Geistige Nachfolger: Yooka-Laylee, Bloodstained und Co. können nicht begeistern
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Was, eine beliebte Reihe wird trotz Fan-Rufen nicht fortgesetzt? Na, dann muss halt ein geistiger Nachfolger her! Eigentlich ja ein lobenswerter Vorgang, der Redakteur Lukas Schmid aber inzwischen einfach nicht mehr abholt.
Vor einigen Wochen habe ich es in meiner Kolumne zu einem neuen Splinter Cell erwähnt: Derzeit befindet sich ein geistiger Nachfolger dazu in Entwicklung, der die Tugenden der ersten paar Spiele der Reihe hernehmen und in ein modernes Gewand stecken will.
Spectre heißt das Ding und sieht auch tatsächlich ganz anständig aus. Mein Interesse ist aber trotzdem endenwollend, denn warum auch immer liegt der Fokus auf Koop-Gameplay, nicht auf einer immersiven Singleplayer-Erfahrung. Klar, gab es bei Splinter Cell auch, das war aber nie der Grund, warum ich die Reihe so schätzte.
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Aber auch ohne diesen Umstand wäre ich nicht in Begeisterungsstürme ausgebrochen, und zwar, weil es eben NICHT ein neues Splinter Cell ist. Es ist davon klar inspiriert, aber wenn ich eine Cola will und eine Pepsi bekomme, liegt der Kern meines Wunsches ja auch nicht alleine darin begründet, dass die süße Suppe braun und klebrig sein soll.
Das ist etwas, was mir, nachdem ich mich eine Zeitlang auch davon hab mitreißen lassen, nun immer klarer wird: Geistige Nachfolger sind für mich kein Substitut für das echte Ding.
Banjo-Nooie
Quelle: PC Games
Geistige Nachfolger: Yooka-Laylee, Bloodstained und Co. können nicht begeistern (2)
Als etwa Yooka-Laylee vor einigen Jahren angekündigt wurde, war ich erst einmal völlig begeistert. Entwickelt größtenteils von den Leuten, die auch am klaren Vorbild Banjo-Kazooie gewerkelt hatten, mit derselben DNA, mit fast demselben Gameplay.
Tja, das Ergebnis war dann aber leider nur so semigut, wenngleich ich mir das nicht so recht eingestehen wollte. Mein Test dazu ist einer der zum Glück nur seltenen Fälle, wo ich sage, dass ich einfach wirklich falsch bewertet habe, weil ich einfach wollte, dass es besser war, als es eigentlich war. Das Abenteuer ist keine 8/10 (beziehungsweiße 82/100) nach unserem alten Wertungssystem), es hakt an allen Ecken und Enden.
Aber eben: Hätte es die Fan-Erwartungen erfüllt, hätte ich viel Spaß damit gehabt - ich bin mir ziemlich sicher, ich wäre trotzdem enttäuscht gewesen.
Sam Fishy
Quelle: Ubisoft
Geistige Nachfolger: Yooka-Laylee, Bloodstained und Co. können nicht begeistern (3)
Ich mag ein Spiel ja nicht nur deswegen, weil es nach einem bestimmten Schema funktioniert. Klar, ich liebe das Schleich-Gameplay in Splinter Cell. Genauso wichtig sind mir aber Protagonist Sam Fisher, die Beziehung zwischen ihm und seinem Vorgesetzten Lambert und seiner Tochter Sarah, die Welt, die da erschaffen wurde.
Klar, das Rumgehüpfe in Yooka-Laylee fühlt sich sehr vertraut an. Ohne Banjo und Kazooie, ohne Hexe Gruntilda, ohne all die Details, welche die Spielwelt, die ich so ins Herzen geschlossen hab, zum Leben erweckt werden, kann das Endergebnis niemals das sein, was ich mir gewünscht hatte. Da ist es dann wurscht, ob dieselben Leute dahinter stecken wie anno dazumal oder ein neues Team.
Mega-Fail Man
Quelle: stardewvalley.net
Geistige Nachfolger: Yooka-Laylee, Bloodstained und Co. können nicht begeistern (8)
Was nicht heißt, dass geistige Nachfolger nicht wirklich klasse sein können. Auf jedes Mighty No. 9 kommt ein Bloodstained: Ritual of the Night, kommen Shovel Knight, Axiom Verge und Co. Und einige Marken, allen voran Stardew Valley und Cities: Skylines, haben ihre Vorbilder Harvest Moon/Story of Seasons respektive SimCity qualitativ weit hinter sich gelassen und sind inzwischen der neue Genre-Standard.
Das ist aber erstens nicht die Regel. Zweitens gibt es natürlich auch Arten von Spielen, wo die emotionale Bindung nicht so ausgeprägt ist wie bei anderen Titeln, wo so viel an Welt und Figuren hängt - die herumwuselnden Sims etwa gehen einem ohne die viel direktere Bindung in den Lebenssimulationen wohl nur bedingt ab.
Und drittens haben viele dieser Spiele es geschafft, sich bei aller Ähnlichkeit zu Vorhergegangenem eine eigene Identität aufzubauen und nicht mehr bloß im Vergleich zu den geistigen Vorgängern zu funktionieren, sondern durch sich selbst.
Castlemehnia
Quelle: ArtPlay
Geistige Nachfolger: Yooka-Laylee, Bloodstained und Co. können nicht begeistern (7)
Das ist vielleicht eine wichtige Unterscheidung, die man treffen muss. Geistige Nachfolger funktionieren für mich dann nicht, wenn sie sich durch den Umstand, dass sie etwas anderes sein wollen, definieren, denn dann können sie bei aller Qualität nur verlieren - ja, auch Bloodstained hat mich deswegen nicht abgeholt.
Hingegen Stardew Valley ja nicht als Hommage entstanden ist, sondern weil Entwickler Eric Barone einfach ein Spiel in der Art von Harvest Moon haben wollte, aber auf seine Weise, erwachsener und besser.
Oder Undertale: Klar, Erfinder Toby Fox atmet ganz offensichtlich Earthbound, aber er hat eben keinen Klon erschaffen, sondern ein einmaliges Rollenspiel, das nicht versucht, Earthbound zu sein, sondern dessen Leistungen einfach sehr würdevoll in Ehren hält.
Suckikoden
Vielleicht fällt es mir nur auf, weil mich das Thema derzeit beschäftigt, aber ich habe das Gefühl, in unserer Zeit des gelebten Memberberrytums schlagen immer mehr und mehr geistige Nachfolger der von mir kritisierten Art auf dem Spielemarkt auf. Und das ist ja auch nicht per se ein Problem. Eiyuden Chronicle: Hundred Heroes zum Beispiel schaut ziemlich gut aus.
Aber ich hoffe, es hat mehr auf dem Kasten, als nur von Suikoden 2 inspiriert zu sein - und grafisch, warum auch immer, von Octopath Traveler.
Im Zweifelsfall entstaube ich dann aber doch lieber meine alten Konsolen und spiele Suikoden 2, Splinter Cell, Banjo Kazooie und Co. Dann nämlich spüre ich dieses Ich-bin-zu-Hause-Gefühl in all seinem Glanz, und nicht in einer Version, wo die Haustür klemmt und der Boden knarzt.
Über den Autor
Quelle: Lukas Schmid
Geistige Nachfolger: Yooka-Laylee, Bloodstained und Co. können nicht begeistern (1)
Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.
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