Adventure wird 45 Jahre alt: Wie es ist, das allererste Action-Adventure zum ersten Mal zu spielen

Special Harald Fränkel Lukas Schmid
Adventure wird 45 Jahre alt: Wie es ist, das allererste Action-Adventure zum ersten Mal zu spielen
Quelle: Harald Fränkel

Like a Virgin: Wie es sich anfühlt, das erste Action-Adventure der Geschichte 45 Jahre nach der Veröffentlichung zum ersten Mal zu spielen - also völlig ohne nostalgische Verklärung.

Spielefans, zieht eure Schutzbrillen auf, denn ich betrete altes Neuland: Adventure für das Atari 2600. Wir haben hier den Opa von Zelda. Das Action-Adventure aus dem Urschleim. Den T-Rex unter den Games.

Das Spiel feiert dieses Jahr seinen 45. Geburtstag, und aus diesem freudigen Anlass wage ich mich erstmals an das steinzeitliche Epos - also ganz ohne rosa Brille von Nostalgiemann. Like a Virgin quasi. I touched it for the very first Time. Was soll ich sagen? Es war ... interessant.

Mein Orientierungssinn bewegt sich, vorsichtig formuliert, im Bereich ausbaufähig. Ohne meinen Yps-Marschkompass aus dem Heft vom 26. Juni 1978 wäre ich bereits mehrfach in meiner eigenen Wohnung verhungert.

Dummerweise reicht selbst dieses Relikt der Pfadfinderkunst nicht, um mich sicher durch Adventure zu navigieren. Dort wartet eine gefährliche Reise auf mich, der selbst für den Weg vom Sofa zum Kühlschrank eine Landkarte und ein Care-Paket braucht.

Adventure kam 1980 für die Mutter aller Konsolen auf den Markt, die bekanntlich aus Archäopteryxknochen gefertigt wurde. "Grafik" war seinerzeit ein dehnbarer Begriff. Ich steuere ein Etwas durch eine Landschaft, die, nun ja, aus anderen Etwassen besteht.

Wunderbar, hier sterbe ich bereits im Startbildschirm. Der rote Drache Rhindle frisst mich nach handgestoppten 2,37 Sekunden. Quelle: Harald Fränkel Wunderbar, hier sterbe ich bereits im Startbildschirm. Der rote Drache Rhindle frisst mich nach handgestoppten 2,37 Sekunden.

Die Quadratur des Ritters

Mein Charakter sieht aus wie ein Pixel, der von einem polnischen Laster gefallen ist. Die Gegner, angeblich Drachen, erinnern an Seepferdchen, die eine Testosteronkur durchgezogen haben.

Wenn ich an das brasilianische Supermodel Gisele Bündchen denke: Diese Dame ist wie das Spiel 1980 geboren, aber doch um Schaltjahre besser gealtert.

Die Anleitung verspricht Großes. Zusammenfassend dies: Ich bin ein tapferer Ritter auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Ich soll Burgen erforschen, Drachen bekämpfen und das Königreich retten. Heroisch! Episch! Legendär!

Was ich tatsächlich erlebe: Ein Wuslon namens Quadratini irrt ziellos durch die karge Tristesse von Großbrikettanien. Bewaffnet mit einem Backspace-Pfeil (vermutlich das Schwert) kämpfe ich gegen drei Seepferdchen mit ADHS.

Genau in dem Moment, wo die Fledermaus mein Schwert klaut, kreuzt der grüne Drache Grundle auf und frisst mich. Quelle: Harald Fränkel Genau in dem Moment, wo die Fledermaus mein Schwert klaut, kreuzt der grüne Drache Grundle auf und frisst mich.

Kindle, der Killerdrache

Um den Heiligen Gral zu finden, brauche ich Schlüssel für drei Paläste (gelb, schwarz und weiß). Ebendiese Burgen muss ich durchsuchen. Abhalten wollen mich die Drachen Yorgle (gelb), Grundle (grün) und der besonders gefährliche Kindle (rot). Am Ende gilt es, den Kelch ins gelbe Schloss zu tragen, das laut Anleitung golden ist. Klingt easy. Spoiler: Ha. Ha. Ha.

Oh, ich sehe gerade, der dritte Drache heißt gar nicht Kindle, sondern Rhindle. Schade. Einen Amazon-Drachen hätte ich wenigstens portofrei dahin zurückschicken können, wo er hergekommen ist.

Ich finde heraus, dass mein Recke nur ein Objekt tragen kann. Möglicherweise ist er doch kein Ritter, sondern ein einarmiger Bandit. Was bedeutet: Lasse ich mein Schwert fallen, um einen Schlüssel zu nehmen, materialisiert genau in dieser Sekunde ein Seepferdchen aus dem Nichts und frisst mich.

Der Atari-Katalog von 1980 kündigt Adventure an. Im Nachhinein liest sich das für mich wie eine Drohung. Quelle: Harald Fränkel Der Atari-Katalog von 1980 kündigt Adventure an. Im Nachhinein liest sich das für mich wie eine Drohung.

Dumm kickt gut

Na gut, dann wende ich eben eine ausgeklügelte Spezial-Tricktechnik an: Ich drücke meinem Alter Ego das Schwert in die nicht vorhandene Hand und kicke den Schlüssel mit den ebenfalls nicht vorhandenen Füßen vor mir her. Diese Schubserei entpuppt sich als mühsam, aber funktioniert!

Doch das Universum hat Humor: Eine diebische Elster, in der Anleitung als "Fledermaus" gelistet, was aus kriminalistischer Sicht null Sinn ergäbe, flattert heran. Sie mopst mir das Schwert und lässt es per Lotterieverfahren an einem unbekannten Ort fallen.

Bildergalerie

Ich fluche, atme tief durch, finde die Waffe nach einer Ewigkeit wieder, baue mich angeberisch triumphierend wie König Artus einst vor Excalibur auf - und werde von einem Seepferdchen gefressen. Die ständigen Zufallsbegegnungen lassen in mir den Wunsch aufkommen, eine neue Jacke zu kaufen - eine, die sich hinten zuschnüren lässt. Zu meiner eigenen Sicherheit. Ihr beißt, wenn ihr frustriert seid, in den Controller? Ich bange um meinen Fernseher.

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