.

Sie ist der Ursprung allen Übels: das namensgebende Kind in <strong>Sherlock Holmes - The Devil's Daughter.</strong> Quelle: PC Games Sie ist der Ursprung allen Übels: das namensgebende Kind in Sherlock Holmes - The Devil's Daughter. Was Frogware leider überhaupt nicht beherrscht, ist die Darstellung von Kindern. Die sind häufig nicht nur unglaubhaft, sondern zum Teil auch noch richtig gruselig. Grafisch wirken sie wie lebensgroße Puppen oder menschenähnliche Gnome, die altkluge Kommentaren mit völlig überzogener Säuselstimme abgeben. Das scheint dem Spielestudio allerdings nie aufgefallen zu sein, denn in Sherlock Holmes - The Devils Daughter (2016) machen sie sogar ein Kind zur zentralen Figur der Handlung. Kein Wunder, dass das Spiel vergleichsweise gefloppt ist und die Erfolgssträhne der Serie - salopp gesagt - gekillt hat. Wir kombinieren: Der Täter war Frogware mit lästigen Quicktimevents und absurder Synchronisation im Firmenbüro. Quicktimeevents in einem Rätselspiel? Leider ja.

So müssen wir zum Beispiel eine schier endlose Stealth-Verfolgungsjagd ertragen oder uns wie Indiana Jones durch ein Labyrinth voller Fallen schlagen. Das mag in anderen Spielen absolut in Ordnung sein, in einer Reihe von ruhigen Rätselabenteuern ist es aber völlig fehl am Platz. Bei jeder noch so kleinen Handlung müssen wir Minigames und Geschicklichkeits-Rätsel ertragen, gerade, dass wir nicht noch ein Quick-Time-Event zum Nasenbohren absolvieren müssen. Doch wurde der berühmte Meisterdetektiv und Krimispielheld mit diesem unbeliebteren Spiel eiskalt gemeuchelt? Die Antwort ist ein klares "Jein!" und hängt stark davon ab, welche Richtung der nächste Titel der Reihe einschlagen wird, der unter dem Namen Sherlock Holmes - Chapter One Anfang 2021 erscheint. Außerdem sollten wir mit dem aktuellsten Sherlock-Teil auch nicht zu hart ins Gericht gehen. The Devils Daughter war zwar vergleichsweise enttäuschend, aber kein völlig misslungenes Spiel.

Doch es gibt nicht nur Sherlock Holmes

Der putzige Wachtmeister Zellner in <strong>The Raven</strong> ist endlich mal kein böser Bulle, sondern erfrischend anders. Quelle: PC Games Der putzige Wachtmeister Zellner in The Raven ist endlich mal kein böser Bulle, sondern erfrischend anders. Eine Detektivstory, wie sie typischer kaum sein kann, erleben wir in The Raven - Vermächtnis eines Meisterdiebs (2013), ein Point&Click des deutschen Entwicklerstudios King Art. Der Plot und die Charaktere funktionieren meist nach Schema F, aber gerade das macht das Spiel auch wahnsinnig nostalgisch. The Raven lebt davon, dass jede Figur und jeder Schauplatz an alte Schwarz-Weiß-Krimis erinnert und bringt einen mit allerhand Anspielungen auf Miss Marple und Co. zum Schmunzeln. The Raven hat nur einen Haken und das ist ein großer: Nicht nur, dass es gewaltig verbuggt ist, das Gameplay ist gelinde gesagt mau. Wir klicken uns meist nur von A nach B sowie durch lange, aber zumindest gut vertonte Dialoge. Die Nostalgie, die filmreife Musik und die niedlichen Charaktere entschädigen jedoch ein wenig für die zähe Spielmechanik. Allen voran überzeugt die sympathische Hauptfigur, der gealterte Wachtmeister Zellner, der mit seinem grauen Schnauzbart und schrulligen Scherzen erfrischend untypisch für ein Detektivspiel ist.

Bei The ABC Murders (2016) handelt es sich um eine direkte Adaption eines Agatha-Christie-Romans in einer simplen, aber niedlichen Grafik, die an Telltale Games erinnert. Wenn man eine wirklich klassische Mörderjagd in typischer Point&Click-Manier sucht, wird man hier fündig. Das Spielprinzip hat Überschneidungen mit Sherlock Holmes: Auch hier dürfen wir mit unserem Ermittler Poirot nach Indizien suchen, Verdächtige unter die Lupe nehmen und alle Hinweise letztlich vernetzten. Wie ein echter Detektiv eben. Generell ist das Spiel zwar charmant, jedoch auch ziemlich "glatt" und daher frei von kreativen Experimenten oder größeren Überraschungen. Der niedliche Grafikstil sorgt zudem dafür, dass keine zu große Krimispannung aufkommt. Es ist unterhaltsam und stimmig, eine Offenbarung ist es aber nicht. Der geniale Detektiv Poirot und sein Freund Hastings sind die Hauptfiguren der Agatha-Christie-Adaption <strong>The ABC Murders</strong>. Quelle: PC Games Der geniale Detektiv Poirot und sein Freund Hastings sind die Hauptfiguren der Agatha-Christie-Adaption The ABC Murders. Deutlich ungewöhnlicher wird es hingegen in Knee Deep (2017). Dabei handelt es sich um ein Indie-Adventure über Schauspieler, die ein interaktives Kriminalstück auf die Bühne bringen. Richtig: ein Videospiel über ein Theaterstück über eine Detektivgeschichte. Grundsätzlich hat das Abenteuer aber dennoch ein gängiges Krimisetting. Bloggerin Romana, Lokalreporter Jack und der typische harte Detektiv K.C. Gaddis untersuchen den Selbstmord einer Berühmtheit in einem kleinen Ort in Florida. Die Handlung des Spiels ist linear in einzelne Szenen gegliedert, was die Handlungsfreiheit enorm einschränkt. Der Großteil von Knee Deep besteht daher aus einer Art Visual-Novel: Wir sprechen mit Verdächtigen und wählen Dialogoptionen, die stets bestimmte Konsequenzen nach sich ziehen.

<strong>Knee Deep</strong> ist eine virtuelle Variante eines interaktiven Theaterstücks voller Entscheidungen und schräger Dialoge. Quelle: PC Games Knee Deep ist eine virtuelle Variante eines interaktiven Theaterstücks voller Entscheidungen und schräger Dialoge. Dazwischen haben wir kurze Point&Click-Passagen, die allerdings ziemlich unausgegoren wirken: Wir klicken einfach der Reihe nach uninspiriert auf ein paar Gegenstände, ohne große Rätselleistung - das hätte es wirklich nicht gebraucht . Des Weiteren müssen unsere Charaktere im Laufe des Spiels immer wieder ihre Erkenntnisse in Polizeiberichte oder Zeitungsartikel packen. Wir entscheiden über deren Inhalt, der wiederum den Verlauf der Geschichte beeinflusst. Das ungewöhnliche Setting eines Theaters und deren Kulisse, sowie die schwarzhumorigen Dialoge machen Knee Deep zwar bizarr, aber auch sehr einzigartig. Wer Rätsel und viel Bewegungsfreiheit sucht, ist hier fehl am Platz. Dafür bekommen wir sehr schrägen Humor und jede Menge Entscheidungen. Die englische Sprache sollte man aber ziemlich gut beherrschen, um die verrückten Sprüche verstehen zu können.

Das letzte "klassische" Detektivspiel könnte man als Puzzle-Adventure bezeichnen: Unheard (2019). Hier sind wir ein generischer Agent, der Fälle mithilfe von Audioaufnahmen aufklären soll. Die Sprecher sehen wir dabei als einfache Punkte auf einer Karte, die den Grundriss eines Gebäudes abbildet (gut zu erkennen im obigen Trailer). Wie ein Schatten bewegen wir uns dann mit einer fiktiven Spielfigur von Raum zu Raum und belauschen Leute. Wenn wir etwas verpasst haben, können wir einfach zurückspulen. So müssen wir nur anhand des Gesagten, der Stimmen und der Position herausfinden, was sich ereignet hat. Nur wenn wir ganz genau aufpassen, können wir einen Fall abschließen und erhalten einen Neuen.

Die Grundidee ist ziemlich einzigartig, das Voiceacting allerdings des Öfteren ordentlich überzeichnet und nicht ganz ernst zu nehmen. Da der Fokus des Spiels komplett auf den Sprechern liegt, dürfen diese aber ruhig auch mal ein wenig übertreiben. Unheard ist eher ein kürzeres Gelegenheitsspiel, aber dafür ein ungewöhnliches und kreatives.

Mystery: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen ...

Dieser Horrorautor und selbst ernannte Frauenheld Gabriel Knight wird jede Nacht von Alpträumen geplagt. Quelle: PC Games Dieser Horrorautor und selbst ernannte Frauenheld Gabriel Knight wird jede Nacht von Alpträumen geplagt. Nach all den versierten, aber ziemlich konventionellen Spürnasen sehnen wir uns nach etwas mehr Mysterium. Glücklicherweise ist das Genre des Detektivabenteuers voller Spiele mit übersinnlichen Ereignissen. Im Bereich Mystery-Krimi muss ein Name auf jeden Fall genannt werden: Jane Jensen. Sie ist die Autorin schlechthin für erzähllastige Detektivspiele voller okkulter Geheimnisse, die auf dem schmalen Grat zwischen Realismus und Fantasie wandeln. Beliebt sind Jensens Abenteuer vor allem für die dichte Atmosphäre und die wendungsreiche Handlung. Weder grafisch noch in Sachen Spielprinzip erfinden die Krimiabenteuer das Rad neu, Jensen schafft es jedoch mit jedem ihrer Werke eine bleibende Erinnerung zu hinterlassen.

Jane Jensens vermutlich bekanntestes Werk, Gabriel Knight - Sins of the Fathers (1993), markierte den Beginn einer beliebten Adventure-Reihe. Diese dreht sich um einen abgehalfterten Horrorautor, der zum Ermittler im Bereich des Übersinnlichen wird. 2014 kam das Spiel als 20th Anniversary Edition noch einmal neu auf den Markt und ersetzte Pixelart durch eine eher simple, aber durchaus spieltaugliche 3D-Grafik. Eine Besonderheit der Neuauflage von Gabriel Knight sind die detailreich, handgezeichneten Zwischensequenzen im Graphic-Novel-Stil. Schicke, comicartige Cutscenes finden sich allgemein häufig in Jensens Werken. Leider spielen wir mit Gabriel wieder den prototypischen Machoermittler mit harter Schale, dem jede Frau zu Füßen liegt. Die düstere Erzählung um Voodoo-Kulte im geheimnisvollen New Orleans und das interessante Hintergrundwissen, das wir während des Spielens aufsaugen, reißen einen aber trotzdem mit. Gabriels Lässigkeit zwischen miesen Sexanspielungen und schlechten Anmachsprüchen ist zudem so überzeichnet, dass sie als ironischer Trash zu einem echten Unterhaltungsfaktor wird. Die Neuauflage des Klassikers <strong>Gabriel Knight - Sins of the Fathers </strong>überzeugt mit Zwischensequenzen im Grafik-Novel-Stil. Quelle: PC Games Die Neuauflage des Klassikers Gabriel Knight - Sins of the Fathers überzeugt mit Zwischensequenzen im Grafik-Novel-Stil. Ähnlich stereotyp wird es zu Beginn des Mystery-Adventures Gray Matter (2010), ebenfalls von Jane Jensen. Der Auftakt der Geschichte ist leider eine absolute Klischeeorgie: Eine gruftige Hobby-Mentalistin mit Lederjacke und Motorrad fällt auf der Landstraße schon nach wenigen Minuten auf den typischen, umgedrehten Wegweiser herein. Dann segnet natürlich auch noch ihre Maschine das Zeitliche und sie sucht im strömenden Regen in der gruseligen 08/15-Villa Zuflucht - die natürlich auch noch von einem unheimlichen Wissenschaftler bewohnt wird. Nach diesem Klischeeauftakt läuft die Handlung sehr gemächlich an, bis sie mal ins Rollen kommt.

Die Zauberkünstlerin Samantha ist fech und schlagfartig - auch gegenüber ihrem gruseligen Boss. Quelle: PC Games Die Zauberkünstlerin Samantha ist fech und schlagfartig - auch gegenüber ihrem gruseligen Boss. Hat man den Auftakt des Spiels aber erst einmal überstanden, entwickelt die geheimnisvolle Geschichte eine beeindruckende Sogwirkung - trotz oder gerade wegen der ruhigen Erzählweise. Am Spielprinzip liegt das aber nicht, denn die Rätselketten sind eher uninspiriert. Auch die Idee, Puzzles mithilfe von Taschenspielertricks zu lösen, klingt spannender, als sie umgesetzt ist. Letztlich bleibt man aber doch dabei. Das liegt vor allem an der geheimnisvollen Hintergrundgeschichte, der tollen Musik und den atmosphärischen Zwischensequenzen. Letztere erwecken die emotionale Geschichte auf beispielhafte Weise zum Leben.

In die Reihe der Jane-Jansen-Krimis mit übernatürlichen Ereignissen gehört auch noch Moebius - Empire Rising (2014). Von den hier genannten ist es wohl das schwächste Jensen-Spiel. Ein paar Besonderheiten hat es aber trotzdem. Nein, es ist mal wieder nicht die Grafik - die Bewegungen der Figuren sind sagenhaft eckig für ein Werk von 2014. Im Gegensatz zu den anderen Jensen-Titel kann das Spiel allerdings mit einigen besonderen Science-Fiction-Elementen aufwarten.

I Zwischen Malachi und seinem Leibwächter David entwickelt sich nach anfänglichem Misstrauen eine tiefe Beziehung. Quelle: PC Games Zwischen Malachi und seinem Leibwächter David entwickelt sich nach anfänglichem Misstrauen eine tiefe Beziehung. n diesem Adventure spielen wir Malaki, einen brillanten Historiker mit fotografischem Gedächtnis, genial und ebenso überheblich. Wer in den vergangenen zehn Jahren irgendeinen Krimi gesehen hat, dem dürften solche Figuren durchaus bekannt vorkommen. Er soll für einen Auftraggeber merkwürdige Wiederholungen in der Menschheitsgeschichte aufklären, was dem Spiel die spannende SciFi-Komponente verpasst.

Für die Lösung des Falls begibt er sich auf eine Reise, die aufgrund diverser schicksalhafter Wendungen deutlich gefährlicher wird als zuerst angenommen. Zum Glück steht Malaki dabei der Ex-Soldat David als treuer Bodyguard zur Seite. Das Spiel besitzt ein paar nette, ungewöhnliche Logikrätsel um historische Persönlichkeiten und die Dynamik zwischen den beiden männlichen Hauptfiguren ist gefühlvoll und herzerwärmend. Viele der Puzzles sind allerdings repetitiv, das Gesellschaftsbild ist altbacken und die Frauenfiguren unangenehm stereotyp. Die zarte, moderne Romanze, die sich zwischen den beiden Protagonisten andeutet, ist gut gelungen, kann aber über die Mängel nicht hinwegtäuschen.

Ein paar mysteriöse Geheimtipps...

Der verlassene Ort, den wir in <strong>The Painscreek Killings</strong> untersuchen, sieht auf den ersten Blick sehr idyllisch aus. Quelle: PC Games Der verlassene Ort, den wir in The Painscreek Killings untersuchen, sieht auf den ersten Blick sehr idyllisch aus. Krimis sind häufig voll von geheimnisvollen Orten und versteckten Hinweisen. Viele Detektivspiele sind daher Walking Simulator, wie beispielsweise The Painscreek Killings (2017). In Letzterem bewegt man sich in der Ego-Perspektive durch einen scheinbar beschaulichen Ort, in dem die Frau des Bürgermeisters ermordet wurde. Mittlerweile ist Painscreek allerdings wie ausgestorben und wir versuchen, völlig allein hinter das Geheimnis der Gewalttat zu kommen. Dazu laufen wir erstmal durch extrem viele, gleich aussehende Gassen, finden tausende verschlossene Türen und können auf den ersten Blick nicht viel tun. Das wirkt zwar erst einmal frustrierend, sobald man aber die ersten Hinweise entdeckt hat - meist Schlüssel, Tagebucheinträge oder alte Notizen - hat man schnell Blut geleckt. Die verlassene Stadt entwickelt dadurch schnell eine mysteriöse, leicht beklemmende Atmosphäre. Zudem sind wir als Detektiv frei wie nie zuvor: Wir entscheiden selbst, wann wir den Fall mit unserem bisherigen Wissen abschließen. Die offene Ermittlungsarbeit ist realistisch gemacht und plätschert ohne große Spannungskurve dahin. Action sucht man darin eher vergebens. Die leise, mysteriöse Handlung und das simple, auf Erkunden ausgelegte Gameplay gehen dafür perfekt Hand in Hand, man braucht allerdings etwas Geduld.

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