Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt
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Kennt ihr das, wenn ein Spiel oder ein Genre total gefeiert wird, und ihr steht einfach nur daneben und versteht nicht, wo da der Reiz liegen soll? Redakteur Lukas Schmid auch, wie er in seiner Kolumne erklärt.
Ich bin wirklich mit dem Plan an Returnal herangegangen, es zu lieben.
Die Atmosphäre, die Story, die geerdete Spielfigur, all das sagte mir schon im Vorfeld sehr zu. Oh, und die famose Grafik störte mich natürlich auch nicht!
Als ich es dann spielte, bestätigte sich diese Liebe - kurzzeitig. Das Gunplay fühlt sich nämlich wirklich toll an, ich mag die Weltgestaltung, die Steuerung ist wirklich sehr gelungen.
Aber: Es ist halt ein Rogue-like. Und Rogie-likes und ich, wir mögen uns nicht.
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Ich hab es einige Stunden versucht, habe mich bis relativ ans Ende des zweiten Bioms vorgekämpft und mir die ganze Zeit gedacht: Warum, verdammt, ist das alles zufallsgeneriert? Warum darf ich meine gesammelten Upgrades nicht behalten? Wo bitte liegt der Spaß darin, ganz genau denselben Kram wieder und wieder und wieder und wieder und wieder zu machen?
Ja, ich habe also aufgegeben. Obwohl ich es so gerne getan hätte, werde ich nie erfahren, was es mit dem mysteriösen Astronauten auf sich hat, nie einen Abschluss finden für Protagonistin Selenes Geschichte.
Über den Autor
Quelle: Lukas Schmid
Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt (8)
Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.
Live. Die. Repeat.
Bevor das jetzt unweigerlich kommt: Nein, mein frühzeitiger Spielabbruch liegt nicht daran, dass mir Returnal zu schwer gewesen wäre. Ist schon knackig, aber in einem erträglichen Rahmen, da habe ich bei Bloodborne mehr geflucht.
Quelle: PC Games
Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt (1)
Aber Rogue-like halt! Das faszinierende ist, ich kann den Reiz an dem Genre sogar vollkommen nachvollziehen. Immer wieder etwas versuchen, besser werden, das Spiel quasi über das Nachverfolgen einer Story oder einer Levelstruktur hinaus verstehen. Mit Wiederholung hab ich jetzt nicht wirklich ein Problem, ich spiele immerhin Ubisoft-Spiele. Die Idee mag ich also, und in der Theorie macht sie mir Spaß - aber halt nur dort.
Vollkommen wurscht, ob das Ding dann Returnal, Hades oder Ulfis Abenteuer im sich wiederholenden Dungeon heißt, ich steig da sofort aus, sobald ich den Controller in die Hand genommen und losgelegt habe.
Unzivilisiert
Quelle: PC Games
Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt (5)
Das ist nicht das einzige Genre, bei dem es mir so geht. Gut, Sportspiele, aber da liegt meine Aversion primär daran, dass mich vor allem Fußball, aber auch Basketball oder American Football schon in der Realität ungefähr so reizen wie eine Leberzirrhose.
Aber Echtzeitstrategie, zum Beispiel. Ich finde die Idee spannend, Ressourcen zu sammeln, Einheiten zu erstellen und/oder Landstriche zu bebauen beziehungsweise einzunehmen. Alles gut, aber gebt mir Maus und Tastatur und Civilization 6 an die Hand, und innerhalb von Minuten suche ich nach einer Aktivität, die mir mehr Laune bereitet, Matheklausuren im Internet lösen etwa oder leichte Schläge in die Weichteile.
Quelle: Nintendo
Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt (6)
Baulust
Manchmal sind es nicht ganze Genres, sondern einzelne Spiele, die mich kaltlassen. Ich liebe Leveleditoren, ich liebe es, kreativ zu werden und virtuelle Gebilde vor mir entstehen zu sehen. Super Mario Maker, die Baukästen in den Hauptteilen der Far-Cry-Serie, früher mal leichte Gehversuche im RPG Maker - klasse!
Minecraft hingegen muss ich nur anschauen und schon bekomme ich Lust auf ein leichtes Koma.
Nein, das liegt nicht am Hype und auch nicht an der Blockgrafik. Woran es dann liegt? Wenn ich es wüsste, würde ich es sagen. Dieses Ding, welches mir richtig viel Spaß machen sollte, löst einfach so überhaupt gar nix bei mir aus.
Erneut kann ich den Reiz daran aber vollkommen nachvollziehen, und wenn ich dann auf Youtube irgendwelche Videos von fantastischen Riesenbauten sehe, denke ich oft genug kurz darüber nach, doch noch einzusteigen. Hält dann manchmal gut fünf Minuten an, dieser Beschluss.
Ein guter Grund zu schlafen
Quelle: Wargaming.net
Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt (7)
Muss man alles mögen? Nein, natürlich nicht. Aber die genannten Beispiele und viele weitere sind halt Fälle, in denen ich einfach selbst gern wüsste, was mich davon abhält, sie zu genießen.
Es gibt Spiele und Genres, da weiß ich genau, warum sie mir nicht gefallen. Mit Militärshootern kann man mich jagen, weil ich diesen überzogen patriotischen Mist voller banaler Krachbummeffekte und richtig grottigem Storytelling (in den Kampagnen) einfach furchtbar finde. Dito so etwas wie World of Tanks, das finde ich so unfassbar langweilig, dass ich beim Schreiben dieses Satzes schon dreimal neu ansetzen musste, weil ich beim Gedanken an das Spiel mehrmals eingenickt bin.
Ich will aber!
Quelle: Mojang
Man muss nicht alles mögen: Manche Spiele lassen mich kalt (3)
Aber ich WÜRDE die Spiele, bei denen ich hinsichtlich meiner Abneigung nicht den Finger drauflegen kann, halt wirklich gerne mögen. Returnal hat mir das klargemacht wie selten ein Spiel zuvor. Ich habe wirklich das Gefühl, dass mir etwas entgeht, weil ich es nicht spielen mag.
Einfach überwinden und es trotzdem tun, obwohl ich mich dann die ganze Zeit ärgere? Ich weiß nicht, das finde ich nicht ideal. Ich will aber auch nicht einfach die Story auf Youtube nachgucken oder sie nachlesen, ich will sie erleben. "Warum bist du nicht einfach ein Metroidvania", dieser Gedanke schwebte mir während des Spielens die ganze Zeit im Kopf herum.
Und man mag darüber lachen, ich finde die Lore Minecrafts irgendwie spannend. Da habe ich mich, weil mir das selber Erleben da nicht so wichtig ist wie bei Returnal, tatsächlich etwas schlau gemacht, und alleine, was da von der Fanbase an Theorien rund um die Endermen, die Bedeutung des Nether und Co. aufgestellt wird, fasziniert mich ungemein.
Tja, bloß blöd, dass ich kein Teil dieser Fanbase bin.
Was lernen wir daraus?
Gibt's eine Moral aus der Geschicht'? Nicht wirklich, und auch keine zufriedenstellende Lösung, die ich erkennen würde. Manche Erlebnisse, manche Geschichten werden mir wohl einfach für immer verwehrt bleiben - und ich kann niemandem außer mir selbst die Schuld daran geben.
Wie ist das bei euch? Welche Spiele, welche Genre lösen bei euch so gar nix oder sogar negative Emotionen aus? Verratet es mir bitte in den Kommentaren, mich würde interessieren, ob es da gewisse Kausalitäten gibt, dass etwa bestimmte Genres besonders oft abgelehnt werden.
Hui, das mit dem call to action hab ich voll drauf!
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