Die Farben lebendig, die Kontraste atemberaubend, Sonnenlicht so hell wie ... nun ja, Sonnenlicht eben. HDR könnte so schön sein - wenn es auf dem PC und in den meisten Spielen nicht eine einzige Farce wäre.
Bei der Zusammenstellung eines Gaming-Setups ist der TV oder Monitor ein extrem wichtiger Bestandteil. Schließlich nützt die beste Grafikkarte oder die leistungsfähigste Konsole nichts, wenn das Bild am Schluss verwaschen, verschliert oder niedrig aufgelöst die Augen erreicht. Die Display-Oberklasse bilden aktuell OLED-Bildschirme, die im Wohnzimmer und auf dem Smartphone schon seit längerem gang und gäbe sind.
Bei PC-Monitoren hat der Siegeszug etwas länger gedauert, aber inzwischen werden auch für den Schreibtisch feine OLED-Displays zu (halbwegs) erschwinglichen Preisen angeboten. Satte Farben, abgrundtief dunkle Schwarzwerte, krasse Kontraste und blitzschnelle Reaktionszeiten - die Vorteile eines OLED-Displays sind zahlreich.
Besonders gut eignet sich diese Technologie außerdem für die Darstellung von HDR (High Dynamic Range), also grob zusammengefasst von Inhalten, bei denen helle Bereiche richtig hell und dunkle wirklich dunkel sind und alles natürlicher und lebendiger aussieht. Oder zumindest aussehen soll.
Nach meinem Umstieg auf einen WQHD-OLED-Monitor mit sehr guten Bewertungen, was seine HDR-Fähigkeiten angeht, habe ich nämlich eines festgestellt: Richtig gelungene HDR-Implementierung sucht man als Gamer mit der Lupe und vor allem für PC-Spieler, die auf Windows unterwegs sind, bringt die Technologie einiges an Frustpotenzial mit.
HDR-Gaming ist weit davon entfernt, zum neuen Standard zu werden, und bevor seine größten Probleme nicht behoben sind, wird es wohl immer eine Nische für Enthusiasten (und ein Stück weit Leidensfähige) bleiben.
Problem Nummer 1: Warum einfach, wenn's auch mit Windows geht?
Vor allem auf dem PC, denn Windows und HDR harmonieren einfach nicht. Auf den Konsolen wird HDR einmal im Systemmenü konfiguriert und dann automatisch ein- und ausgeschaltet, je nachdem, ob das gestartete Spiel die Technik unterstützt oder nicht.
In Windows 11 geht es schon damit los, dass eine extra Software zur HDR-Konfiguration aus dem Microsoft Store geladen werden muss, und weil sich Displays und Ansprüche nun mal von Fall zu Fall unterscheiden, kommt man um diese Kalibrierung auch nicht herum. Solitär? Vorinstalliert. Das Einstellmenü, um den neuen Monitor richtig zu nutzen? Ein Zusatzprogramm. Gut, immerhin ein verständliches, bei dem man nicht viel falsch machen kann.
Danach stellt man fest, dass Windows bei HDR nur "immer ein" und "immer aus" kennt und nicht nur kompatible Spiele und Videos, sondern auch den Desktop und sämtliche Programme in HDR darstellt - oder in sowas ähnlichem, denn ansprechend sieht das Resultat für mich nicht aus. Alles ist blass, kontrastarm und wirkt irgendwie falsch.
Etwas Abhilfe schafft ein Slider, der die Darstellung von SDR-Inhalten, also Standard Dynamic Range, bei eingeschaltetem HDR regelt. So "normal" wie in richtigem SDR werden Desktop, Browser und Co. damit allerdings auch nicht aussehen.
Darüber hinaus ist Windows nicht in der Lage, zu erkennen, wann nur SDR- und wann HDR-fähige Software gestartet wurde - die Funktion ist immer an oder immer aus, und sie muss in Windows an sein, um im Spiel zu funktionieren. Oder doch nicht? Das scheint von Fall zu Fall unterschiedlich zu sein.
Sollte einem das HDR eines Spiels nicht gefallen, reicht es jedenfalls nicht, es einfach im Optionsmenü zu deaktivieren. Es muss systemweit abgeschaltet werden, und zwar am besten, wenn das Spiel gerade nicht läuft.
Ansonsten kann nämlich auch die SDR-Darstellung verfälscht sein. Immerhin: Windows hat einen Shortcut-Befehl für HDR. Windowstaste+Alt+B. Blöderweise kann es aber sein, dass der Wechsel erst nach einem Neustart vollständig vollzogen wird - zumindest auf meinem Monitor ist das der Fall und der Shortcut somit ziemlich nutzlos. Da wirkt es praktischer, den HDR-Schalter einmal auf "Aus" zu stellen und sich nicht mehr damit herumärgern zu müssen, denn ...
