Weniger ist mehr: Was Hi-Fi Rush besser macht als Hogwarts Legacy

Kolumne Carlo Siebenhüner 53,99 €
Weniger ist mehr: Was Hi-Fi Rush besser macht als Hogwarts Legacy
Quelle: pcgames

Hi-Fi Rush ist für Carlo Siebenhüner der Überraschungshit des noch jungen Jahres. Was es für ihn sogar besser als Hogwarts Legacy macht, erklärt er in seiner Kolumne.

Hogwarts Legacy ist endlich im Handel und verzückt die Spielewelt mit seiner wirklich schicken Zauberwelt. Doch im gallischen Dorf namens Carlo-Hausen ist die Aufregung um das Open-World-Spiel schon vor Release verflogen. Als ich vor ein paar Wochen eine Kolumne zum Thema geschrieben habe, wurde meine Meinung - sagen wir mal "kontrovers" aufgenommen. Viele konnten meine Position nicht nachvollziehen, aber das ist völlig in Ordnung. Die Auffassungen sind eben unterschiedlich. Neben Hogwarts Legacy habe ich in den vergangenen Wochen ein anderes Spiel regelrecht durchgesuchtet, das ich euch nicht vorenthalten will: Hi-Fi Rush (jetzt kaufen / 53,99 € ), das neue Werk von Tango Gameworks. Während ich also diese beiden, eigentlich schwer vergleichbaren Spiele gezockt habe, ist mir eine Sache aufgefallen, die Hi-Fi Rush in besser macht als Hogwarts Legacy.

Damit meine ich den Mut, zu sagen "Weniger ist mehr"! Dabei rede ich nicht von weniger Inhalt, sondern von einer klaren Linie und Fokus auf einige wenige, aber dafür gut ausgebaute Ideen. Spiele haben meiner Meinung nach viel mehr Potenzial, herausragend zu werden, wenn auf eine klare Vision hingearbeitet wird, anstatt 1000 verschiedene Ideen und Mechaniken reinzuwerfen, von denen die Hälfte nicht wirklich funktioniert.

Damit ihr besser versteht, was ich meine, schauen wir uns erst mal Hi-Fi Rush an. Falls ihr es nicht mitbekommen habt: Vor ein paar Wochen hat Tango Gameworks - das Studio hinter Evil Within und Ghostwire Tokyo - ein neues Spiel released. Spontan und ohne große Ankündigung. So eine Guerilla-Aktion nennt man auch Shadow-Drop und ist, wie ich finde, eine coole und charmante Art, sein Spiel zu präsentieren. Damit das aber funktioniert, muss das Spiel auch was können. Erst dann wirkt die Mundpropaganda.

Und Holy Moly, Hi-Fi Rush kann was! Das liegt meiner Meinung nach daran, dass es die Philosophie der klaren Linie meisterhaft verfolgt. Die Entwickler hatten drei Ideen als Grundlage für die Entwicklung.

  1. Es ist ein Rhythmus-Spiel
  2. Es hat einen farbenfrohen, aber detailreichen Comiclook
  3. Es steckt eine große Ladung Humor drin

Um diese drei Grundsätze ist das ganze Spiel gestrickt. Das Fundament bildet dabei Grundsatz Nummer 1: Alle Elemente des Spiels sind komplett der Musik untergeordnet. Das geht beim Kampfsystem los. Alle Angriffe werden im Takt der Melodien ausgeführt - selbst, wenn man nicht im Takt die Knöpfe drückt. Es ist trotzdem ratsam, in den Rhythmus zu finden, denn betätigt man die Angriffstasten im Takt, wird das mit stärkeren und effektvolleren Angriffen belohnt. Je nachdem, welche Angriffstasten man nutzt, löst man cool animierte Kombos aus. Das verleiht dem Kampfsystem eine überraschende Tiefe.

Auch die Gegner sind der Musik untergeordnet und schlagen im Takt zu. Das macht die Angriffe hervorragend lesbar und man kann als Spieler super darauf reagieren, ohne, dass es zu einfach wird. Dieses Taktsystem führt automatisch dazu, dass sich Kämpfe verblüffend durch Weniger ist mehr: Was Hi-Fi Rush besser als Hogwarts Legacy macht (1) Quelle: pcgames Weniger ist mehr: Was Hi-Fi Rush besser als Hogwarts Legacy macht (1) choreografiert und richtig gut anfühlen, obwohl ja alles dynamisch im Moment passiert. Dreht dann noch einer der lizenzierten Songs auf, gibt es kein Halten mehr. Sich zu "Invaders must die" von The Prodigy durch das Hauptquartier der Bösewichte in Richtung Endkampf vorzuarbeiten, ist der Hammer.

Die Bosskämpfe sind noch mal eine Klasse für sich, überraschen mit coolen Ideen und sind ebenfalls brillant choreografiert. Mal begegnet man einem haushohen Roboter, mal ist es nötig, in einem überraschend intensiven Duell meisterhaft Angriffe zu blocken. Durch das Taktsystem kann man trotzdem immer gut auf alle Gemeinheiten reagieren. Zumindest, wenn man etwas musikalisches Gespür hat. Um dem Spieler zu helfen, den Rhythmus zu finden, hört die gesamte Welt auf die Musik. Egal, ob Roboter, Maschinen, die eigene Spielfigur oder sogar die herumstehenden Bäume: Alles wippt im Takt und gibt dadurch visuelle Impulse.

  1. Seite 1 Was Hi-Fi Rush besser als Hogwarts Legacy macht
  2. Seite 2 Der Grafikstil und der Humor
  3. Seite 3 Hogwarts Legacy will zu viel
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