Es braucht mehr gratis! Warum Demos von Games unbedingt zurückkehren müssen

Kolumne Vivien Ziermann
Es braucht mehr gratis! Warum Demos von Games unbedingt zurückkehren müssen
Quelle: Steam

Kaufen oder nicht kaufen? Das ist beim Gaming viel zu oft die Frage. Dabei können Spieleentwickler ihren Verkaufsprozess ganz einfach revolutionieren. Redakteurin Vivi findet, dass gratis Demos unbedingt zurückkehren müssen.

Egal, auf welcher Plattform man sich bewegt, welches Genre man bevorzugt und ob man lieber im Singleplayer oder im Koop-Modus spielt: Die Auswahl an Spielen ist inzwischen beinahe grenzenlos. Besonders, wenn man als Spieler mal aus seinem gewohnten Trott ausbrechen und etwas völlig Neues ausprobieren möchte, von dem man noch nicht hunderte Male gehört oder es in diversen Streams gesehen hat, fällt die Wahl schwer. Hängt dann zusätzlich noch ein stattlicher Preis an dem Titel, entscheiden sich die meisten dann doch lieber für das Gewohnte, bevor man sich am Ende darüber ärgert, das Geld für etwas ausgegeben zu haben, das einem nicht gefällt.

Auch, wenn es bei den meisten Spielen neben der Beschreibung einige Screenshots und Trailer gibt, um einen Eindruck des Inhalts zu vermitteln und bei der Kaufentscheidung zu helfen, sind diese oft nicht aussagekräftig genug, um wirklich zu überzeugen. Das ist sehr schade, denn dadurch stellt nicht bei vielen Spielern eine gewisse Gaming-Müdigkeit ein, zumal sie aufgrund dessen viele großartige Titel verpassen. Und auch für die Entwicklerstudios ist das ein großer Verlust. Wer weiß, wie viele verkaufte Exemplare ihnen durch die Lappen gegangen sind, weil potenziellen Neukunden das Risiko eines Fehlkaufs zu groß war.

So oft bin ich beim Stöbern durch diverse Stores, Angebote und Rabattaktionen über Spiele gestolpert, die mein Interesse geweckt haben und war nach dem Betrachten der jeweiligen Shop-Seite meist immer noch nicht schlauer. Manchmal habe ich zusätzlich Google und YouTube zurate gezogen, um mir ein detaillierteres Bild machen zu können. Doch spätestens nach dem zweiten oder dritten Spiel hintereinander war die Motivation dahin, mir selbstständig einen klareren Eindruck zu machen und ich spielte das Spiel dann doch wieder nicht. Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn ich die Möglichkeit habe, die Spiele in einer kostenlosen Demo auszuprobieren.

Detaillierte Einblicke ohne Risiko

Sobald ich bei einem interessant aussehenden Spiel sehe, dass eine Demo zur Verfügung steht, lade ich sie mir sofort runter. Jedes Mal freue ich mich, mir einen individuellen Eindruck vom Gameplay und von der Spielwelt machen zu können, auf den ich mich in den meisten Fällen auch wirklich verlassen kann. Dabei ist es völlig egal, ob ich durch Zufall im Store über dieses Spiel gestolpert bin oder den Titel schon länger beobachte, weil er mir im Ankündigungs-Trailer zugesagt hat.

Natürlich ist der Umfang einer Demo immer überschaubar, und sollte sie vor offiziellem Release bereits zur Verfügung stehen, ist auch der technische Zustand oft noch nicht das, was ich mir von einer Vollversion verspreche. Doch auch, wenn es noch ruckelt und an jeder Ecke ein anderer Bug auf mich wartet, begrüße ich jede Minute, die ich in der Demo bereits entdecken darf. Auch, wenn ich mich im Schnitt nur 30 bis 40 Minuten in einer Demo aufhalten kann - jede Spielzeit, die darüber hinaus geht, ist purer Luxus -, weiß ich danach recht genau, ob das Spiel etwas für mich ist oder eben nicht.

Oft ist es sogar so, dass ich, nachdem ich meine begrenzte Zeit in einer Demo aufgebraucht habe, es gar nicht erwarten kann, endlich weiterspielen zu dürfen. Erst vor Kurzem konnte ich beispielsweise mit der neuen Demo einen Blick auf das kommende Gothic Remake werfen. Nur, um mich anschließend tagelang darüber zu ärgern, dass ich mich bis zum eigentlichen Release noch eine ganze Weile gedulden muss. Ähnlich ging es mir mit den Demos zu Death Trash, Timberborne, We harvest Shadows und vielen Titeln mehr. Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen.

Auch wenn einige der eben genannten Titel bereits erschienen oder zumindest in den Early Access gestartet sind, haben die meisten doch eines gemeinsam: Sie alle stammen von kleinen Indie-Studios. Große AAA-Entwickler verzichten oft darauf, eine Demo zu ihren Spielen anzubieten und lassen sich meiner Meinung nach damit eine große Gelegenheit durch die Lappen gehen. Immerhin liegen deren Spiele preislich noch einmal deutlich über dem Kaufpreis kleinerer Indie-Titel, weshalb ich lieber zwei- oder dreimal überlege, ob ich das Geld wirklich investieren möchte.

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