Spiel, Film, Spielfilm? Warum so manche Unterscheidung veraltet ist
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Redakteur Lukas Schmid hat sich über die nach wie vor strenge Trennung zwischen den Mediengattungen Gedanken gemacht und findet: Es ist an der Zeit, diese generell infrage zu stellen.
Letzte Woche hat es stressbedingt leider nicht mit einer neuen Kolumne hingehauen, sorry an die Milliarden Menschen, die verzweifelt vor ihren Bildschirmen und Smartphones gesessen und bitterlich geweint haben. Tatsächlich, abseits von Urlaubspausen, bisher mein einziger Kolumnen-Ausfall seit Anfang des Jahres. Verdammt, Combo-Breaker!
Aber genug des Rückblicks, mein Thema heute: Medienformen, und ich musste darüber nachdenken, weil ich derzeit Great Ace Attorney spiele (schon seit Wochen, verdammt, ist das Ding lang!).
Egal, wen man fragt, wird wohl jeder sagen: ist ein Videospiel. Klar, läuft auf PC und Konsole, man drückt Knöpfchen, MUSS also ein Spiel sein.
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Aber was tut man die meiste Zeit? Lesen. Ja, es gibt interaktive Elemente, da wird dann etwa ein 3D-Beweisgegenstand gedreht, und man löst auch simple Rätsel, wenn man denn das Vorzeigen eines Items im richtigen Moment so nennen mag. Im Kern ist's aber eine Visual Novel, nicht mehr.
Inwiefern, frage ich mich, unterscheidet sich das jetzt groß vom Buch in der Hand? Und vor allem vom e-Reader?
Lesespaß
Quelle: PC Games
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Und auch da: Inzwischen gibt es e-Reader, die Gaming-Elemente besitzen. Und die braucht man noch nicht einmal, man gehe nur ein bisschen in der Zeit zurück und treffe dort auf Choose-your-own-Adventure-Bücher. Da entscheidet man dann an bestimmten Seiten, wie die Story weitergehen soll und erlebt dann verschiedene Verläufe und Enden.
Ist das wirklich so anders als eine Visual Novel? Schon da kann man sich fragen, ob das nicht auch eher eine Art Videospiel ist.
Klar, mir ist bewusst, das bezieht sich natürlich auch auf den elektronischen Aspekt, wenn die Funktionsweisen einander so ähnlich sind, dann handelt es sich meiner Meinung nach aber nur um veraltete Begrifflichkeiten.
Spiel-Film
Quelle: Netflix
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Und auch Film nehme ich von dieser Verschmelzung nicht aus. Ich bin nicht der größte Fan davon, aber Projekte wie Bandersnatch oder Erica weichen die Grenzen auch gehörig auf. Und sie haben deutlich ältere Vorgänger: Schon in den 1980ern ritterte sich Dirk the Daring durch Dragon's Lair, um die Prinzessin zu retten. In den 1990ern waren dann FMV-Spiele extrem populär, in denen ebenfalls interaktiv echten Schauspielern zugeguckt wurde. Hingegen wirken AAA-Titel wie Uncharted inzwischen eh mehr wie spielbare FIlme denn wie irgendetwas sonst.
Nicht falsch verstehen, viele dieser Experimente sind schlecht, andere schlecht gealtert. Die Idee dahinter ist es aber, die sie für mich so reizvoll macht.
Auf die Ohren
Quelle: Sony
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Und Musik? Nun, die ist sowieso so intrinsisch mit allen anderen Mediengattungen verknüpft, dass sie gar nicht wegzudenken ist. Hörspiele, an- und abschwellende Klänge je nach Situation in einem Spiel, die bombastische Untermalung von Kino-Blockbustern - Musik ist hier stets genauso wichtig wie der visuelle Aspekt, und beeinflusst bei einem Spiel direkt das Gameplay. Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, denn Musik- und Rhythmusspiele sind ja auch nicht erst seit gestern populär.
Was da kommen mag
Worauf will ich hinaus? Ich glaube, dass diese strenge Unterteilung in Mediengattungen überholt ist. Ein Buch kann ein Spiel sein kann ein Film sein kann was auch immer sein, und das gilt in alle anderen Richtungen ebenso.
Welche erweiterte, moderne Klassifizierung sinnvoll wäre, wage ich nicht einzuschätzen. Aber ich denke, dass wir uns hier an einer Schwelle befinden, die dafür sorgen wird, dass wir in gar nicht so ferner Zeit ganz andere Bezeichnungen für die Medien ersonnen haben werden, die wir konsumieren. Schlussendlich sind diese festgefahrenen Muster ja auch eine Barriere, die im schlimmsten Fall innovative Entwicklungen zurückhält.
Die Zukunft ist gruselig genug, aber das ist eine Entwicklung, der ich gespannt entgegenblicke.
Über den Autor
Quelle: Lukas Schmid
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Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.
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