Die Macht der Klänge: Wie Musik Spiele zum Leben erweckt

Kolumne Lukas Schmid 53,99 €
Die Macht der Klänge: Wie Musik Spiele zum Leben erweckt
Quelle: Nintendo

Was macht die Langlebigkeit eines Videospiels aus? Grafik, Gameplay, Story? Alles wichtig. Das, woran wir uns aber noch Jahre später erinnern, ist aber die Musik, findet Redakteur Lukas Schmid in seiner Kolumne.

Ich habe heute zum 40. Mal das Puzzlespiel Maquette durchgespielt. Also, nicht wirklich. Aber irgendwie schon. Lasst mich erklären.

Ich bin tatsächlich kein großer Musikmensch. Ein Instrument spiele ich so oder so nicht, nicht einmal Blockflöte, und ich höre auch nicht allzu viel Musik. Klar, ich habe meine Künstlerinnen und Künstler, die ich sehr schätze, etwa Leonard Cohen oder Eric Clapton, aber dass ich mich bewusst hinsetze und einfach nur zuhöre, und auch, dass ich mich berieseln lasse, etwa während es Arbeitens - das passiert eigentlich kaum jemals.

Warum ist das so? Nun, einerseits bin ich wohl einfach ein Banause, andererseits war ich schon immer ein Mensch, der die Dinge, die er genießt, gerne in einen Kontext setzt. Mit einem Lied verbinde ich erst einmal nicht viel, auch mit einem sehr guten, aber sobald es bei mir Erinnerungen an Momente oder Empfindungen auslöst, dann kann ich es auch richtig genießen.

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Wenig überraschend also: Bei Spielesoundtracks macht es bei mir gerne mal "Klick", und da befruchtet sich dieses Empfinden dann auch gegenseitig. Ich genieße das Spiel mehr, weil ich die Musik mag, und ich höre die Musik, weil sie mich an tolle Spielmomente erinnert.


Über den Autor

Die Macht der Klänge: Wie Musik Spiele zum Leben erweckt (6) Quelle: Lukas Schmid Die Macht der Klänge: Wie Musik Spiele zum Leben erweckt (6) Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.


Zurück auf Anfang

Und damit zurück zum Anfang: Heute habe ich gefühlt das 40. Mal Maquette durchgespielt. Seitdem ich den Titel gespielt und zu schätzen gelernt habe, befindet sich der wirklich famose, lizensierte Indie-Soundtrack bei mir nämlich in der Spotify-Dauerrotation.

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Und wenn ich die Musik höre, dann erlebe ich die eigentlich banale, aber toll erzählte Beziehungsgeschichte aus Maquette nämlich wieder und wieder. Erneut erlebe ich mit, wie das Paar aus dem Spiel seine Höhen und Tiefen erlebt, inklusive des sehr emotionalen Endes - keine Sorge, Spoiler gibt es an dieser Stelle keine. Höre ich die Musik, bin ich sofort wieder drin in dieser Welt, und es ist, als würde ich jedes Mal von vorne loslegen, auch, wenn ich in Wahrheit natürlich nur einmal wirklich durch die Kampagne gewandert bin (plus im Schnelldurchlauf noch einmal für die Trophäen).

Nettes Puzzle-Gameplay, sehr schöne Geschichte: Maquette wäre auch ohne die Musik ein schönes Spiel, einzigartig wird es für mich aber erst durch die Musik - und quasi unsterblich. Immer wieder wird es mir in Erinnerung gerufen, und ich weiß, dass ich mich auch noch in Jahren Details und Momente aus den Abenteuer erinnern würde, was ohne den Soundtrack nicht so wäre.

Emotionale Reiseunterstützung

Und das ist bei mir der Fall, jemandem, der wie gesagt alles andere als musikverliebt ist. Das zeigt, wie ungemein wichtig der gute Ton (keine Sorge, das ist das einzige schlechte Wortspiel, aber ganz ohne geht es nicht) für Videospiele ist.

Zweites Beispiel: Celeste, wie in meinen Kolumnen schon ein paar Mal erwähnt eines meiner absoluten Lieblingsspeise aller Zeiten. Woran denke ich zuerst, wenn es mir in den Sinn kommt? Die Zigtausenden Tode, die ich gestorben bin? Die berührende Handlung?

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Nein, auch hier, wo ich jeden einzelnen Aspekt des Abenteuers vergöttere, ploppt erst einmal die Musik in meinem Kopf auf, und eh ich mich versehe, summe ich sie vor mich hin. Sie ist für mich nicht wegzudenken und drückt das Gefühl, das ich beim Spielen habe, einfach perfekt aus. Welche Macht Musik also haben kann!

Rhythmus im Heldenblut

Es ist auch beeindruckend, wie Klänge einen als Spieler leiten können. Gerne nehme ich dabei die Bossmusik gegen Ganondorf im finalen Bosskampf von The Legend of Zelda: The Wind Waker zur Hand. Sie bildet im Grunde perfekt die Emotionen ab, die man empfindet, wenn man dem Dämonenkönig das erste Mal gegenübertritt. Erst ist die Musik laut, chaotisch, die vielen Klänge überfordern einen. Dann wird sie leiser, man findet sich zurecht, aber weiterhin dröhnt sie bedrohlich, denn die Gefahr ist weiterhin groß. Erst danach gewinnt sie an positiver Kraft, also zu dem Zeitpunkt, wo man die Schwachpunkte seines Widersachers endlich erkennt, und endet in hoffnungsvollen Klängen, wenn schlussendlich das Gute über das Böse siegt und Link seine Klinge im Schädel des Bosses versenkt.

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Interpretiere ich hier zu viel rein? Kann schon sein, aber wenn die Musik diese Emotionen so perfekt auf das Geschehen abgestimmt bei mir auszulösen vermag, dann hat man als Komponist doch alles richtiggemacht, egal, ob völlig beabsichtigt oder nicht.

Imposant, aber belanglos

Nun als Gegenbeispiel Uncharted, egal, welcher Teil der Reihe. Ich schätze die Serie ungemein, vor allem Uncharted 2 und Uncharted 4. Mich an einzelne Momente erinnern? Das gelingt mir aber nicht so einfach, und das, obwohl die Spiele vor tollen Setpieces und erzählerischen Momenten nur so strotzen.

Warum? Nun, wieder kann man mir vorwerfen, dass ich hier Zusammenhänge sehe, die so nicht existieren. Aber der Soundtrack von Uncharted, so aufwendig er produziert sein mag, ist halt einfach nur das: Aufwendig produziert. Schlussendlich sind's aber halt nur schöne Orchesterklänge, die nichts anderes tun, als meine Schieß- und Kletterorgien nett und unauffällig zu begleiten.

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Nur mit Mühe gelingt es mir, mir hier einzelne Musikfetzen ins Gedächtnis zu rufen, wenn überhaupt. Meine Erinnerung hat kein Audio-Gerüst, an dem es sich entlanghangeln kann, und ergo verschwimmen die Spiele für mich zu einer schönen Gameplay- und Storymasse, die ich weiterhin mag, die aber nach all der Zeit nicht mehr viel bei mir auslöst.

Ohren aufsperren!

Darum: Ein Hoch auf die Videospielemusik, die zwar natürlich ge-, aber in ihrer Wirkung meiner Wahrnehmung nach unterschätzt wird. Macht, während ihr durch die virtuellen Lande der PC- und Konsolenabenteuer lauft, nicht die Musik aus und hört Podcast, weil's "eh egal" ist. Lasst euch auf das ein, was euch da auditiv serviert wird, denn es ist nicht Anhängsel, sondern, wenn gut gemacht, integraler Bestandteil des Erlebnisses.

Die Belohnung sind wunderschöne, wesentlich intensive Erinnerungen, und die Möglichkeit, eure liebsten Geschichten immer wieder und wieder zu erleben, auch dann, wenn der Abspann schon lange gelaufen ist.


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