Adventure wird 45 Jahre alt: Das allererste Action-Adventure veränderte die Welt

Special Harald Fränkel Lukas Schmid
Adventure wird 45 Jahre alt: Das allererste Action-Adventure veränderte die Welt
Quelle: Harald Fränkel

Like a Virgin: Wie es sich anfühlt, das erste Action-Adventure der Geschichte 45 Jahre nach der Veröffentlichung zum ersten Mal zu spielen - also völlig ohne nostalgische Verklärung.

Unsichtbare Labyrinthe

Die Labyrinthe sind ein verschachteltes Wirrwarr aus Blöcken, die kaum voneinander zu unterscheiden sind. Picasso hätte die Optik vielleicht gefeiert, M.C. Escher, der vor allem durch seine unmöglichen geometrischen Figuren bekannt gewordene Grafiker, vermutlich eine Copyrightklage eingereicht.

Dazu kommt eine gewagte Lichtgestaltung: Einige Verliese sind derart düster, dass meine Sicht auf gefühlt zwei Pixel schrumpft. Wer braucht schon Fackeln?

Wobei ich lediglich mutmaße, dass hier Dunkelheit simuliert werden soll. In Wahrheit sieht man einen Mini-Teil des Labyrinths um den Helden herum, der Rest bleibt unsichtbar. Spannung, Nervenkitzel, totale Orientierungslosigkeit - Spaßgaranten à la 1980.

Ein Verlies im Dunkeln: Ich sehe ich immer nur einen Ausschnitt des Labyrinths (in Orange). Halb blind taste ich mich zum Schlüssel vor. Quelle: Harald Fränkel Ein Verlies im Dunkeln: Ich sehe ich immer nur einen Ausschnitt des Labyrinths (in Orange). Halb blind taste ich mich zum Schlüssel vor. 

Ohr mein Gott!

Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, Gänge von Mauern zu unterscheiden. Deshalb bleibe ich beim Steuern ständig an den Ecken hängen. So muss es einer Wespe in einer Drehtür gehen.

Mich erinnert das Problem an ein bekanntes Kippfigur-Bild mit einer optischen Täuschung: Auf der Zeichnung "Meine Frau und meine Schwiegermutter" sind eine alte und eine junge Dame zu sehen. Ich erkenne auf den ersten Blick aber immer nur das hübsche Mädel.

Was die Akustik angeht, gibt's kaum mehr als ein bisschen "Dingeling", "Pieppiep" und "BChrzfztchtrch". Den letzten Effekt bitte wie eine Explosion vorstellen. Die ertönt immer dann, wenn ein Seepferdchen nach mir schnappt. Wer kennt sie nicht, die Knochenfische mit einem Bachelor in Sprengmeisterei?

Hat man es irgendwann mit viel Dusel geschafft, Adventure zu bezwingen, ertönt die Melodie von Ludwig van Beethovens Freude schöner Götterfunken. Vorgesungen von R2D2 nach einem schweren Schlaganfall.

Mein Ritter zieht per Magnet den schwarzen Schlüssel an. Beim pinkfarbenen Dingsbums handelt es sich um eine verschiebbare Brücke. Quelle: Harald Fränkel Mein Ritter zieht per Magnet den schwarzen Schlüssel an. Beim pinkfarbenen Dingsbums handelt es sich um eine verschiebbare Brücke.

Suchen, um zu suchen

Selbstverständlich verdient das Spiel dennoch seinen Legendenstatus. Es gilt als Begründer des Action-Adventure-Genres. Außerdem hat der US-amerikanische Entwickler Warren Robinett das erste Easter Egg der Historie darin versteckt (seinen Namen). Besagtes virtuelles Osterei bekam sogar im Hollywoodfilm Ready Player One eine Rolle.

Mir ist auch klar, inwiefern das Game rockte, als es rauskam. Es legte Spielern eine Open World zu Füßen, als die Worte "Open" und "World" noch gar nicht erfunden waren. Dass es in der dynamischen Fantasy-Echtzeitwelt außerdem benutzbare Gegenstände und Physikeffekte gab, so etwas kannten Gamer der ersten Generation erst recht nicht.

Ich kann zum Beispiel eine Brücke verschieben und so über Mauern gehen. Gelange ich trotzdem nicht an ein dringend benötigtes Objekt, hilft ein Magnet, der es anzieht. Den Magneten gilt es, Überraschung, auch erst zu finden.

Ich muss also zunächst suchen, um suchen zu können. Willkommen bei der Lego-Duplo-Version von Inception!

Ich habe es tatsächlich geschafft, meinen ersten Drachen zu schlachten. Man sieht es im Knick im Hals von Yorgle. Quelle: Harald Fränkel Ich habe es tatsächlich geschafft, meinen ersten Drachen zu schlachten. Man sieht es im Knick im Hals von Yorgle.

Wer hasst wen?

Sollten Vertreter der Generation Z oder gar noch jüngere Leser bis zu dieser Stelle durchgehalten haben, sind wahrscheinlich noch drei Fragen offen:

  • Inventar?
    Automap?
    Questmarker?

Ich möchte diese Fragen gerne noch beantworten: GnihihihimuahahaHAHAHA!

Für meinen Teil bin ich nicht sicher, ob ich Adventure hasse oder ob es einfach mich hasst. Vielleicht hätte ich es in meiner Kindheit spielen müssen, um es zu lieben. Aber dann hätte es mich ja auch erst mal finden müssen.

Vermutlich hat es sich damals durch einen Geheimgang an meinem Leben vorbeigeschlichen. Logisch. Ich hätte die Tür hinein ohnehin nie entdeckt. Nach einer halben Stunde kapituliere ich. Ich drücke den Ausschalthebel. Adventure und ich - das ist eine Lose-Lose-Situation. Jetzt brauche ich eine Pause. Und eine Karte für den Weg aus meinem Homeoffice.

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