Spider-Man Miles Morales - Exklusive Preview-Eindrücke zum PS5-Titel
Special
Im zweiten Teil unserer großen Preview zum Playstation-5-Launch-Titel setzen wir uns mit dem angekündigten Bösewicht Tinkerer auseinander. Zudem stellen wir die verbesserte Stealth-Mechanik und die Verzahnung von Nebenmissionen mit der Hauptquest vor.
Zwischen den Fronten
Selbst für Leute, die sich mit den Spider-Man-Comics nicht sonderlich gut auskennen, ist ab diesem Zeitpunkt wohl klar, dass Roxxon irgendwas im Schilde führt, das nicht unbedingt etwas mit Weltfrieden oder dem Speisen der Armen zu tun hat. Umso blöder ist es da, dass Miles plötzlich auf sich alleine gestellt ist. Peter offenbart seinem Lehrling nämlich, dass Mary-Jane für eine Daily-Bugle-Reportage mehrere Wochen ins Ausland muss und er sie als Fotograf begleiten wird. Als wäre sich Miles der Verantwortung, der einzige Spider-Man in New York zu sein, nicht bewusst, hinterlässt ihm Peter seinen ersten Spidey-Anzug, den Great-Responsibility-Suit.
Spider-Man: Miles Morales in der Vorschau
Hier macht unsere Präsentation einen kleinen Sprung. Miles und sein Kumpel Ganke Lee gehen nun gemeinsam durch ein Straßenfest in Harlem und unterhalten sich über Roxxon, die laut Miles viel zu schnell viel zu groß geworden sind. Abgelenkt wird er jedoch durch die junge Straßenkünstlerin Hailey, mit der Miles per Zeichensprache kommuniziert. Auf unnötig blöde Sprüche von Ganke, wie man sie beispielsweise aus einigen Ultimate Spider-Man-Comics von Brian Michael Bendis kennt, wurde hier glücklicherweise verzichtet.
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games
Genau wie im Vorgänger steht nicht nur der Held, sondern auch die Person unter der Maske im Fokus der Geschichte.
Die Charaktere sind sympathisch und auch dieser kurze Abschnitt mit Miles zeigt den Protagonisten gelungen von seiner unsicheren privaten Seite. Bald schon muss er jedoch wieder zum Helden werden, denn als er und Ganke bei der Wahlkampfveranstaltung von Rio Morales ankommen, läuft nichts so wie geplant. Gerade noch hält die Stadtratkandidatin eine Rede gegen Roxxon und deren bewaffnete Söldner, die auch diese Veranstaltung abschirmen, da meldet sich der mysteriöse Tinkerer. Simon Krieger sei ein Mörder und der Untergrund werde Roxxon zerschlagen heißt es und da greift der Untergrund auch schon an und alle geraten in Panik.
Das hat man so auch in dem Gameplay-Demo des PS5-Showcases gesehen. Doch statt nun auch hier zu zeigen, wie Spider-Man die Schergen des Tinkerers bekämpft und Unschuldige rettet, macht unsere Präsentation erneut einen Sprung und Gameplay-Demo Nummer 3 startet. Man wollte uns nur noch mal einen Einblick in den schwelenden Konflikt zwischen Untergrund und Roxxon geben. Die Insomniac-Verantwortlichen bezeichneten den Tinkerer jedenfalls als Terroristen.
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games
Der Tinkerer wurde bisher als Terrorist und Hauptbösewicht vorgestellt, wir wittern hier aber einen Twist.
Wir sind gespannt, wie der Bösewicht schlussendlich präsentiert wird und rechnen schon fast damit, dass man uns auf eine falsche Fährte führen möchte. Insomniac Games haben zwar ihr eigenes kleines Spider-Man-Universum gebaut, sich aber auch nie zu weit von der Vorlage wegbewegt. Der Tinkerer ist in den Comics ein genialer Ingenieur und Erfinder, der Spider-Man mit seinen Gadgets das Leben schwer macht. Die Technikvorliebe passt wohl, doch der Insomniac-Tinkerer sieht um einiges futuristischer aus als der klassische Comic-Bösewicht.
Zudem ist der Tinkerer eigentlich nicht der große Anführer, sondern steht zumeist eher unter der Fuchtel eines anderen Fieslings. Wir lassen uns gerne von Insomniac überraschen, wie die ganze Tinkerer-Story aufgelöst wird, schließlich hatte das Studio bislang ein sehr gutes Gespür dafür, wie man bekannte Figuren darstellt, modernisiert oder gar verändern kann. Wir sind uns aber sehr sicher, dass uns hier noch ein Twist erwartet, da der Tinkerer nicht weiter thematisiert wurde und im nächsten Abschnitt schon wieder Roxxon im Fokus stand.
Alles neu macht der Miles
Im dritten Abschnitt der uns vorgeführten Gameplay-Demo schleicht sich der neue Spidey in eine geheime Roxxon-Basis. Zunächst sieht das Geschehen genauso aus wie die Stealth-Abschnitte aus dem Vorgänger. Der Held geht leise an Gegner heran, um sie dann auszuknocken oder bewegt sich auf Rohren und anderen Objekten über den Fieslingen, um sie schließlich mit einem Netz heranzuziehen und festzukleben. Dann offenbaren sich jedoch einige Neuerungen.
Dank Miles' Venom-Kräften hat man nun nämlich weitere Fallen im Repertoire. So kann man jetzt beispielsweise Elektro-Netze verschießen, die Gegner in der Nähe an sich heranziehen und dann eine kleine Explosion auslösen, wodurch weitere Wachen angelockt werden. Zudem kann Miles sich kurzzeitig unsichtbar machen. Eine Anzeige verrät uns, wie lange Miles sich vor den Blicken der Feinde verbergen kann. Bewegen wir Miles zu schnell, führen Attacken aus oder stecken Treffer ein, leert sich die Unichtbarkeitsleiste natürlich rascher.
Auch hier versichert uns Cameron Christian, dass der Titel trotz der neuen Fähigkeiten nicht zu einfach werde. "Es gibt hier ebenfalls neue Gegnertypen. Die können Miles aufspüren oder gar seine Tarnung durchschauen." Hier hatten wir auch nichts anderes erwartet, uns beschäftigt eher die Frage, ob man nun Gebiete auch komplett heimlich säubern kann oder man wieder ab einem bestimmten Punkt zwangsweise entdeckt wird. Der Game Director antwortet darauf glücklicherweise so, wie wir es uns erhofft haben.
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games
Dank des DualSense-Controllers soll man quasi spüren können, wie sich die Venom-Energie in Miles auflädt.
Man habe auf das Spieler-Feedback gehört und es sei einer der häufig genannten Kritikpunkte gewesen, dass man die Areale nicht auschließlich im Stealth-Modus beenden konnte. "In Spider-Man: Miles Morales kann man in den dafür vorgesehenen Abschnitten deshalb komplett leise vorgehen. Es gibt keinen Punkt mehr, wo ein Trigger dafür sorgt, dass ihr auffliegt. Es ist nun sogar so, dass ihr euch wieder verstecken könnt, wenn ihr einmal entdeckt wurdet." Auch Spider-Man: Miles Morales wird sicherlich kein Hardcore-Stealth-Spiel, dafür stellten sich die KI-Gegner in der Demo dann doch etwas zu doof an, aber eine Erweiterung der Gameplay-Mechanik verleiht dem Spiel doch mehr Varianz.
Doch nicht nur beim heimlichen Vorgehen, sondern auch in puncto Nebenmissionen soll es einige Neuerungen geben. Dabei gingen Brian Horton und Cameron Christian weniger auf die Zufallsverbrechen ein, sondern bezogen sich vor allem auf die echten Nebenquests, die schon im Vorgänger kleinere Storys erzählten. Diese Nebenmissionen sollen nun noch besser mit der Hauptstory verzahnt werden, sodass alles etwas organischer wirkt. Im vierten Demo-Abschnitt, auf den wir uns gleich beziehen, traf Miles beispielsweise wieder auf Straßenkünstlerin Hailey, die unser Held offenbar ganz schnuckelig findet. Hier kann man schon ganz gut erkennen, dass Hauptstory und Nebenmissionen wohl nicht mehr so klar voneinander getrennt werden.
Zudem wird man nun in einer von Ganke entwickelten App benachrichtigt, wenn jemand in der Nachbarschaft Hilfe braucht. So entgehen einem potenziell spaßige Aufträge auch nicht mehr. Im vierten Abschnitt der uns gezeigten Gameplay-Demo bekamen wir dann auch zu sehen, dass die Nebenmissionen durchaus zu einer kleinen Questreihe werden können, und auch, dass die Entwickler weiterhin mit Humor an die Sache herangehen. Miles begibt sich zu einem kleinen Geschäft, wo der Inhaber seine Katze vermisst gemeldet hat. So sehr dieser die Katze aber auch liebt, er sähe viel lieber den "echten" Spider-Man und nicht so einen Neuling an diesem Fall arbeiten.
Der eigentlich harmlose Auftrag entpuppt sich jedoch als trügerisch. Auf der Suche nach dem ausgerissenen Haustier stolpert Miles nämlich über einige verbrecherische Aktivitäten, die schließlich in einem Bankraub enden, den der junge Spidey natürlich vereiteln muss. Das geschieht durch eine Mischung der bekannten Gameplay-Elemente. Einige Gangster werden ordentlich verprügelt, andere hingegen heimlich ausgeschaltet. Interessanter ist da vielmehr, dass immer wieder kleinere Umgebungsrätsel eingestreut werden, die den Spielablauf auflockern.
So muss der Jung-Spidey beispielsweise mit Hilfe seiner Venom-Power die Stromversorgung eines Fahrstuhls wieder zum Laufen bringen oder mit seinen Netzen geschickt Objekte platzieren. Laut Brian Horton und Cameron Christian soll es nun mehr dieser Knobeleien im Spiel geben. Miles habe schließlich so viele verschiedene Kräfte, die man auch für andere Dinge nutzen könne als Verbrecher zu verhauen. Wir sind gespannt, ob uns schlussendlich nur nette Objektverschiebereien oder tatsächlich ein paar ordentliche Kopfnüsse erwarten, die es zu knacken gilt.
Die Demo endete dann übrigens damit, dass Miles die Katze unbeschadet zum Besitzer zurückbrachte und dafür den Spider-Cat-Anzug erhielt. Damit hat er einen Rucksack, in dem die Katze sitzt und ab und zu seine Aktionen mit Miauen kommentiert. Spider-Cat hat sich innerhalb von Insomniac zum Liebling entwickelt, weshalb man dem Anzug sogar einen speziellen "Cat-Finisher" spendierte. Wir sagten ja bereits, dass die Entwickler mit viel Humor bei der Sache sind.
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games
Erneut soll es viele verschiedene Spider-Man-Anzüge mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten geben.
Held einer neuen Generation
Ob nun bei den Missionen, der Inszenierung, der Story-Prämisse, dem allgemeinen Gameplay oder der Darstellung der Charaktere - man merkt, dass Insomniac Games wieder genauso umsichtig an das Spiel herangehen wie beim Vorgänger. Spider-Man: Miles Morales ist kein schnell zusammengewürfeltes Spielchen, dass nur existiert, damit die PS5 einen Launch-Titel mit starker Lizenz hat. Spricht man mit den Insomniacs fällt schnell auf, wie viel Leidenschaft für Spider-Man und gerade den Charakter Miles Morales vorhanden ist.
Brian Horton verriet uns ganz offen, dass ein Spiel mit Miles erst gar nicht geplant war, es tatsächlich überhaupt keinen Plan für Nachfolger gab. "Während der Produktion von Spider-Man verliebten wir uns immer mehr in den Charakter Miles Morales, sodass wir immer mehr darüber nachdachten, wie wohl ein Spiel mit ihm als Hauptfigur aussehen würde." Schlussendlich wurde aus der Träumerei Realität, denn bereits vor der Fertigstellung des Vorgängers begann man bei Insomniac mit der Arbeit an Miles Morales.
"Damals noch auf der PS4, aber die neue Hardware ist so entwicklerfreundlich, dass wir schnell alles auf die PS5 umstellen konnten.", sagt Cameron Christian. Ebenso einfach scheint auch die Zusammenarbeit mit Marvel selbst zu sein. Laut Horton und Christian tausche man sich regelmäßig aus, habe aber enorme Freiheiten, die eigene Vision von Spidey umzusetzen. Dank Marvel habe man sich auch mit den Machern des Oscar-prämierten Animationsfilms Spider-Man: A New Universe austauschen können, die bereits Miles Morales in den Fokus rückten.
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games
Bislang wissen nur Peter Parker und Ganke Lee, wer unter der Maske steckt. Wird sich das im Spielverlauf noch ändern?
Game Director Christian verriet uns weiter, dass es sogar eine Idee der Filmemacher ins Spiel geschafft habe. Um was es sich dabei genau handelt, sagte er jedoch nicht. Das werden wir wohl erst zum Release am 19. November erfahren. Marvel jedenfalls vertraut Insomniac Games vollkommen, wie uns Bill Rosemann, VP und Head of Creative of Marvel Games, erzählt: "Als uns Insomniac damals ihre Vision von Spider-Man vorstellten, merkten wir sofort, dass sie den Charakter verstehen und wir ihnen mit der Marke vertrauen können. [...] Das erste Spiel war ein Liebesbrief an Peter Parker und das neue Spiel wird ein Liebesbrief an Miles Morales."
Natürlich bekamen wir nur etwa eine Stunde zusammengeschnittener Szenen des Titels zu sehen, doch unsere Eindrücke sind ähnlich positiv wie die Worte von Bill Rosemann. Das Gameplay wurde sinnvoll erweitert, die Technik macht einen klasse Eindruck, die Story-Prämisse ist spannend und der neue Held macht ebenfalls eine gute Figur. Bislang sieht alles nach dem ersten Exklusiv-Hit der PS5-Generation aus.
