It Takes Two, Far Cry 6 und Co.: So schlecht war das Spielejahr doch gar nicht! - Seite 2
Kolumne 53,99 €
Redakteur Michael Grünwald rechnet einmal mit dem Spielejahr ab, das von vielen Gamern kritisch beäugt wird. Aufgrund von Titeln wie It Takes Two, Guardians of the Galaxy und Far Cry 6 findet er, dass das arme, kleine 2021 aber zu Unrecht am Pranger steht.
Die Geschichte, die Resident Evil: Village erzählen wollte, hatte dagegen etwas von einer schlechten Seifenoper. Dort standen eher die Action und einige wenige, aber immerhin stark inszenierte Gruselabschnitte im Vordergrund. Unterhaltsam gestaltete sich der achte Teil von Capcoms Horror-Reihe dennoch, wenngleich mich ein anderer Shooter in diesem Jahr überraschenderweise mehr überzeugen konnte.
Die Rede ist von Far Cry 6. Auf der Karibik-Insel Yara als Dani Rojas sein Unwesen zu treiben und Breaking-Bad-Bösewicht Giancarlo Esposito zu jagen, hat wirklich Laune gemacht. Nach dem komplett überdrehten fünften Teil schraubte Ubisoft die Chaosformel zum Glück ein wenig zurück. Far Cry 6 war vielleicht nicht das beste Spiel der Reihe, aber es schlug einen guten Weg zurück zu den Wurzeln ein.
In diesem Artikel
In den letzten drei Monaten kamen mit Metroid Dread und Halo Infinite noch zwei Anwärter zum Spiel des Jahres auf Switch und Xbox auf den Markt. Allgemein konnten die beiden Konsolen ihren Exklusivtitel-Rückstand auf die PlayStation im Jahr 2021 verkürzen. Dazu trug auch das unglaublich schicke Rennspiel Forza Horizon 5 bei. Ich muss einfach gestehen, als Kollege Maci durch das virtuelle Mexiko brauste, habe ich immer ein wenig neidisch auf den Bildschirm nebenan geschaut.
Überraschungen und Geheimtipps
Quelle: Deep Silver Fishlabs
It Takes Two, Far Cry 6 und Co.: So schlecht war das Spielejahr doch gar nicht! (4)
Spiele, die völlig überraschend einschlagen wie eine Bombe, gab es dieses Jahr größtenteils nur auf Steam. Das Zeitschleifen-Allerlei Loop Hero fällt mir da genauso schnell ein wie das Indie-Adventure Death's Door. Auch der erst im Dezember erschienene Weltraum-Shooter Chorus des Hamburger Entwicklerstudios Fishlabs schaffte es wie aus dem Nichts viele Spielerinnen und Spieler auf PC und Konsole zu überzeugen.
Dass Marvel's Guardians of the Galaxy so rockt, hatte bis zum Release noch niemand richtig auf dem Schirm. Nach dem riesigen Flop des Avengers-Spiels und den ersten sehr generisch wirkenden Trailer-Ausschnitten befürchteten viele schon die nächste Voll-Katastrophe. Doch Eidos Montreal und Square Enix haben es geschafft, einen spaßigen Singeplayer-Titel mit fesselnder Story und grandiosem Soundtrack zu veröffentlichen.
Eine packende Geschichte liefert Kena: Bridge of Spirits vielleicht nicht, punktet dafür aber mit einer fantastischen Präsentation, einer wunderschönen Spielwelt und einem gelungenen Gameplay-Mix. Das Erstlingswerk vom Entwicklerteam Ember Lab ergatterte bei den Game Awards auch völlig zu Recht, die Trophäe zum Indie des Jahres. Knackige Storys, die nach 10-15 Stunden abgeschlossen sind, gibt es mittlerweile nämlich viel zu selten. Da können gerne noch weitere Projekte des relativ neu gegründeten Studios folgen.
Alte Spiele in neuem Glanz
Quelle: buffed
It Takes Two, Far Cry 6 und Co.: So schlecht war das Spielejahr doch gar nicht! (3)
Auch Neuauflagen klassischer Titel durften im Jahr 2021 nicht fehlen. Und die hatten es tatsächlich in sich. Die größten Remaster in den letzten zwölf Monaten waren die Mass Effect: Legendary Edition, Diablo 2: Resurrected und Grand Theft Auto: The Trilogy. Zwei der drei Umsetzungen brachten Fans zum Jubeln, die Dritte brachte sie auf die Barrikaden.
Doch erstmal der Reihe nach: Am 14. Mai erschien die Mass-Effect-Trilogie als Remaster-Version. Für mich perfekt - denn Schande über mein Haupt - außer Andromeda habe ich noch keinen Teil der Reihe angerührt. Mittlerweile ist zumindest ein Drittel davon abgeschlossen und auch Nummer Zwei und Drei werden über die nahenden Feiertage folgen. Den Vergleich zwischen alter und neuer Version kann ich zwar nicht ziehen, aber ich verstehe den Hype um das Franchise nun etwas besser.
Die Neuauflage von Diablo 2 hatte zwar mit deftigen Server-Problemen zu kämpfen, sehen lassen konnte sich Blizzards Kult-Hit aber allemal. Resurrected bekam neben einem fantastischen Grafik-Upgrade auch Technik-Verbesserungen wie beispielsweise eine griffigere Gamepad-Steuerung spendiert. Viele Fans bemängelten jedoch Bugs und Balancingschwächen, die quasi unverändert aus dem Original übernommen wurden.
Über solche Fehler können Spieler der Definitive Edition der GTA-Trilogie nur lachen. Wie Rockstar einen solchen Bockmist auf die Menschheit loslassen konnte, wird vermutlich für immer ihr Geheimnis bleiben. Ich hatte große Lust, seit Ewigkeiten wieder einmal die Straßen von Liberty City, Vice City und San Andreas unsicher zu machen, doch der desolate Zustand des Remaster hielt mich dann davon ab. Und wenn ich sehe, in welch unfertigem Zustand Cyberpunk noch immer auf Konsolen ist, wird auch bei GTA ordentlich Zeit vergehen, bis ich Officer Tenpenny nochmal das Licht ausknipse.
Enttäuschungen und Flops
Quelle: PC Games
It Takes Two, Far Cry 6 und Co.: So schlecht war das Spielejahr doch gar nicht! (6)
Natürlich gab es aber auch 2021 die negativen Überraschungen und die kompletten Rohrkrepierer. Dass Konami seine erfolgreichen Marken in den letzten Jahren schneller unter die Erde bringt als der Hitman seine Zielpersonen, sollte mittlerweile die Runde gemacht haben. Eine simple Fußball-Simulation wie Pro Evolution Soccer innerhalb von nur zwei Jahren aber so gegen die Wand zu fahren, ist selbst für das japanische Unternehmen eine neue Höchstleistung.
Als ich die ersten Minuten in eFootball gespielt habe, war ich wirklich erschrocken über den desolaten Zustand des Spiels. Diese Stimmung hat sich allerdings schnell verändert, schließlich waren die Slapstick-Einlagen auf dem Platz definitiv für den einen oder anderen Lacher gut. Ähnlich erging es wohl auch den Jump&Run-Fans mit Balan Wonderworld. Am 26. März erschienen, schnappte sich das Spektakel der traurigen Art sehr schnell eine Platzierung in den Top-3, der am schlechtesten bewerteten Spiele des Jahres.
Zwei heißersehnte Titel waren zwar kein kompletter Reinfall, aber dennoch schöpften Battlefield 2042 und Biomutant ihr Potenzial bei weitem nicht aus. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Call of Duty nach Black Ops Cold War so angreifbar wie noch nie auf den Markt kommt, schafft es die Konkurrenz von DICE und Electronic Arts nicht, den Elfmeter zu verwandeln. Auf Steam gilt der Shooter derzeit mit gerade einmal 34 Prozent positiver Rezensionen als größtenteils negativ.
Der kleine Biomutant ist mit 68 Prozent positiver Bewertungen davon relativ weit entfernt. Hier ärgert es mich viel mehr, dass Publisher THQ Nordic ihrem Entwicklerstudio Experiment 101 nicht mehr Zeit für den letzten Feinschliff gegeben hat. Zwar wäre das Open-World-RPG wohl dennoch mit einer recht faden Story und einem nervigen Erzähler veröffentlicht worden, aber an den unzähligen Bugs und Spielabstürzen hätte das Team definitiv arbeiten können.
Für mich war 2021 ein recht durchschnittliches Spielejahr, aber weit davon entfernt, langweilig oder gar mies zu sein. Vielleicht ist es nicht einmal so schlecht, dass in den letzten Monaten vermehrt kleinere Projekte im Rampenlicht standen. Das nächste Jahr wird mit Titeln wie Horizon: Forbidden West, Stalker 2 oder Elden Ring zeigen, was die großen Entwickler und Publisher aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.
