Spider-Man Miles Morales - Exklusive Preview-Eindrücke zum PS5-Titel

Special Christian Dörre
Spider-Man Miles Morales - Exklusive Preview-Eindrücke zum PS5-Titel
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games

Als eines von nur einer Handvoll Magazine weltweit erhielten wir deutschlandexklusiv einen großen Einblick in den kommenden PS5-Launch-Titel Spider-Man: Miles Morales. Uns wurden neue Gameplay-Szenen vorgeführt und wir sprachen mit zahlreichen leitenden Entwicklern von Insomniac Games sowie dem Head of Creative von Marvel Games und Miles-Morales-Darsteller Nadji Jeter.

Nach etlichen Lizenzgurken zur freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft hatte man sich fast schon damit abgefunden, dass es keine guten Spiele zu Spidey mehr geben wird. Doch genau wie die Verfilmungen mit Homecoming noch mal die Kurve kriegten, gelang es Insomniac 2018 mit dem PS4-exklusiven Spider-Man, der Comic-Vorlage gerecht zu werden, genügend frische Ideen einfließen zu lassen und insgesamt einfach ein qualitativ hochwertiges Produkt abzuliefern.

Da zudem auch noch die Verkäufe stimmten, war auch klar, dass das Open-World-Action-Adventure eine Fortsetzung bekommen wird. Pünktlich zum Launch der neuen Playstation-Generation ist es dann auch soweit. Also, nicht ganz, aber irgendwie schon. Statt das Abenteuer von Peter Parker weiterzuspinnen, steht diesmal Miles Morales im Mittelpunkt. Außerdem ist Spider-Man: Miles Morales (jetzt kaufen 36,80 € ) keine direkte Fortsetzung, sondern eher ein Spin-off oder eigenständig laufendes Add-on.

Insomniac Games selbst vergleichen den PS5-Launch-Titel mit der Uncharted-Auskopplung The Lost Legacy ihrer Kollegen von Naughty Dog. Auch die Spielzeit soll dementsprechend etwas kürzer ausfallen als im letzten Teil. Man sollte das neue Spidey-Game dennoch nicht als kleines, aber belangloses Leckerli abspeisen, denn Insomniac haben sich für Miles Morales allerlei Dinge einfallen lassen, die wohl erneut für ein grandioses Spektakel sorgen werden.

Davon konnten wir uns selbst überzeugen, denn als eines von nur wenigen Magazinen weltweit wurden uns mehrere ausführliche Gameplay-Demos vorgestellt und anschließend durften wir zudem noch mit mehreren führenden Entwicklern von Insomniac Games, dem Head of Creative von Marvel Games sowie Miles-Morales-Darsteller Nadji Jeter plaudern.

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Im Kiez der Spinne

Laut Insomniac Games soll es in der PS5-Version keinerlei Ladezeiten geben. Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games Laut Insomniac Games soll es in der PS5-Version keinerlei Ladezeiten geben. Die Geschichte setzt nur kurze Zeit nach den Geschehnissen des Vorgängers ein. Miles Morales ist gerade mit seiner Mutter Rio Morales von Brooklyn nach Harlem gezogen. Rio engagiert sich dort auch direkt politisch und möchte sich in den Stadtrat wählen lassen, denn sowohl ihr als auch vielen von New Yorks Bürgern ist die plötzliche, sich immer weiter ausbreitende Präsenz des zwielichtigen Roxxon-Konzerns ein Dorn im Auge. Miles hingegen geht zur Schule, hängt mit seinem besten Freund und absoluten Technik-Freak Ganke Lee ab und geht nebenher beim originalen Spider-Man in die Lehre. Der letztgenannte Punkt ist dann auch der Fokus der ersten Gameplay-Demo, die uns vorgeführt wird und zudem auch der Anfang des Spiels.

Wir starten mit dem Titelbildschirm, während Miles im Hintergrund zu sehen ist, wie er in der U-Bahn steht, Musik hört und Teenager-typisch gelangweilt auf sein Smartphone starrt. Mit der Auswahl eines neuen Speicherstandes geht das Geschehen vollkommen nahtlos ins Spiel über. Die Bahn halt, die Türen öffnen sich und Miles läuft durch den Bahnhof nach draußen. Wie Game Director Cameron Christian und Creative Director Brian Horton uns später mitteilen, soll es in der PS5-Version keinerlei Ladezeiten im Spiel geben. Zur ebenfalls erscheinenden PS4-Fassung machten die Entwickler diesbezüglich keine Angaben. Wir gehen hier also von Ladezeiten wie im Hauptspiel aus. Die Spielwelt ist schließlich die gleiche.

Allerdings haben sich die Insomniacs viele Dinge einfallen lassen, um das aus dem Vorgänger bekannte New York frisch zu halten. Art Director Gavin Goulden erzählt uns zunächst, was uns auch bereits in den veröffentlichten Trailern aufgefallen ist: Das neue Spider-Man spielt zu einer anderen Jahreszeit. Begab man sich im letzten Teil noch auf eine Halloween-Party, ist es nun verdammt weihnachtlich. Schnee liegt auf Dächern und Gehwegen, der zuvor herbstlich bunte Central Park ist nun kahl und überall strahlt einem Weihnachtsdekoration entgegen.

Gould erklärt uns, dass allerdings etwas mehr Mühe in das Spiel gesteckt wurde, als einfach nur die Jahreszeit zu verändern. "New York zur Weihnachts- oder Vorweihnachtszeit ist ganz anders als sonst im Jahr. Wer zu dieser Zeit schon mal da war oder bestimmte Filme gesehen hat, wird das bestätigen. Unser Ziel war es, diese besondere weihnachtliche Atmosphäre von New York ins Spiel zu bringen." Davon sehen wir später in der Demo auch noch was, zunächst kommen wir jedoch zu einem anderen Punkt, der die Spielwelt "frisch" erscheinen lässt.

Die Region Harlem war zwar schon im Vorgänger vertreten, war dort jedoch nur ein ziemliches Standardviertel. Nun wurde das Gebiet komplett neu gestaltet und mit zahlreichen Details versehen. "Genau wie in unserem letzten Spiel oder in den Spider-Man-Comics stehen sowohl die Helden-Persönlichkeit als auch die private Seite des Protagonisten im Mittelpunkt. Harlem ist Miles' Welt und die Spieler sollen das Viertel mit all seinen Markenzeichen erleben, um in diese Welt abzutauchen.", sagt uns Brian Horton.

Um MIles eine richtige Heimat zu geben, wurde der Bezirk Harlem komplett neu gestaltet. Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games Um MIles eine richtige Heimat zu geben, wurde der Bezirk Harlem komplett neu gestaltet. Und das geschieht auch direkt zum Start. Das Spiel entführt uns in eine belebte bunte Ecke der Stadt. Miles sieht einen Herrn, der offensichtlich gerade umzieht und hilft ihm beim Tragen des Sofas. Nur ein paar Meter weiter sprüht ein Straßenkünstler ein riesiges Graffito des Original-Spider-Man an eine Hauswand und Miles fragt etwas unbeholfen, was der Sprayer denn von dem neuen Spider-Man halte und ob er den vielleicht noch dazusprühen wolle.

Man fühlt sich tatsächlich direkt im Leben von Miles angekommen. Einen zusätzlichen Atmosphäre-Schub erhält die Spielwelt zudem durch die wunderschöne Grafik. Spider-Man sah schon echt gut aus, doch gerade an den kleinen, feinen Details in der Umgebung und der Beleuchtung merkt man, dass Miles Morales enorm von der Hardware-Power der PS5 profitiert. Harlem ist so hübsch und wirkt so organisch, dass wir fast ein bisschen traurig sind, dort verschwinden zu müssen, als Miles eine Nachricht von Peter Parker bekommt.

Schwungvoll ins Abenteuer

Unsere Trauer hält sich dann aber doch in Grenzen, denn schließlich bekommen wir den neuen Spider-Man nun erstmals in Action zu sehen. Genau wie Peter Parker in seinen Anfangstagen als Held, hat auch Miles Morales kein richtiges Kostüm, sondern nur umfunktionierte Straßenklamotten. Das wird sich später jedoch ändern. Wie schon im Vorgänger soll es eine Vielzahl von Spidey-Anzügen geben, die jeweils verschiedene Fähigkeiten mitbringen, doch dazu später mehr.

Was sofort auffällt, ist jedoch, wie unbeholfen sich Miles Morales im Vergleich zu Peter Parker noch bewegt. Senior Animator James Ham, nicht verwandt oder verschwägert mit Spider-Ham, erzählte uns später, dass es für ihn und sein Team eine große Herausforderung war, die Bewegungen des neuen Helden passend darzustellen. "Miles hat zwar gelernt, zu schwingen, ist aber immer noch etwas unsicher oder sogar misstrauisch seinen Kräften gegenüber. Das wollten wir einfangen, ohne dass der Spaß und der Flow des Schwingens abhanden kommen."

Das scheint dem Team auch gelungen zu sein, denn in unserer Gameplay-Demonstration schwingt sich Miles nicht weniger rasant und waghalsig durch Manhattans Häuserschluchten als sein Mentor, dennoch merkt man seinen Bewegungen eine gewisse Unsicherheit an. Ham versichert uns aber, dass wir keine Angst zu haben brauchen, der neue Spidey sei zu zaghaft. Im Gegensatz zum Nerd Peter Parker soll der sportliche Miles einige neue, riskante Manöver und Kombos während des Schwingens ausführen können. Diese seien jedoch eine Überraschung.

Beim Schwingen erkennt man viele neue Animationen, die Miles' Unsicherheit, aber auch Waghalsigkeit darstellen. Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games Beim Schwingen erkennt man viele neue Animationen, die Miles' Unsicherheit, aber auch Waghalsigkeit darstellen. Auch Miles-Darsteller Nadji Jeter spricht davon, dass es besonders herausfordernd war, den jungen Mister Morales richtig einzufangen. "Er ist gleichzeitig unsicher, aber auch ungestüm. Das wollte ich im Performance-Capture-Verfahren rüberbringen." Auf unsere Nachfrage hin erzählt uns der junge Schauspieler, der Miles Morales bereits in einer Animationsserie und Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order (exklusiv für Nintendo Switch) seine Stimme lieh, dass ihm tatsächlich das Tanz-Training, das er für andere Rollen erhielt, sehr dabei half, Miles richtig zu verkörpern. Vor allem bei den Kämpfen.

Brian Horton ergänzte hier, dass Nadji Jeters Tanzen sogar im ersten Spiel verewigt wurde. Der Schauspieler alberte bei den Aufnahmen herum und Insomniac baute den Tanz ein. Wer im ersten Teil schon mal einen Straßenkünstler beobachtete, hat also die Moves vom neuen Spidey schon mal in Aktion gesehen. Doch zurück zum Schwingen: Das sieht nicht nur weiterhin wunderbar geschmeidig aus, es soll nun sogar noch mehr Spaß machen.

Dank des DualSense-Controller der PS5, der adaptive Schultertasten besitzt und haptisches Feedback vermittelt, soll man nun quasi fühlen können, wie man in der Luft Netze verschießt. Nun, wir wurden bisher noch nicht von einer radioaktiven Spinne, sondern höchstens von unserem tollwütigen Redaktions-Gibbon Manfred gebissen, und wissen daher nicht, wie es sich anfühlt, Spinnennetze zu verschießen und durch die Stadt zu schwingen, aber mehr Controller-Feedback ist ja immer gut.
Senior Animator James Ham verspricht jede Menge neuer Tricks, die man beim Schwingen ausführen kann. Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games Senior Animator James Ham verspricht jede Menge neuer Tricks, die man beim Schwingen ausführen kann.

Das Rhino beim Horn packen

Miles Morales telefoniert während des Schwingens zum Treffpunkt noch kurz mit seiner nichtsahnenden Mutter, die ihn eigentlich Einkaufen geschickt hat, und erklärt ihr, dass alles ausverkauft ist und er in andere Geschäfte müsse. So erkauft sich der Jungspund genügend Zeit für sein Abenteuer mit Peter. Das hat es dann auch ziemlich in sich, denn die beiden Spider-Men beobachten, wie ein Helikopter einen Gefangenentransport aus dem Hochsicherheitsgefängnis Raft durchführt.

Peter wundert sich gerade noch, wer da wohl aus welchen Gründen an einen anderen Ort gebracht wird, da bricht auch schon das Chaos aus. Der am Helikopter angebrachte Container löst sich und kracht auf eine Straßenkreuzung. Heraus kommen zahlreiche normale Gewalttäter und der riesige, unmenschlich starke Rhino. Während Peter sich auf den Superbösewicht stürzt, stellt sich Miles den Normalo-Gangstern entgegen.

Hier können wir dann auch erkennen, dass Insomniac - wenig überrraschend - an der grundlegenden Steuerung nicht geändert haben. Mit X springt man, mit Dreieck verschießt man Netze, mit Quadrat schlägt man und mit Kreis weicht man aus. Da die Schlägerei mit Rhinos Schergen das Kampf-Tutorial des Spiels ist, ist er weder sonderlich fordernd noch spektakulär. Gerade, wenn man den Vorgänger gespielt hat. Miles weicht geschmeidig den Attacken der Fieslinge aus und prügelt sie mit eingängigen Kombos windelweich.

Dann wird es jedoch spannend, denn Rhino kann sich von Peter losreißen und rennt los. Miles folgt der Schneise der Verwüstung über New Yorks Straßen und sogar durch ein Haus hindurch, dessen Wand Rhino einfach einreißt. Schließlich erreicht Miles den Riesen mit dem Hirn eines durchschnittlichen Sommerhaus-C-Promis und springt auf dessen Rücken. Rhino lässt sich davon aber nicht aufhalten und rennt in ein Einkaufszentrum. Nun liegt es an Miles, Rhino so zu lenken, dass keine Unschuldigen verletzt werden.

Wie schon im letzten Teil sind die Bosskämpfe wohl wieder top inszeniert. Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games Wie schon im letzten Teil sind die Bosskämpfe wohl wieder top inszeniert. Der Spidey-Lehrling zieht am Verbrecher und verschießt gerade noch rechtzeitig seine Netze, um eine Frau mit Kinderwagen zu retten. Außerhalb der Mall stößt Peter wieder dazu, doch erneut können nicht beide Spider-Men gegen Rhino kämpfen, denn Verbrecher mit Raketenwerfern tauchen auf. Als Miles die Fieslinge unschädlich gemacht hat, fliegt ihm auch schon der verletzte Peter entgegen. Miles muss alles beherzigen, was ihm sein Mentor beigebracht hat und über sich selbst hinauswachsen, um Rhino zu besiegen.

Die Mischung aus Wut und Verzweiflung offenbart dem Teenager jedoch Kräfte, von denen er zuvor nichts wusste. Plötzlich werden seine Schläge und Tritte bioelektrisch aufgeladen. So kann Miles selbst ein paar kräftige Kinnhaken austeilen, die Rhino mächtig zusetzen und schließlich ganz umhauen. Game Director Cameron Christian erklärt uns, dass die sogenannten Venom-Attacken das Kampfsystem noch mal variabler gestalten und ausbauen sollen.

Per L1 aktiviert man die Venom-Kräfte und in Kombination mit einer der Aktionstasten haut man den Gegnern dann eine spezielle Power um die Ohren. Die Kombo aus L1 und der Quadrattaste ist der sogenannte Venom-Punch, quasi ein bioelektrischer Kinnhaken, der sowohl den direkten Gegner als auch dessen Kollegen um ihn herum verletzt. Auch hier werden die Fähigkeiten des DualSense-Controllers ausgenutzt. Laut Christian soll man im Controller spüren können wie sich die Kraft in Miles auf- und wieder entlädt, wenn man sie einem Feind entgegenschleudert. Im Bosskampf gegen Rhino nutzt Miles seine neu entdeckten Fähigkeiten, um Rhino kurzzeitig zu betäuben und ihm dann eine Schlagsalve zu verpassen.

Zudem betonte der Game Director, man solle sich keine Sorgen machen, dass das Aufladen lange dauere und Tempo aus den Kämpfen nehme. Der DualSense-Controller vermittelt wohl so schnell und genau das haptische Feedback, dass die Fights weiterhin schön actionreich bleiben. Allerdings solle man nicht darauf vertrauen, dass Spider-Man: Miles Morales durch Venom einfacher werde als der Vorgänger. "Es wird neue Gegnertypen geben, die gewissen Attacken gegenüber unempfindlich sind oder diese sogar zu kontern wissen. Lasst euch überraschen."

Wenig überraschend hingegen ist, dass die Bosskämpfe wieder top-inszeniert sind, wie wir am Rhino-Gefecht selbst sehen konnten. Die Prügelei durch mehrere Räumlichkeiten einer Fabrik sieht klasse aus und die durch Miles' Venom-Blast verursachten Partikeleffekte sind richtig schön. Davon ist selbst der etwa angeschlagene Peter Parker beeindruckt. Bevor er jedoch seiner Verwunderung über Miles' Kräfte weiter Ausdruck verleihen kann, rücken auch schon Häscher von Roxxon an, die Rhino abtransportieren. Selbst Roxxon-Chef Simon Krieger (gesprochen von Troy Baker) ist dabei und bedankt sich überschwänglich bei den sichtlich verblüfften Spider-Men.

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